Weltcup Östersund: Camille Bened und die Wette mit ihrem eigenen Körper - Frankreich hat einen neuen Biathlon-Stern

Zwei Rennen, zwei Podestplätze: Die Weltcup-Saison hat mit Camille Bened hat sie schon ihren ersten aufgehenden Stern. Die Französin strahlte erst mit Fabien Claude in der Single-Mixed-Staffel vom Podest, dann legte sie mit dem ersten Einzel-Podium im Weltcup nach. Vor acht Monaten stand dieses Glück aber noch auf der Kippe - sie musste eine riskante Wette mit ihrem Körper eingehen.

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Quelle: Eurosport

"Es gab so viele Momente, in denen ich hätte aufgeben können", blickte eine nachdenkliche Camille Bened im Interview mit "Nordic Magazine" auf schwierige Zeiten zurück. "Ich war völlig am Boden."
Spätestens seit Dienstagabend ist die Gefühlswelt der 25-jährigen Französin eine andere. Zwei Tage nach dem Podium im Single-Mixed lief sie in Östersund im Einzel über 15 Kilometer auf einen phänomenalen dritten Platz, auf Siegerin Dorothea Wierer fehlten ihr nur 8,4 Sekunden.
Eine märchenhafte Premiere für Bened, die in ihrer Weltcup-Karriere erst auf fünf Einsätze kommt. "Das ist emotional, für mich und all die Menschen, die mir jedes Mal geholfen haben, wieder auf die Beine zu kommen. Ich bin sehr, sehr stolz", schwärmte sie.
Vor acht Monaten stand diese Realität noch auf der Kippe. Immerhin ging Bened eine Wette mit ihrem Körper ein - aus der sie als strahlende Siegerin hervorgehen sollte.
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Camille Bened glänzte in Östersund mit zwei Podestplätzen

Fotocredit: Getty Images

Bened: "Das war mental belastend"

Es war ein zäher Kampf mit dem Schicksal, den die aufstrebende Biathletin in den vergangenen Jahren führte. Schmerzhafte Folgen von Überbelastung und eine böse Schulterverletzung, die sie sich bei einem Sturz in Bessans im November 2023 zugezogen hat, warfen sie jeweils zurück.
In der Saison 2024/25 katapultierte sie sich im IBU Cup, also eine Kategorie unter dem Weltcup, ins Rampenlicht. Die Disziplinenwertungen in Verfolgung und Massenstart entschied sie für sich, auch im Gesamtklassement landete sie auf Platz eins.
Also ein Happy End? Nicht ganz. Die Schulter sollte sich auch lange Zeit nach dem Unfall bemerkbar machen.
Zwar verspürte sie während der Rennen "keine wirklichen Schmerzen, es war eher eine stete Befürchtung", führte Bened aus, aber: "Manchmal habe ich sie mir bei zu starkem Stockeinsatz im Training ausgekugelt oder - ganz dumm - beim Tragen meines Koffers."
Aufgrund dieser Umstände habe der französische Youngster durchgehend wachsam sein müssen. "Und das war mental belastend, ständig auf die kleinsten Details bei meiner Schulter achten zu müssen", unterstrich sie.

OP oder nicht? Bened begann zu zweifeln

Und so stand Bened vor einer schwierigen Entscheidung: Die Schulter zugunsten der mentalen Gesundheit operieren und dafür den sportlichen Aufstieg womöglich unterbrechen? Oder weiter mit der steten Angst vor einer womöglich noch schwereren Verletzung leben?
Erschwerend kam noch dazu, dass Bened bei ihren ersten drei Weltcup-Rennen im März 2025 jeweils in den Top 20 landete. "Nach Oslo, wo ich mit den Besten der Welt mithalten konnte, begann ich zu zweifeln, ob es der richtige Zeitpunkt ist."
Doch sie wagte den Schritt - und kam noch stärker zurück.
"Es gab zwangsläufig Tage, an denen es komplizierter war, an denen die Dinge nicht so gut liefen und Zweifel aufkamen", blickte sie auf ihre ersten Schritte nach der OP zurück.
"Daher haben wir einen anderen Ansatz im Training gewählt, probierten verschiedene Dinge aus. Das hat mir vielleicht einen frischeren Ansatz für die Vorbereitung gegeben, was bedeutet, dass ich jetzt vielleicht ruhiger und gelassener bin", so Bened.

Bened: Dem Vater gilt ein großer Dank

Mit einem solchen Saisonauftakt hätte das Top-Talent jedoch nie gerechnet. "Das Ziel war hier zu sein und mein ganzes Potenzial zu zeigen. Zwei Podestplätze in zwei Rennen hätte ich mir nie vorstellen können!"
Sich in einer Mannschaft, die mit Lou Jeanmonnot, Justine Braisaz-Bouchet, Julia Simon, Jeanne Richard und Océane Michelon nur so vor Qualität überquillt, ins Rampenlicht zu drängen, ist beeindruckend. Für Bened aber nichts Neues.
"Sie hat schon immer mit viel Überzeugung geschossen und hat sich nie davor gefürchtet zu verfehlen", sagte Martin Bouchet, der erste Biathlon-Trainer ihrer Laufbahn. "Am Abzug war sie den anderen sofort um Längen voraus. Körperlich war vielleicht weniger vorhanden, aber sie war stets eine großartige Kämpferin. Das zeichnet sie auch heute noch aus - das haben wir auch auf der letzten Runde der Single-Mixed-Staffel gesehen."
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Camille Bened (rechts) strahlt neben Sonja Leinamo (links) und Dorothea Wierer (Mitte)

Fotocredit: Getty Images

Kurios: Dass Bened von vierzig Schüssen in Östersund bislang nur vier neben die Scheibe setzte, ist nicht allein den Trainern des Verbandes zu verdanken.
"Sie kam von einem Verein zu uns, bei dem nur Langlauf trainiert wurde", verriet Bouchet. "Es war ihr Vater, der Zielscheiben aufbaute und die Einheiten mit ihr durchführte. Er hat alles gemacht! Dank seines Einsatzes konnte sie erst in den Sport eintauchen. Und das auf einem hohen Level."
Das große Ziel eines jeden Wintersportlers in dieser Saison sind natürlich die Olympischen Spiele 2026 in Mailand und Cortina d'Ampezzo (6. bis 22. Februar live und on-demand bei discovery+) - womöglich mit Bened?
"Davon träumen alle Mädels im Team, es ist auch mein Ziel", sagte sie. "Um den Sprung zu Olympia zu schaffen, müssen wir harte Arbeit leisten. Und diese beginnt jetzt!"
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Quelle: Eurosport


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