Selina Grotian vor dem Weltcupstart im exklusiven Interview mit Eurosport: "Ich hätte gefühlt alles hinschmeißen können"

Selina Grotian gelang in der letzten Saison der endgültige Durchbruch. Im Dezember 2024 gewann die 21-Jährige beim Massenstart in Le Grand-Bornand ihr erstes Weltcuprennen. In Oberhof und Antholz überzeugte Grotian mit Top-5-Platzierungen, dazu gewann sie WM-Bronze mit der deutschen Mixed-Staffel. Bei Eurosport blickt der deutsche Biathlon-Star auf den Olympia-Winter voraus.

Grotian exklusiv: "Ich kann das immer noch nicht glauben"

Quelle: Eurosport

Start frei für die besten Biathleten der Welt! Am Wochenende finden im schwedischen Östersund die ersten Rennen der neuen Weltcupsaison statt (alle Events am 29. und 30. November live bei Eurosport und auf discovery+).
Selina Grotian musste sich nicht extra qualifizieren, die 21-Jährige ist für den Auftakt gesetzt. "Die Vorfreude ist riesengroß, die Skiroller wegzulegen und endlich wieder zu starten", sagte Grotian im exklusiven Interview mit Eurosport.
An ihren ersten Weltcupsieg hat Grotian gemischte Erinnerungen. "Es war eine Achterbahnfahrt. Am Tag davor hatte ich meinen Ski in der Abfahrt verloren und hätte gefühlt alles hinschmeißen können", verriet die Mittenwalderin.
Im Interview spricht Grotian zudem über Druck im Leistungssport und die Faszination Olympische Spiele.
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Selina Grotian, am Wochenende startet die neue Weltcupsaison. Wie lief die Saisonvorbereitung und wie groß ist die Vorfreude?
Selina Grotian: Die Vorbereitung lief sehr gut. Ich hatte noch eine Leistungsdiagnostik, bei der ich auch ordentlich abgeschnitten habe. Ich denke, dass ich auf einem guten Weg bin. Außerdem bin ich unversehrt durch den Sommer gekommen - ohne Krankheiten oder Verletzungen. Die Vorfreude ist riesengroß, die Skiroller wegzulegen und endlich wieder zu starten.
Beim Loop One Festival in München verpassten Sie leider den Finallauf und konnten die Atmosphäre daher nur einmal im Wettkampf erleben. Wie wichtig war es dennoch, vor der Saison so eine Stimmung und gewissermaßen auch den Wettkampfdruck durch die Fans zu spüren?
Grotian: Das war ein sehr gutes und wichtiges Training, vor allem um sich wieder an die vielen Leute und die Lautstärke zu gewöhnen. Es gab kaum eine bessere Möglichkeit, das vor dem Weltcup noch einmal zu üben. Die Stimmung war der Wahnsinn, und es war ein rundum tolles Event.
Ich möchte den Spaß und die Freude am Rennen behalten. Ich glaube, wenn das gelingt, wird alles gut - man darf einfach nicht zu sehr auf den Druck hören.
Sie haben im vergangenen Winter Ihren ersten Einzel-Weltcupsieg gefeiert. Was war das für ein Gefühl?
Grotian: Es war eine Achterbahnfahrt. Am Tag davor hatte ich meinen Ski in der Abfahrt verloren und hätte gefühlt alles hinschmeißen können. Am nächsten Tag hat sich der Aufwand dann aber doch ausgezahlt. Bei dem denkbar schlechtesten Wetter habe ich alles gegeben, und es hat tatsächlich für den ersten Weltcupsieg gereicht - das kann ich eigentlich noch immer kaum glauben.
Inwieweit haben Sie sich im Vergleich zu Ihrer Debütsaison weiterentwickelt?
Grotian: Ich habe sehr viel am Schießen gearbeitet und mir einen neuen Schaft bauen lassen. Der Schießstand war meine größte Baustelle und dahingehend bin ich auf einem sehr guten Weg. Außerdem möchte ich mir die Lockerheit beibehalten, die ich in den vergangenen Jahren schon hatte.
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Sie haben vor der letzten Saison gesagt, dass die "Erwartungshaltung von außen nicht so da" ist. Hat sich das mittlerweile geändert und wenn ja, wie gehen Sie damit um?
Grotian: Ich weiß gar nicht, wie groß die Erwartungshaltung von außen wirklich ist, denn den größten Druck macht man sich ohnehin selbst. Ich versuche trotzdem, mir meine junge Naivität zu bewahren und weiterhin locker an die Rennen heranzugehen. Ich möchte den Spaß und die Freude am Rennen behalten. Ich glaube, wenn das gelingt, wird alles gut - man darf einfach nicht zu sehr auf den Druck hören.
Die Vorfreude ist riesig, weil es fast wie ein Heim-Weltcup oder Olympische Spiele im eigenen Land ist. Ich glaube, dass es richtig cool werden wird.
Was sind Ihre konkreten sportlichen Ziele für die kommende Saison?
Grotian: In der Olympia-Saison ist mein Ziel ganz klar, in Mailand und Cortina dabei zu sein. Das ist ein Kindheitstraum, der für mich in Erfüllung gehen würde. Daher ist das mein Hauptziel in diesem Winter.
Sie haben ein enges Verhältnis zu Vanessa Voigt - wie schwer oder ungewohnt war es für Sie, den Großteil der Saison ohne sie bestreiten zu müssen, nachdem sie die Saison vorzeitig abbrechen musste?
Grotian: Es war schon ungewohnt, wenn das Team nicht mehr vollständig ist. Damit muss man aber umgehen können. Im Weltcup gibt es immer wieder Personen, die kommen und gehen - da muss man flexibel bleiben und auch ein Stück weit auf sich selbst und die eigenen Leistungen schauen.
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Selina Grotian feierte in der letzten Saison ihren ersten Weltcupsieg

Fotocredit: Getty Images

Ihre ersten Olympischen Winterspiele stehen bevor. Wie groß ist die Vorfreude, dass die Spiele im Gegensatz zu den vergangenen Ausgaben diesmal in Antholz und damit an einem etablierten Weltcup-Standort stattfinden und nimmt einem das die Nervosität?
Grotian: Die Vorfreude ist riesig, weil es fast wie ein Heim-Weltcup oder Olympische Spiele im eigenen Land ist. In Antholz sind traditionell viele deutsche Fans vor Ort. Meine Heimat liegt nur 1,5 Stunden entfernt - näher geht es also fast nicht. Ich freue mich besonders auf die Atmosphäre und glaube, dass es richtig cool werden wird.
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