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Reaktion auf Doping-Enthüllungen: Russland verliert Weltcup und Junioren-WM

Reaktion auf Doping-Enthüllungen: Russland verliert Weltcup und Junioren-WM
Von SID

22/12/2016 um 19:09Aktualisiert 22/12/2016 um 19:20

Nach Bob nun Biathlon: Russlands Wintersportlern geht es nach den schockierenden Doping-Enthüllungen im zweiten McLaren-Report weiter an den Kragen. Am Donnerstag verloren die Russen die Ausrichtung des Weltcups in Tjumen und der Junioren-WM in Ostrow - laut offizieller Mitteilung des Weltverbandes IBU habe Russland die Ausrichtung zurückgegeben.

"Für den russischen Biathlon-Verband ist das der erste wichtige Schritt, der IBU und der Sportwelt zu zeigen, dass er die derzeitige Situation sehr ernst nimmt. Der internationalen Biathlon-Familie erlaubt diese Maßnahme, den Fokus während der betreffenden Veranstaltungen wieder auf unseren Sport zu richten", sagte Weltverbands-Chef Anders Besseberg nach einer Vorstandssitzung am Donnerstagabend.

Die IBU leitete zudem ein Disziplinarverfahren gegen zwei russische Athleten ein und suspendierte diese vorläufig. Die Namen der beiden Athleten nannte der Weltverband gemäß seiner Gepflogenheiten nicht. Darüber hinaus strengt die IBU ein formelles Verfahren gegen den russischen Biathlon-Verband RBU und 29 weitere - ebenfalls öffentlich nicht benannte - Athleten an.

Proteste aus Norwegen, Tschechien & Großbritannien

Russlands Rückgabe der beiden Großveranstaltungen dürfte keineswegs freiwillig, sondern auf immensen Druck aus dem Ausland als zwangsläufige Maßnahme erfolgt sein. Im Vorfeld des Treffens zwischen dem IBU-Vorstand und einer eigens ins Leben gerufenen Expertengruppe mit Mitgliedern aus fünf Nationen hatte es massive Proteste der Verbände aus Norwegen, Tschechien und Großbritannien gegeben.

Alle drei Nationen drohten, den Weltcup im westsibirischen Erdölzentrum Tjumen (9. bis 12. März 2017) und weitere internationale Rennen in Russland wie die Nachwuchs-WM im kommenden Februar zu boykottieren. Erst im September hatte die IBU die Erwachsenen-WM 2021 nach Tjumen vergeben, schon damals eine heftig kritisierte Entscheidung.

Russlands Biathleten waren von den jüngsten Enthüllungen maßgeblich betroffen. 31 Skijäger gehören zu den dopingverdächtigen Athleten, die Ermittler Richard McLaren in seinen Untersuchungen zum Doping-Skandal belastet. Der Weltverband IBU hatte daraufhin mit Mitgliedern aus fünf Nationen gegründet, um die Fälle zu prüfen und an den Vorstand zu berichten.

Fourcade meldet sich zu Wort

Auch der fünfmalige Gesamtweltcup-Sieger Martin Fourcade aus Frankreich wurde deutlich: "Wenn der Verband nicht genügend Mut zur Bewältigung des Problems hat, müssen die Athleten selbst aktiv werden."

Der Deutsche Skiverband (DSV) äußerte sich hingegen zurückhaltend und drohte zunächst nicht mit Konsequenzen. "Der Leistungssport wird ad absurdum geführt, wenn Nationen flächendeckend die Regeln brechen", sagte Sprecher Stefan Schwarzbach dem SID jedoch.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte den Weltverbänden erst im Juni empfohlen, nach den Enthüllungen des ersten McLaren-Reports keine Großveranstaltungen mehr nach Russland zu vergeben. Im September bekam Tjumen trotzdem die WM.

Angesichts der zahlreichen Verfehlungen Russlands in der Vergangenheit muss weiter mit drakonischen Strafen gerechnet werden. Im Zuge der bislang letzten großen Dopingermittlungen war der russische Verband RBU nach drei positiven Fällen in der Saison 2013/14 zur Höchststrafe von 100.000 Euro verurteilt worden. Bereits 2009 mussten wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Bestimmungen 50.000 Euro gezahlt werden.

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