Olympia 1956: Als Toni Sailer mit Dreifach-Gold in Cortina zur Ski-Legende wurde - Österreicher gewann alle Rennen

Bei Olympia 1956 wurde Toni Sailer in Cortina d'Ampezzo zur Ski-Legende, als er Dreifach-Gold gewann und zum großen Star jener Winterspiele avancierte. Der Österreicher setzte sich in Riesenslalom, Slalom und Abfahrt durch - und dies jeweils mit enormem Vorsprung trotz herausfordernder Bedingungen. Wir blicken auf diese Sternstunden des Wintersports zurück, die ihn zum Volksheld machten.

Olympia-Ikonen: Dreifach-Gold für Sailer in Cortina 1956

Quelle: Eurosport

Von Ullrich Jansch
Eisiger, böiger Wind pfiff am Morgen des 3. Februar 1956 über den Startplatz oberhalb der beiden Tofana-Felsen, den Markenzeichen der gleichnamigen alpinen Abfahrtsstrecke.
Um 11:00 Uhr begann das olympische Rennen der Männer auf der 3481 Meter langen, total vereisten Piste. Nur noch Schneekrümel obenauf. Schwierigkeit und Härte der Piste führten schon im Training zu vielen Stürzen. Elf der 86 gemeldeten Teilnehmer traten nicht zum Rennen an, nur 45 werden es beenden, angeblich nur neun ohne Unfall. Besonders spektakulär dabei: Die "Ski-Amputation" beim Australier Day, der hart auf der Kuppe einer Bodenwelle landete: Seine beiden Ski brachen kurz vor und hinter der Bindung ab. Er humpelte auf den Holzstümpfen von der Piste.
Die komplizierten Bedingungen erhöhten den Druck auf Toni Sailer. Nach seinen Siegen im Riesenslalom und Slalom erwarteten alle das dritte Gold vom Österreicher, der sich gerade Startnummer 14 überstreifte, als er vom Sturz seines Landsmannes Rieder (Startnr. 2) erfuhr. Sailer zog die Bänder seiner Schuhe fest. Man sagte ihm, der Deutsche Hanspeter Lanig (Nr. 7) sei Bestzeit gefahren. In diesem Augenblick riss der Schnürsenkel. Panik in seinem Umfeld. Toni blieb ruhig.
Es war nicht die erste Panne bei seinen Olympiaauftritten. Er kam erfolgsbeladen nach Cortina: Siege in den Abfahrten am Lauberhorn und auf der Streif in Kitzbühel, seinem Heimatort. Der 21-jährige, schwarzhaarige Spenglergeselle war in Höchstform. Der "Schwarze Blitz aus Kitz".
Im Riesenslalom, damals noch in einem Lauf ausgetragen, hatte er Startnummer 18. Der Kurs war griffig, aber mit so vielen tiefen Wellen durchsetzt, dass die Rennfahrer in einer Senke das Tor in der nächsten kaum sehen konnten, die Linienführung wurde mit Tannenreisig markiert. Ernst Hinterseer wollte sich als dritter Läufer gerade abstoßen, da hielt ihn der Startrichter fest. Eine Lawine rutschte vom Seitenhang auf die Strecke und über seine Skispitzen. Unterbrechung. Sailer zog den Anorak wieder an. Nach 20 Minuten war die Piste freigeräumt, der Riesenslalom wurde fortgesetzt.
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Toni Sailer bei Olympia in Cortina 1956

