Biathlon-WM 2017 in Hochfilzen - Laura Dahlmeier: Der leise Superstar

Laura Dahlmeier zeigt bei der Biathlon-WM 2017 in Hochfilzen, was in ihr steckt. Gold in Verfolgung und Mixed-Staffel, Silber im Sprint. Auch im Einzelrennen (heute 14:30 Uhr live im TV sowie im kostenfreien Livestream bei Eurosport.de) gehört die 23-Jährige zu den Favoritinnen. Dahlmeier weckt Erinnerungen an Magdalena Neuner und ist doch ganz anders - wie Kommentator Sigi Heinrich feststellt.

Eurosport

Fotocredit: Eurosport

Aus Hochfilzen von Sigi Heinrich
Jetzt mal Ruhe. Wenigstens einen Tag, bevor die Medaillenjagd wieder weitergeht. Schützend hält Stefan Schwarzbach vom Deutschen Ski-Verband (DSV) seine Hand über Laura Dahlmeier, die neue Vorzeigeathletin in winterlicher Atmosphäre.
Erinnerungen werden natürlich wach. Ähnlich verhielt es sich vor zehn Jahren mit Magdalena Neuner. Auch sie löste seinerzeit wahre Begeisterungsstürme aus. Bei den ersten Presseterminen damals auf dem zugefrorenen Antholzer See musste man befürchten, dass das Eis unter der Last der vielen Medienvertreter brechen könnte. Und doch ist es bei Dahlmeier anders.
Sie scheint besser vorbereitet zu sein auf diesen Monster-Hype um sie herum. Sie ruht in sich, weil sie weiß, dass die jetzige Situation lediglich eine kurze Phase in ihrem Leben ausfüllt.
Ihre Eltern mögen eine wichtige Rolle dabei spielen. Mutter Susi war eine erfolgreiche Mountainbikerin, als der Sport gerade ein neues Publikum gewann. Papa Andreas fuhr mit und radelt heute immer noch quer über die Alpen. Nebenbei ist er Leiter der Bergwacht in Garmisch-Partenkirchen und Laura hilft schon mal aus beim Hüttendienst. Da gibt es dann keine Zuschauer, keine Photographen und Autogrammjäger. Da sind nur die Berge um die Zugspitze herum, die sich in das Blickfeld schieben

Die Berge als Gegenpol

Die Berge. Das Zauberwort für Dahlmeiers Seelenleben und ihrem Abwehrmechanismus für allzu gierige Jäger nach immer neuen Informationen. Im vergangenen Sommer war sie in paar Wochen auf Trekking-Tour in Nepal und kam dem Himmel schon ziemlich nahe (über 6000m). Sie hing auch schon mal an ein paar Haken in einem Biwak in der Wand, wohlwissend, dass schon kleine Fehler in solchen Situationen von weitreichender, wenn nicht gar lebensbedrohender Wirkung sein können.
Magdalena Neuner beschäftigte sich mit Handarbeit und spielte Blockflöte und Harfe. Für die Fans war sie die Traumbesetzung für die Rolle der braven, lieben Fee aus den Bergen, zumal sie auch noch wie ein Engel über die Loipen fegte.
Dagegen lag bei Dahlmeier der Schwerpunkt von Anfang ausschließlich auf ihren frühen sportlichen Lorbeeren, was auch daran lag, dass sie direkt von der Junioren-Weltmeisterschaft in Obertillach kommend in der Staffel bei der Weltmeisterschaft in Nove Mesto na Moravje eingesetzt wurde und das DSV-Team nervenstark auf Rang eins führte (am Ende belegte die Damenstaffel den fünften Platz).

Eine Monsterwelle folgt zarten Anfängen

Aus diesen zarten Anfängen ist eine schier unaufhaltsame Welle geworden, ohne dass Gefahr droht, dass Laura Dahlmeier darin umkommen könnte. Die Kontrolle, die sie auch am Schießstand zeigt, die fast immer richtigen Reaktionen auf Wind und Wetter, ihre Tagesform und ihre durchgängig professionelle Einstellung bewahren sie vor negativen Einflüssen.
Sie zeigt sehr intensiv Eigenverantwortung und setzt auch leise aber doch sehr entschlossen ihre eigenen Vorstellungen durch. Laura Dahlmeier ist ein Gegenpol in der lauten, schrillen Welt des Spitzensports. Das mindert keineswegs ihre Sympathiewerte. Ganz im Gegenteil...
Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung