Sigi-Heinrich-Blog: Biathlon sticht Ski alpin aus - Dauersiege statt Durststrecke

Eurosport-Kommentator und Wintersport-Experte Sigi Heinrich zieht nach den Weltmeisterschaften der Biathleten in Hochfilzen und der alpinen Ski-Rennläufer in St. Moritz Bilanz. Während die Skijäger in Österreich erfolgreich wie nie waren, schrammte die Alpin-Abteilung des DSV in der Schweiz haarscharf an einer medaillenlosen WM vorbei. Und das nächste DSV-Sorgenkind könnte es in Lahti geben.

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Fotocredit: Eurosport

Immer noch werden neue Lifte gebaut, Abfahrten erschlossen, große, zusammenhängende Skigebiete zu sogenannten Skischaukeln verbunden. Groß, noch größer. Die Alpen sind ein einziger Freizeitpark geworden. Naturschützer verzweifeln, Wetterexperten warnen, Kunstschneekanonen ersetzen Naturschnee.
Und alle zwei Jahre findet die große Leistungsshow statt. Weltmeisterschaften. Die besten alpinen Skirennläufer zeigen ihr Können und natürlich ist auch der Deutsche Ski-Verband dabei und hofft auf Medaillen um seine Leistungsstärke zu demonstrieren und vielleicht auch, um den steten Mitgliederschwund endlich zu stoppen zu können.
In St. Moritz ist dieses Unternehmen gänzlich gescheitert. Die Bronzemedaille von Felix Neureuther kann die Probleme nicht überdecken, die offensichtlich zu Tage getreten sind. Dem DSV sind die Spitzenkräfte auf weiter Front abhandengekommen. Ohne Neureuther und Viktoria Rebensburg, die den ganzen Damenbereich alleine abdecken muss, sähe es gar zappenduster aus. Und vor allem Neureuther wird nicht mehr lange den Retter der Alpinen spielen können und auch nicht wollen.

Ski alpin - ein zu teures Vergnügen

Ski alpin scheint momentan eine sterbende Disziplin zu sein. Woran es fehlt? Gerne wird der Umstand genannt, dass Deutschland weniger Anteil an den Alpen besitzt als die Nachbarn in Italien, der Schweiz und Österreich. Das war schon immer ein schwaches Argument. Ausgerechnet die Abfahrtsweltmeisterin kommt aus Slowenien. Dort haben sie nicht eine Piste, um die rasende Schussfahrt zu üben.
Das Hauptproblem scheint der fehlende Nachwuchs zu sein, ausgehend von der Tatsache, dass alpines Skifahren teuer ist. Statistiker haben ausgerechnet, dass etwa 10.000 Euro in der Familie aufgewendet müssen, wenn ein Kind Skifahrer werden will. Pro Jahr wohlgemerkt. Liftkarten sind teuer, Ski nicht billig. Und mit den mangelnden Erfolgen werden auch die Vorbilder immer weniger. Dazu kommen die Konkurrenzdisziplinen wie Ski-Cross und Freestyle, die im traditionellen Bereich wildern.

Langlauf der nächste Krisen-Kandidat

Der frühere Quotenbringer, der freilich auch im Trainingsalltag das Budget des Verbandes am stärksten belastet, hat seinen Meister ausgerechnet in einer Sportart gefunden, die kein Freizeitsportler ausübt: Biathlon. Noch nie in der Geschichte war Deutschland so erfolgreich wie jetzt in Hochfilzen mit sieben Goldmedaillen und einer Silbermedaille.
Zur Ehrenrettung der Alpinen muss man anmerken, dass es weniger Weltklasse-Biathleten gibt als alpine Skiläufer auf gleich hohem Niveau. Doch durch die ständigen Erfolge schier ohne Unterbrechung sowohl bei den Damen als auch bei den Herren bleibt das Interesse auf hohem Niveau.
Dabei gibt es, was logisch ist, viel weniger Biathleten als Alpinskiläufer. Aber die paar Spitzenkräfte, die Deutschland hat, reichen aus, um die Alpinabteilung als klare Verlierer zu sehen. Und wenn die Skispringer ihr Formhoch behalten und die Kombinierer bei der folgenden Weltmeisterschaft in Lahti so auftrumpfen wie im Weltcup, dann wird der nächste Kandidat zu Grabe getragen werden:
Der klassische Langlauf, in dem Deutschland jetzt schon längere Zeit hinterherläuft. Und die Langläufer haben keinen Neureuther und schon gar keine Dahlmeier.
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