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Boxer Nelvie Tiafack im Interview über Olympia, seine Zukunft als Profi und Stefan Raab: "Kapitel ist abgeschlossen"
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Update 09/10/2024 um 00:54 GMT+2 Uhr
Nelvie Tiafack ist im Boxen spätestens seit seiner Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Paris ein Star. Nun schlägt der 25-Jährige allerdings neue Wege ein und schließt eine weitere Teilnahme bei Olympia "zu tausend Prozent" aus. Über seine Zukunft und seine Rolle beim TV-Comeback von Entertainer Stefan Raab sprach der Superschwergewichtler im Exklusiv-Interview mit Eurosport.de.
Tiafack im Exklusiv-Interview: Dieser Boxer ist mein großes Vorbild
Quelle: Eurosport
Bei den Olympischen Spielen 2024 boxte sich Tiafack bis ins Halbfinale. Dort war zwar gegen den späteren Goldmedaillengewinner Bahodir Jalolov (Usbekistan) Endstation, dem Deutschen blieb aber die Bronzemedaille als Trost.
Auf die olympische Bühne möchte der Sportsoldat bei der Bundeswehr jedoch nicht mehr zurückkehren - stattdessen will Tiafack seinem großen Idol, Anthony Joshua, nacheifern und Box-Profi werden.
"Das Kapitel wird jetzt abgeschlossen", sagte der 25-Jährige über die Olympischen Spiele im exklusiven Interview mit Eurosport.de.
Neben dem Traum vom Box-Profi durfte Tiafack sich erst kürzlich einem ganz neuen Aufgabenfeld widmen: Er trainierte Entertainer Stefan Raab vor dessen Comeback für den Boxkampf mit Ex-Weltmeisterin Regina Halmich.
Herr Tiafack, wie läuft es gerade - haben Sie Urlaub?
Nelvie Tiafack: Ja, komplett. Nach den Olympischen Spielen habe ich mir fest vorgenommen, zwei Monate gar nichts zu machen. Das war der Plan. Aber das ist eine große Herausforderung, muss ich ehrlich sagen. Ich habe es noch nicht ganz geschafft.
Noch nicht? Wir haben Sie eben noch mit Boxhandschuhen gesehen.
Tiafack: Genau. Das konnte ich mir leider nicht verkneifen, heute habe ich sechs Runden ein bisschen geboxt. Aber es macht einfach Spaß. Es hat gekribbelt.
Warum wollen Sie jetzt komplett freinehmen?
Tiafack: Ich habe das olympische Boxen zehn Jahre lang gemacht. Tag ein, Tag aus. Und wer im Leistungssport in Deutschland ist, weiß, dass Pausen eher Wunschvorstellungen sind. Deshalb gilt es jetzt nach den Olympischen Spielen, die gut verlaufen sind: eine kleine Pause gönnen, wieder fit werden, Kraft tanken und das nächste große Ziel angreifen. Das ist der Wechsel zu den Profis.
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Boxen: Nelvie Tiafack bei Olympia 2024 in Paris - der Deutsche gewann Bronze
Fotocredit: Getty Images
Gibt es Vorbilder, die Sie haben? Die vielleicht gerade aktiv sind oder diesen Schritt genauso gemacht haben wie Sie?
Tiafack: Ja, Anthony Joshua. Er ist einer, der den Sport definitiv revolutioniert hat. Er verkauft knapp 100.000 Tickets, das ist krass. Er ist so eine riesige Personenmarke, und alles nur durchs Boxen. Für mich ist er ein Riesenvorbild, auch ein großer Vertreter für den Sport. Ein sauberer Sportsmann, der gezeigt hat, dass der Sport nicht nur dreckig ist und schwierige Leute hat. Er hat Boxen wieder auf die Karte gebracht - und deswegen ist Anthony Joshua für mich ein Riesenvorbild. Auch wenn in letzter Zeit seine Leistungen nicht mehr so überzeugend sind wie vor einigen Jahren.
Als ich vor 15.000 Menschen boxen durfte, war das einfach krass. Ich bin mit einem Lächeln reingetanzt, als wäre das nichts, als würde ich das jeden Tag machen.