Fotocredit: Getty Images

Wegen der vielen Sprunghügel flogen die meisten Teilnehmer in der Luft durch die Tore und verloren bei den Landungen Zeit. Nur Toni Sailer nicht. Er blieb fast überall am Boden. Kein Experte konnte hinterher erklären, wie er das machte. Und warum die anderen es nicht konnten. Er war der Schnellste, sechs Sekunden Vorsprung hatte er auf seine Landsleute Molterer und Schuster. Bei Bekanntgabe seiner Bestzeit durchbrachen tausende Zuschauer den Zaun im Zielbereich, jagten Sailer, der nicht entrinnen konnte und schließlich auf den Schultern der Tifosi landete, die Autogramme vom "Goldjungen Toni" verlangten.
Zwei Tage später Spezialslalom, am Tofana-Hang, auf einer mit sehr viel Wasser präparierten Eispiste. Sie wurde in beiden Läufen mit ungewöhnlich vielen Toren gespickt. Die Stangen hatte man bis in den Fels darunter gerammt, sie reagierten bei Berührung wie Rammböcke. Nebel auf der Strecke, als die Österreicher zum Start aufstiegen und oben feststellten, dass ihre Startnummern noch im Hotel lagen. Man ließ sie mit Ersatznummern starten, Toni Sailer bekam die 135, die dann auf den Bildern zu sehen sein würde, während im Resultat die Startnummer 15 steht. Sie blieb seine Startposition im ersten Lauf. Er fuhr prompt Bestzeit. Als einer der wenigen, die alle Tore in einem Schwung schafften, die meisten anderen mussten zurücksteigen, um Torfehler zu korrigieren.
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Toni Sailer bei Olympia in Cortina 1956

Fotocredit: Getty Images

Auf dem Hang standen viele Kampfrichter, die auf Listen ankreuzten, ob die Tore korrekt passiert wurden. Schon im ersten Lauf wurden 28 Teilnehmer disqualifiziert, vier weitere im 2. Durchgang, der nach fast vier Stunden Wartezeit begann. Chiharu Igaya, ein Japaner, der in den USA studierte und trainierte, setzte sich mit einer starken Fahrt an die Spitze. Bis zum Start von Toni Sailer. Der Publikumsliebling fuhr erneut gut eine Sekunde schneller.
Seinen zweiten Sieg hätte nur Adrien Duvillard vereiteln können. Er war im ersten Lauf zwar gestürzt, trotzdem nur 0,6 Sekunden langsamer. Der Franzose stürzte aber schon im ersten Steilhang, dann noch mehrmals. Er stolperte ins Ziel. Im Klassement rutschte er auf den 38. Platz. Eine Minute Rückstand zu Sailer, der lange auf die Siegerehrung warten musste. Erst nach Überprüfung aller Protokolle wies die Jury zwei Proteste gegen Igaya wegen eines angeblichen Torfehlers zurück und veröffentlichte weit nach 20:00 Uhr das offizielle Resultat. Zweites Gold für Anton Sailer.
Das abgerissene Schuhband am Start zur Abfahrt hielt der Anton aus Tirol nicht lange in der Hand. Hans Senger aus Bad Gastein, der Trainer des italienischen Teams, spendierte einen Senkel aus seinem Schuh, Sailer konnte pünktlich starten. Seine sichere und kontrollierte Fahrt auf Ideallinie endete spektakulär, als sich bei der Einfahrt in den Zielhang seine Ski spreizten. Entsetzen im Publikum. Aber: Da fuhr der Sailer Toni! Er balancierte den Wackler aus und raste über die Ziellinie, bejubelt von einer riesigen Zuschauermenge. Bestzeit! Nachfolgende Fahrer wie der Schweizer Fellay und sein Teamkollege Molterer blieben vier Sekunden hinter ihm. Anton Engelbert Sailer, der schwarze Blitz aus Kitz, holte seine dritte Goldmedaille!
Eishockeyspieler Martin Beck aus Füssen, einer der nur noch drei lebenden deutschen Olympiateilnehmer von Cortina 1956, hat seine ganz eigene Erinnerung an den Seriensieger aus Österreich: "Wir gingen manchmal in ein kleines Café nahe am Hotel. Und jedes Mal, wenn ich da war, kam der Toni Sailer dort rein und sagte: Ich hab' heut schon wieder gewonnen!"
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Quelle: Eurosport



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