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Cortina 1956: Als noch echte Piloten die Bobs lenkten - Luftwaffen-Duo holte einziges italienisches Gold der Heimspiele
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Update 21/02/2026 um 03:45 GMT+1 Uhr
Die Bob-Wettbewerbe waren einer der Höhepunkte der Winterspiele von Cortina 1956. Mittendrin als Hoffnungsträger der Olympia-Gastgeber ein ganz besonderes Duo: Giacomo Conti und Lamberto Dalla Costa - das Spezialeinsatzkommando der italienischen Luftwaffe Aeronautica Militare: In typischen Flieger-Lederjacken und mit ihren schmalen Menjou-Bärtchen waren sie ein Blickfang auch abseits der Bobbahn.
Giacomo Conti und Lamberto Dalla Costa im Zweierbob bei Olympia 1956 in Cortina
Fotocredit: Getty Images
Von Ullrich Jansch
Giacomo Conti und Lamberto Dalla Costa waren bereits 1951 ausgewählt worden als Mitglieder einer Gruppe von Bobfahrern, die das neue Militär Nachkriegsitaliens in der Öffentlichkeit repräsentieren sollten.
Oberfeldwebel Dalla Costa, der Kampfeinsätze im 2. Weltkrieg geflogen war, beendete 1953 einen Bob-Lehrgang als bester Pilot. Er übernahm auf dem Schlitten das Kommando, Major Conti, in Palermo geboren und vorher in der Leichtathletik aktiv, diente als Anschieber. Beide trainierten ausschließlich auf der Bahn in Cortina und nur Zweierbob.
1955 schafften sie es erstmals aufs Podium bei italienischen Meisterschaften - als Dritte (!) bekamen sie trotzdem einen der beiden Startplätze für Olympia, gemeinsam mit den Titelträgern Eugenio Monti/Renzo Alvera. Die fuhren im Training bei den Spielen auf der Naturpiste Bahnrekord und galten als die großen Favoriten, wurden aber als Italia II ausgelost. Beide Teams benutzten das gleiche Bobmodell vom italienischen Hersteller Podar: Ein Rohrgestell mit einer rot lackierten Haube, keine Seitenverkleidung, nur Anschubbügel für den Hintermann, nicht einklappbar.
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Italiens Zweierbob-Duo Giacomo Conti und Lamberto Dalla Costa in Cortina 1956
Fotocredit: Getty Images
Im ersten der 4 Läufe fuhr das Luftwaffenteam Bestzeit, 0,7 Sekunden schneller als Monti. Titelverteidiger Anderl Ostler aus Deutschland hatte mit seinem neuen Anschieber Hans Hohenester schon mehr als zwei Sekunden Rückstand. Der bayrische Doppel-Olympiasieger von Oslo 1952 mußte sein superschwergewichtiges Team nach einer Regeländerung gegen eine Weight-Watcher-Besatzung eintauschen. Er verlor den Anschluss zur absoluten Spitze und konnte ihn in Cortina nicht wieder herstellen. Ostler wurde 8. im Zweierbob, im Vierer startete er gar nicht. Seinen erfolgreichsten Auftritt in Cortina hatte der Gastwirt aus Garmisch als Fahnenträger des gesamtdeutschen Teams.
Portugiesischer Playboy hängt Bob-Ikone Ostler ab
Deutlich vor Ostler und ganz dicht hinter den Medaillenrängen landete der portugiesische Marques Alfonso de Portago, der zuvor als Sportwagenpilot, Hindernis-Jockey sowie Polospieler erfolgreich war. In einem Intensivkurs erlangte der 28-jährige Playboy die Bobfahrer-Lizenz und startete mit Vicente Sartorius im Zweierbob. Der vierte Rang der beiden Cousins galt als Sensation, zumal sie Bronze nur um 14 Hundertstel verpassten. Zu den überlegenen italienischen Bobs hatten sie allerdings rund sieben Sekunden Rückstand.
Der 35jährige "Lamber" Dalla Costa und Giacomo Conti, 37, fuhren ein perfektes Rennen, erzielten auch in den restlichen 3 Läufen jeweils Bestzeit und vollendeten den überraschenden Olympiasieg mit gut einer Sekunde Vorsprung auf ihre Landsleute Monti/Alvera.
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Auf dem Weg zu Gold: Italiens Zweierbob bei Olympia 1956
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Zweierbob holt Italiens einziges Gold 1956
Diese Goldmedaille blieb die einzige für den Gastgeber Italien. Aber auch das einzige internationale Podium für die beiden Berufssoldaten im Sondereinsatz. Nach 4. Platz bei WM 1957 beendeten sie ihre Bob-Laufbahn. Lamberto Dalla Costa blieb bei der Luftwaffe, wechselte aber noch einmal den Pilotensitz und flog Einsätze mit dem Hubschrauber. Dabei rettete er drei Arbeiter von einer überschwemmten Insel.
Eugenio Monti setzte seine Bob-Karriere fort und behielt Gold immer im Hinterkopf. 1960 gab es keine olympischen Rennen, 1964 verhalf er mit seiner uneigennützigen technischen Hilfe den Briten Nash/Dixon zum Olympiasieg. Danach ging er in den einstweiligen Ruhestand. 1968 aber kam "Il Rosso Volante", der "Fliegende Rote" zurück und holte sich endlich Gold, doppelt sogar, im Zweier und im Vierer.
Vom Bob in den F1-Ferrari
Einen spektakulären, aber letztlich tragischen Weg nahm Alfonso Marques Portago: Er bekam 1956 einen Vertrag bei Enzo Ferrari und belegte im WM-Lauf von Silverstone den zweiten Platz hinter seinem Markenkollegen Juan Manuel Fangio.
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Alfonso Marques Portago 1957 mit Hollywood-Ikone Gary Cooper (r.)
Fotocredit: Getty Images
1957 pilotierte er den portugiesischen Zweierbob bei der WM zu Bronze. Im Mai startete er für Ferrari in der Mille Migla (1000 Meilen), widerwillig, weil die berüchtigt war für ihre teils unbefestigten Straßen.
Er lag im Finale auf Platz drei, als sein Team einen Stopp zum Reifenwechsel verweigerte. Nahe dem Dorf Guidizzolo platzte ein Reifen. Der Wagen überschlug sich. Außer Portago und seinem Beifahrer Nelson starben neun Menschen am Streckenrand - und die Mille Migla wurde danach verboten.
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Das Wrack des Ferrari von Alfonso Marques Portago bei der Mille Miglia 1957
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Olympia-Ikonen: Dreifach-Gold für Sailer in Cortina 1956
Quelle: Eurosport
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