Die Erfolgsserie der deutschen Schlitten war beendet, und Laura Nolte schlich mit feuchten Augen von Mikrofon zu Mikrofon. Ihr Frust über die verkorkste Olympia-Premiere im Monobob war beim anschließenden Interview-Marathon weder zu übersehen noch zu überhören. "Ich bin einfach traurig. Die Enttäuschung ist sehr groß", sagte die Winterbergerin nach ihrem bitteren vierten Platz. Dann brach ihre Stimme kurzzeitig.
Statt den Bronzerang zur Rennhalbzeit ins Ziel zu retten, rutschte die WM-Dritte am Montag noch vom Podest. Weil auch Mariama Jamanka als 13. im ungebliebten Einzelschlitten ein komplett missglücktes Rennen hinlegte, ertönte im Yanqing Sliding Centre nach den insgesamt sechs Goldmedaillen der Rodler und Skeletonis erstmals nicht die deutsche Hymne.
"Jetzt müssen wir uns schütteln", forderte Bundestrainer Rene Spies und hatte wie seine beiden Pilotinnen eine simple Erklärung für den missglückten Auftakt in die Bob-Wettbewerbe parat: die fehlende Konstanz. "Es stehen genau die Drei mit der meisten Erfahrung vorne", sagte Spies.
Olympia Peking
Der Medaillenspiegel von Peking: Deutschland auf Platz zwei
20/02/2022 UM 08:23
In der Tat fuhren die souveräne Olympiasiegerin Kaillie Humphries (36), Silbermedaillengewinnerin Elana Meyers Taylor (37/beide USA) und die Kanadierin Christine de Bruin (32) unter dem Strich am stabilsten. Die deutschen Schlitten hingegen drifteten teils heftig über das Eis. Jamanka lag am Ende fast fünf Sekunden hinter Humphries - Welten im Bobsport.

Nolte-Selbstkritik mit Tränen in den Augen: "Ich bin so schlecht gefahren"

Nolte weiterhin "maximal motiviert"

"Unerklärlich" seien die Fehler der 31 Jahre alten Zweier-Olympiasiegerin am Sonntag im von ihr ungeliebten Einzelschlitten gewesen, kritisierte Spies. Immerhin berappelte sich die Mono-Europameisterin am Entscheidungstag.
Die in China erstmals ausgetragenen olympischen Wettkämpfe in der neuen Disziplin zeigten auf, was passieren kann, wenn die Deutschen ihres Materialvorteils beraubt werden. Anders als im Zweier ist im Mono ein Einheitsschlitten vorgeschrieben, lediglich beim Polieren der Kufen sowie minimalen Einstellungen innerhalb des Bobs können die Teams unterschiedlich vorgehen.
Und da Nolte und Jamanka nach dem sehr späten Start der Mono-Weltserie im vergangenen Winter ganz offensichtlich mehr Eingewöhnungszeit benötigen als etwa Humphries, klaffte eine gewaltige Lücke. Erschwerend hinzu kam, dass die selektive Bahn in China kaum Fehler verzeiht.
Spies trat mit Blick auf die Entscheidung im Zweier am Freitag daher auch als Mahner in Erscheinung. "Du musst hier in China einfach gut Bobfahren, sonst stehen wir genauso da wie im Mono", warnte der Bundestrainer. Nolte will genau das schaffen: "Ich bin weiterhin maximal motiviert."

Triumphfahrt zu Gold: Humphries dominiert im Monobob

Der Medaillenspiegel von Peking
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