Biathlon-WM: Simon Schempp endlich vergoldet - "das ist der Wahnsinn!"

Als endlich die ersehnte Einzelmedaille am Hals baumelte, atmete "Gold-Junge" Simon Schempp immer wieder tief durch. Gerührt bejubelte der neue Massenstart-Weltmeister das Ende seines Medaillenfluchs, die Genugtuung war ihm anzusehen. "Ich habe lange auf diesen Tag gewartet und es endlich geschafft. Es ist einfach unglaublich", sagte Schempp, der zum Abschluss einer historischen Biathlon-WM.

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Gold im Massenstart, seine erste Einzelmedaille überhaupt - endlich rief Schempp seine beste Leistung genau dann ab, als es darauf ankam. "Die vergangenen Tage waren nicht so leicht", sagte Schempp, der immer wieder auf seine schwarze Serie angesprochen worden war: "Aber gezweifelt habe ich nicht wirklich. Ich wusste, dass es irgendwann einmal aufgehen würde."
Am Sonntag war es dann endlich soweit. Im Ziel lag Schempp, nun zwölfmaliger Weltcup-Sieger, 9,0 Sekunden vor dem Norweger Johannes Thingnes Bö, der im Wettkampf über 15 km eine Strafrunde drehen musste. Bronze sicherte sich der fehlerfreie Österreicher Simon Eder, der im Ziel 10,1 Sekunden hinter Schempp lag.
"Das ist der Wahnsinn. Simon hat lange warten müssen und es nun endgültig allen Kritikern gezeigt", lobte Männer-Bundestrainer Mark Kirchner. Am Tag vor dem Rennen hatte Schempp noch eine SMS von seinem Mentaltrainer bekommen. Den Inhalt wollte er nicht verraten, aber die Folge: "Je öfter ich sie gelesen habe, desto freier war mein Kopf", sagte er.
Schließlich hatte Schempp bis zum Sonntag bei einer großen Veranstaltung noch keine Einzelmedaille gewonnen, sämtliche Erfolge feierte er als tapferer Einzelkämpfer nur in "normalen" Weltcup-Rennen. Bei den wichtigen Events, also dann, wenn es darauf ankam, war er zwar auch schon achtmal auf das Podest gestürmt. Silber bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi sowie sieben WM-Medaillen gewann der 28-jährige Uhinger aber immer mit der Unterstützung seiner Teamkollegen in Staffel-Wettbewerben. Bis zum Sonntag!
Die Entscheidung fiel dabei vor 22.100 Zuschauern erst auf der Schlussrunde - ausgerechnet an jenem Anstieg, an dem Schempp tags zuvor Staffel-Bronze an die Gastgeber um Schlussläufer Dominik Landertinger verloren hatte. "Die Stelle hat er sich gemerkt und dann den Österreicher plattgemacht. Das war eine unglaubliche Energieleistung", sagte Kirchner. Schempp, stets den Blick nach vorne gerichtet, hatte es sich verdient.
Nach schwachen Leistungen im bisherigen WM-Verlauf - Schempp war in keinem Einzelrennen an einer Medaille dran gewesen - zeigte der Schwabe im Massenstart der 30 besten Biathleten eine hervorragende Vorstellung. Nicht ein einziger der 20 Schüsse verfehlte das Ziel, in der Loipe wehrte er die Angriffe der heranstürmenden Konkurrenten mühelos ab.
"Es war ein unglaublich tolles Rennen, das ich taktisch angegangen bin. Bis zur letzten Runde bin ich viel im Windschatten gelaufen", erklärte Schempp: "Ich habe mir dadurch viele Körner gespart. Das hat für den letzten Anstieg gereicht."
Durch seinen Triumph am Sonntag trat Schempp in die Fußstapfen von Michael Greis, der 2007 in Antholz als bislang letzter deutscher Skijäger zu Gold gestürmt war. Für die deutschen Männer hatte in Hochfilzen zudem Benedikt Doll im Sprint den Titel geholt. Mit sieben Goldmedaillen und einmal Silber verbuchten die deutschen Biathleten um Fünffach-Weltmeisterin Laura Dahlmeier ihre beste WM-Bilanz aller Zeiten - der Schlusspunkt gebührte ausgerechnet dem, den alle schon abgeschrieben hatten.
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