Nur bis zur Rennhälfte schienen Benedikt Doll und Philipp Nawrath die enttäuschende Nullnummer für die Biathleten noch abwenden zu können - dann blies der starke Wind im Massenstart auch die letzten Medaillenhoffnungen davon.
Erstmals seit 2010 endeten Olympische Winterspiele für die deutschen Männer ohne Edelmetall. Auch die Frauen blieben am Freitag im abschließenden Massenstart zwar ohne Medaille, lagen mit Einzel-Gold durch Denise Herrmann und Staffel-Bronze aber zumindest im Soll.
"Klar schmerzt es, aber es hilft nichts", sagte Nawrath: "Wir müssen weiterarbeiten und schauen, dass wir in Zukunft wieder weiter vorne angreifen können." Bis vor dem dritten Schießen hatten er und Doll noch fehlerlos auf den Plätzen zwei und drei gelegen, doch dann zog der böige Wind wieder auf.
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"In der dritten Runde sind mir elf Finger abgefroren. Beim ersten Schießen hätte ich locker Null schießen können. Beim letzten Schießen wusste, ich dass ich mit null oder einem Fehler durchkommen muss, damit ich noch eine Chance auf eine Medaille haben. Ob es dann am Ende zwei oder vier Fehler sind, ist egal. Es war sehr, sehr windig. Am Ende steht ein achter Platz, für die Medaille hat es halt nicht gereicht", konstatierte Doll.

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Doll leistete sich bei äußerst schwierigen Windverhältnissen insgesamt sechs Strafrunden und war als Achter bester Deutscher.
Der Rückstand auf den Norweger Johannes Thingnes Bö (4 Strafrunden), der seine vierte Goldmedaille im sechsten Rennen gewann und mit dem 15. norwegischen Olympiasieg bei diesen Winterspielen für einen Rekord sorgte, betrug 2:31,4 Minuten. Silber ging an den Schweden Martin Ponsiluoma (2) vor Vetle Sjastad Christiansen (Norwegen/3).
Nur gut sieben Sekunden hinter Doll kam Johannes Kühn (5) als Zehnter ins Ziel. Roman Rees wurde mit drei Strafrunden 14., Philipp Nawrath musste sich nach sieben Schießfehlern mit Platz 23 zufriedengeben. "Stehend war der Wind definitiv für mich ein Knackpunkt", sagte Nawrath im "ZDF".

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Rösch legt Finger in die Wunde: "Fehlt ein wenig die Abgebrühtheit"

Zwei Medaillen pro Geschlecht hatten sich die Verantwortlichen des Deutschen Skiverbandes (DSV) vor der Peking-Reise gewünscht. Die Frauen erfüllten diese Vorgabe mit Einzel-Gold von Herrmann und Bronze durch die Staffel. Vor vier Jahren hatten die Biathleten noch sieben Medaillen gewonnen, darunter drei goldene durch Laura Dahlmeier und Arnd Peiffer.
"Vor den Spielen waren die Männer eher die Favorisierten im deutschen Team - sie konnten Weltcups aus eigener Kraft gewinnen, aber wie schon im letzten Jahr bei der WM haben es dann die Frauen rausgeholt. Es ist schon bitter, die Männer sind läuferisch dabei, aber es reicht nicht für die Medaillen - und daran wird man bei Olympia gemessen. Da fehlt ein wenig die Abgebrühtheit und vielleicht auch das Quäntchen Glück", sagte Eurosport-Experte Michael Rösch und bilanzierte:
"Aus deutscher Sicht bleibt der Olympiasieg von Denise Herrmann hängen. Vanessa Voigt hat ein großes Ausrufezeichen gesetzt und geht verdient mit einer Medaille nach Hause. Bei den Männern bin ich schon ein bisschen enttäuscht. Es waren super Rennen, Benedikt Doll war dreimal in den Top Ten. In der Staffel war die Tür soweit auf, aber die Chance wurde nicht genutzt. Daher ist es rein medaillenmäßig enttäuschend, aber leistungsmäßig passt es. Es ist okay, aber okay ist halt keine Medaille."

Rösch schlägt nach Enttäuschung Alarm: "Andere Nationen haben uns überholt"

DSV-Damen gehen im Massenstart ebenfalls leer aus

Auch die deutschen Damen blieben am Freitag im Massenstart ohne Medaille, Franziska Preuß wurde als beste Deutsche mit vier Strafrunden Achte.
Dennoch zeigte sich Frauen-Cheftrainer Kristian Mehringer im "ZDF" durchaus zufrieden über das abschneiden ihrer Athletinnen in Peking. "Mit der goldenen und der bronzenen Medaille können wir schon zufrieden nach Hause reisen", so der 40-Jährige. Auch Herrmann stimmte da voll und ganz zu. "Wir waren als Team auf den Punkt da. Wir haben alle gezeigt, was wir drauf haben", sagte die 33-Jährige, die im Massenstart nach fünf Strafrunden auf Rang 13 landete.
Aufgrund von Warnungen vor extrem niedrigen Temperaturen inklusive eisigen Windes in Zhangjiakou war der Massenstart der Frauen um einen Tag vorverlegt worden. Doch auch am Freitag machte starker Wind vor allem das Stehendschießen zur Höchstschwierigkeit - und teilweise sogar zum Glücksspiel.
Am besten meisterte die schwierigen Bedingungen bei den Frauen die Französin Justine Braisaz-Bouchet, die Norwegerin Tiril Eckhoff holte Silber. Bronze ging an deren Landsfrau Marte Olsbu Röiseland (alle 4 Strafrunden), die im sechsten Rennen von Zhangjiakou ihre fünfte Medaille holte. Das hatte bei einer Ausgabe von Winterspielen noch nie eine Biathletin geschafft.
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(mit SID)

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