Heinrich-Blog - Biathlon-WM in Oslo: Medaillenjagd in magischer Atmosphäre

Eurosport-Kommentator Sigi Heinrich mit seinem persönlichen Blick auf die Biathlon-WM in Oslo.

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Fotocredit: Eurosport

Es hat was. Keine Frage. Magie vielleicht, gespeist aus der Geschichte. Das Mekka des nordischen Skisports. Der Holmenkollen mit der ältesten Skisprungschanze der Welt in Oslo. Norwegen. Das ist dort, wo die Familien Skilaufen gehen und damit Langlauf meinen, während man in Mitteleuropa mit diesem Ausdruck eher den alpinen Skilauf meint. Es ist jenes Land, in dem bei den olympischen Spielen 1994 in Lillehammer Menschen bei heftigen Minustemperaturen in dünnen Zelten an den Wettkampfloipen übernachteten, um am nächsten Tag ihren Idolen ganz früh ganz nah sein zu können.
Der König besitzt ganz in der Nähe des Stadions, das man von der Hauptstadt Oslo mit der Straßenbahn erreichen kann, eine Winterresidenz. Und er empfängt gerne die Sieger der Wettkämpfe. In den kommenden zwei Wochen hat er deshalb mächtig viel königliche Arbeit vor sich, denn die einzige große winterliche Weltmeisterschaft in dieser Saison findet vor seiner Haustüre statt. Die Biathleten treffen sich, um ihre Champions zu küren. Und die norwegischen Athleten sollen mit ihren Erfolgen diese Titelkämpfe zu einem großen Fest in ihrer Kultstätte machen.

Die große Chance der Gastgeber

Weshalb zuletzt bei den Weltcup-Rennen in Übersee die gastgebenden Athletinnen und Athleten nur sporadisch oder überhaupt nicht anwesend waren. Schon vom ersten Rennen dieser Saison spürten wir bei den Norwegern, dass ihre Weltmeisterschaft gänzlich alle Aktivitäten beeinflusst. Früh hat Emil Hegle Svendsen den Kampf um den Gesamtweltcup gegen den französischen Überflieger Martin Fourcade aufgegeben.
Und sehr früh hat auch Norwegens Biathlon-Idol Ole-Einar Björndalen nach seinem frühen Sieg in Östersund die Reißleine gezogen, als er merkte, dass er mit seinen Kräften sorgsam umgehen muss, wenn er seine Landsleute nicht enttäuschen willen. Denn dieses Jahr in Oslo ist für die norwegischen Biathleten die große Chance. Sie stehen sonst klar im Schatten der Langläufer. Weil diese nur eine normale Weltcup-Saison ohne Weltmeisterschaften haben, könnten die Biathleten für die emotionale Komponente dieses Winters sorgen.

Die große Chance für Simon Schempp

Natürlich trifft das auch auf alle anderen Nationen zu. Einer wie Simon Schempp, der durch mehrere Grippeanfälle daran gehindert wurde, im Rennen um den Gesamt-Weltcup eine tragende Rolle zu spielen, wird die WM als große Bühne nutzen wollen. Er ist gesund und bestens vorbereitet. Und noch ein anderes Beispiel: Der Slowene Jakov Fak, Titelverteidiger im Massenstart, kam während der Saison überhaupt nicht in Tritt. Er gehört vermutlich zu denen, die in Oslo die einzige Chance sehen, diesen Winter noch zu retten.
Andere wollen ihre Erfolge bestätigen und mit Medaillen garnieren wie Gabriela Soukalova, die Beste bei den Damen in dieser Saison und natürlich Martin Fourcade, der den fünften Sieg im Gesamt-Weltcup hintereinander ohne eine WM-Goldmedaille wohl nicht komplett genießen könnte.
Die spezielle Atmosphäre am Holmenkollen wird uns garantiert alle in eine besondere WM-Stimmung versetzen. Für die nächsten elf Tage ist Oslo auf jeden Fall der Nabel der Wintersport-Welt. Es könnte kaum einen besseren Ort dafür geben.
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