Olympia 2022 - Deutsche Biathleten bleiben in Peking erstmals seit 2010 ohne Medaille: "Bitter und enttäuschend"

Nach dem erneut schwachen Massenstart steht fest: Die deutschen Biathleten reisen ohne Edelmetall von den Olympischen Winterspielen in Peking. Das hatte es zuletzt vor zwölf Jahren gegeben. Als beste Platzierung steht ein vierter Platz in der Staffel. Entsprechend enttäuscht fiel Benedikt Dolls Olympia-Fazit direkt nach dem Rennen aus. "Die Staffel tut ziemlich weh", gab er im "ZDF" zu.

Dominant zum Rekord: Bö-Gala beschert viertes Gold

Quelle: Eurosport

"Vor vier Jahren habe ich nicht mit einer Einzelmedaille gerechnet, dieses Mal habe ich mir schon eine Medaille vorgenommen", erklärte Benedikt Doll weiter.
In Pyeongchang gewann der Sprint-Weltmeister von 2017 Olympia-Bronze in der Verfolgung. Zudem gab es Bronze mit der Staffel.
Diesmal ging er dagegen wie seine Teamkollegen leer aus. Dabei galt er nach seinen starken Leistungen im Januar, Sprint-Zweiter in Ruhpolding und Massenstart-Sieger bei der Generalprobe in Antholz, als große deutsche Medaillenhoffnung.
Als bestes Einzel-Ergebnis steht beim Schwarzwälder am Ende Rang sechs im Einzel. "Im Einzel war die Medaille am greifbarsten", zog Doll am Freitag Bilanz. Doch zwei Fehler waren für Edelmetall einer zu viel.

Doll: "In der dritten Runde sind mir elf Finger abgefroren"

Bis zum dritten Schießen lag Doll im abschließenden Massenstart auf Medaillenkurs, doch dann schoss er stehend bei sehr windigen Verhältnisse insgesamt sechs Fehler. So fehlten ihm im Ziel als bester Deutscher über eine Minute auf die Medaillenränge. Auf Sieger Johannes Thingnes Bö, der sein drittes Gold in Peking holte, waren es gar 2:31,4 Minuten.
"In der dritten Runde sind mir elf Finger abgefroren. Beim ersten Schießen hätte ich locker null schießen können. Beim letzten Schießen wusste ich, dass ich mit null oder einem Fehler durchkommen muss, damit ich noch eine Chance auf eine Medaille haben", analysierte Doll. Doch statt maximal einem Fehler wurden es gleich deren vier. "Ob es dann am Ende zwei oder vier Fehler sind, ist egal. Es war sehr, sehr windig. Am Ende steht ein achter Platz, für die Medaille hat es halt nicht gereicht", musste er sich eingestehen.
Schon kurz nach der Enttäuschung richtete er aber den Blick voraus: "Ich habe gute Rennen gehabt und will jetzt wieder im Weltcup Gas geben."
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"Ich kotz in die Ecke!" Rösch leidet mit bei chaotischem letzten Schießen

Quelle: Eurosport

Rösch: "Chance in der Staffel nicht genutzt"

Eurosport-Experte Michael Rösch zog dagegen ein eher ernüchterndes Fazit.
"Vor den Spielen waren die Männer eher die Favorisierten im deutschen Team - sie konnten Weltcups aus eigener Kraft gewinnen, aber wie schon im letzten Jahr bei der WM haben es dann die Frauen rausgeholt. Es ist schon bitter, die Männer sind läuferisch dabei, aber es reicht nicht für die Medaillen - und daran wird man bei Olympia gemessen. Da fehlt ein wenig die Abgebrühtheit und vielleicht auch das Quäntchen Glück", erklärte der Staffel-Olympiasieger von 2006 und bilanzierte weiter:
"Aus deutscher Sicht bleibt der Olympiasieg von Denise Herrmann hängen. Vanessa Voigt hat ein großes Ausrufezeichen gesetzt und geht verdient mit einer Medaille nach Hause. Bei den Männern bin ich schon ein bisschen enttäuscht. Es waren super Rennen, Benedikt Doll war dreimal in den Top Ten. In der Staffel war die Tür soweit auf, aber die Chance wurde nicht genutzt. Daher ist es rein medaillenmäßig enttäuschend, aber leistungsmäßig passt es. Es ist okay, aber okay ist halt keine Medaille."
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Rösch schlägt nach Enttäuschung Alarm: "Andere Nationen haben uns überholt"

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Kühn ärgert sich über Fehler liegend: "Hätte nicht sein müssen"

Zweitbester Deutscher war am Freitag Johannes Kühn als Zehnter. Sein bestes Resultat in Peking. Auf die Frage, ob ihn dies nun versöhne, musste der 30-Jährige lange überlegen. "Es ist so lala, Zehnter ist in Ordnung. Damit bin ich zufrieden. Ich bin Startnummer 15 losgelaufen, das heißt ich bin 15. im Gesamtweltcup. Zehnter ist jetzt ein bisschen besser als das", sagte Kühn.
Insgesamt sei er aber nicht ganz zufrieden, ergänzte er und ärgerte sich besonders über seinen Fehler im ersten Liegendschießen: "Der hätte nicht unbedingt sein müssen. Dann wären wir schon von Anfang ein bisschen besser in der Gruppe dabei gewesen. So waren die ersten drei Runden eigentlich nur Vollgas, um irgendwie hinterherzukommen."
Die vier Fehler im Stehendanschlag seien angesichts der Windbedingungen "okay" gewesen. Allerdings waren dies nicht seine einzigen Probleme im 15-Kilometer-Rennen. So berichtete er von einem Stockbruch und einem rausrepetierten Schuss. "Das summiert sich am Ende dann zu ein bisschen zu vielen Kleinigkeiten", erklärte Kühn.
Die beiden weiteren Deutschen Roman Rees und Philipp Nawrath beendeten den Massenstart als 14. und 23.
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Klare Überlegenheit: Bö läuft zu seiner vierten Goldmedaille in Peking

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Nawrath scheitert am Wind: "War ein Knackpunkt"

Bitter verlief das Rennen für Nawrath: Nach zwei fehlerfreien Liegendschießen lag er wie Doll zwischenzeitlich auf Medaillenkurs. Doch stehend blieben insgesamt sieben der zehn Scheiben stehen. So ging es für den Nesselwanger weit zurück. "Stehend war der Wind definitiv für mich ein Knackpunkt", erklärte der 29-Jährige seine Fehler.
Gut eineinhalb Wochen haben Doll, Kühn, Nawrath und Co. nun Zeit die medaillenlosen Spiele aus dem Kopf zu bekommen. Am 4. März geht es für die Biathleten beim Weltcup in Kontiolahti mit dem nächsten Staffel-Wettkampf weiter.

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Quelle: Eurosport

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