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Deutsche Bobs vor Olympia: Drei Monate Anlauf für "das härteste Rennen"

Deutsche Bobs vor Olympia: Drei Monate Anlauf für "das härteste Rennen"
Von SID

07/11/2017 um 14:30Aktualisiert 07/11/2017 um 14:32

Fast vier Jahre ist es nun her, da lag der stolze deutsche Bobsport am Boden. Schwer geschlagen bei Olympia 2014, heftig kritisiert für das Versagen in Sotschi. Seither ging es wieder aufwärts für die deutschen Schlitten, und in drei Monaten könnte bei den Winterspielen 2018 in PyeongChang nun endlich die große Wiedergutmachung folgen. Es gibt da nur ein Problem.

"Das wird das härteste Bob-Rennen, das es jemals bei Olympia gegeben hat", sagt Bundestrainer Rene Spies dem SID: "Da rollt etwas auf uns zu." Am Donnerstag starten Spies und sein Team beim Weltcup in Lake Placid in eine Saison voller Ungewissheiten, an deren Ende eigentlich alles möglich scheint: Die triumphale Rückkehr auf das olympische Podest. Oder der nächste Niederschlag.

Aus verschiedenen Gründen dürften die Winterspiele im Februar eine ziemlich komplizierte Aufgabe werden. Die Leistungsdichte sei "qualitativ und quantitativ noch nie so hoch" gewesen, wie im anstehenden Winter, sagt Spies. Neben Deutschland schicken Kanada, Russland, die Schweiz, Lettland und Südkorea allesamt Schlitten, die um Siege und Medaillen kämpfen können.

Olympiabahn - Die große Unbekannte

Zudem ist das Alpensia Sliding Centre für alle Teams mit Ausnahme der Gastgeber noch ein nahezu weißer Fleck auf der Bob-Landkarte. Bislang hatte die internationale Elite nur spärliche Möglichkeiten, die neue Eisrinne kennenzulernen. Und der erste Weltcup in PyeongChang im vergangenen März war ein Warnschuss für die deutschen Viererbobs.

"Wir lagen nur auf den Plätzen fünf, sechs und elf, das war schon knackig", sagt Spies: "Wir haben an dem Tag Schwächen gezeigt." Das soll sich bei Olympia auf keinen Fall wiederholen. Die Trainingswoche in PyeongChang Ende Oktober sei daher schon "die zweitwichtigste der Saison" gewesen.

Trotz aller Unwägbarkeiten ist aber klar: Deutschland gehört zu den Top-Favoriten auf Erfolge in PyeongChang. Francesco Friedrich (Oberbärenburg) und Johannes Lochner (Stuttgart) reisen als Weltmeister im Zweier und Vierer an. Diese Titel wurden bei der Heim-WM am Königssee souverän eingefahren, doch auch auf internationalen Bahnen waren die Deutschen zuletzt insgesamt gut unterwegs.

Die kurze, aber tückische Bahn in PyeongChang erfordert starke Starts und viel Gefühl an den Lenkseilen. "Da können wir als Fahrer den Unterschied machen", sagt Lochner. An den Piloten zweifelt allerdings ohnehin niemand im deutschen Lager.

Material auf Top-Niveau

Und auch mit Blick auf das Material sei man besser aufgestellt als damals vor Sotschi, sagt Spies. Das liegt vor allem daran, dass der Verband BSD weiterhin einen ziemlich ungewöhnlichen Parallelflug durchführt: Friedrich und Lochner sind mit Schlitten des österreichischen Herstellers Hannes Wallner unterwegs, der WM-Dritte Nico Walther (Oberbärenburg) und die Frauen setzen auf Bobs des Stammausrüsters FES.

Diese Lösung ist ziemlich teuer, und die Konkurrenz zweier Hersteller in einem Team sorgt durchaus für Unruhe. "Das geht so weit, dass wir in getrennten Garagen arbeiten", sagt Spies: "Im Weltcup sind wir praktisch wie mit zwei Nationen unterwegs."

Doch die Vorteile sollen dies aufwiegen, der BSD ist breit aufgestellt. Ein Szenario wie 2014, als das deutsche Material auf der Olympiabahn nicht funktionierte, ist damit deutlich unwahrscheinlicher. Zudem konnten die Piloten nach einjähriger Testphase den für sie perfekten Bob wählen.

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