Nun ist das Boxen im Profibereich viel größer, vielleicht auch heftiger. Worauf freuen Sie sich am meisten in dieser Welt?
Tiafack: Am allermeisten freue ich mich auf die riesigen Shows, also auf riesige Hallen. Tausende Fans, die mich anfeuern, die meinen Namen schreien - darauf freue ich mich am meisten. Denn nur so kann ich meine beste Leistung abrufen. Das hat man in Paris gesehen. Als ich vor 15.000 Menschen boxen durfte, war das einfach krass. Ich bin mit einem Lächeln reingetanzt, als wäre das nichts, als würde ich das jeden Tag machen. Also glaube ich auch zu hundert Prozent, dass es das ist, was mich erfüllt. Und vor allem, was mir ganz wichtig beim Schritt zu den Profis ist: das Geld. Das muss ich ehrlich sagen. Das war mein Plan von Anfang an. Ich wollte schon immer zu den Olympischen Spielen, dort etwas reißen und danach komplett zu den Profis wechseln. Ich wollte nicht zwei Sachen gleichzeitig machen. Seit 2016 ist es möglich, auch als Profi bei den Olympischen Spielen anzutreten. Aber ich möchte das nicht. Das Kapitel wird jetzt abgeschlossen.
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Niederlage, aber Bronze: Nelvie Tiafack zufrieden mit Olympia
Quelle: Perform
Sie schließen es komplett aus, nochmal bei Olympia zu starten?
Tiafack: Zu tausend Prozent, sage ich jetzt.
Als wir Sie bei Stefan Raab am Ring gesehen haben, waren wir überrascht. Was ist der Hintergrund zu dieser Geschichte?
Tiafack: Sie waren definitiv nicht die einzigen - alle waren überrascht, sogar meine Freunde. Es wusste wirklich kein einziger Mensch davon, was los sein würde. Ich durfte 15 Personen einladen und habe nur gesagt, dass ich wegen Olympia und Boxen eingeladen wurde. Meine Rolle in dem ganzen Spiel habe ich gar nicht erklärt. Dann waren sie da, plötzlich werde ich als Trainer von Stefan Raab angekündigt und alles Drum und Dran. Ein sehr krasser Moment, auch für meine eigenen Freunde.
Sie hat grob angeschnitten, worum es geht und gesagt, dass Stefan Raab in den nächsten Stunden anonym anrufen werde. Ein paar Minuten später schon bekam ich einen anonymen Anruf. Ich fragte: 'Spricht da der Stefan?'
Aber Sie haben ihn wirklich gecoacht.
Tiafack: Ja, ich habe ihn wirklich gecoacht. Bei Instagram wurde ich von einer Mitarbeiterin kontaktiert - dann ging es relativ schnell. Wir haben Nummern ausgetauscht und kurz telefoniert. Sie hat grob angeschnitten, worum es geht und gesagt, dass Stefan Raab in den nächsten Stunden anonym anrufen werde. Ein paar Minuten später schon bekam ich einen anonymen Anruf. Ich fragte: 'Spricht da der Stefan?' Natürlich habe ich seine Stimme erkannt. Aber ich habe das immer noch nicht zu hundert Prozent geglaubt und war ein bisschen skeptisch. Selbst bei dem Telefonat, als ich seine Stimme gehört habe, war ich nicht hundert Prozent davon überzeugt, dass es wirklich ernst ist.
Und dann?
Tiafack: Er hat direkt losgelegt und sagte: 'Kennst du mich überhaupt noch? Ich war knapp zehn Jahre von der Bildfläche verschwunden.' Ich meinte: 'Natürlich, ich kenne dich.' Dann haben wir ein bisschen gequatscht, er hat mir genau von seinem Plan erzählt und wofür er mich haben möchte. Drei Tage später haben wir uns in einem Studio in Hürth getroffen. Das ist direkt bei mir in der Nähe von Bergheim, so 20 Minuten mit dem Auto entfernt.
Hast du gesehen, dass er gut in Form ist?
Tiafack: Ja, er sah relativ gut in Form aus. Wir haben gequatscht, er hat mir irgendwie sofort vertraut. Ich war ihm sympathisch, hat er auch gesagt. Und dann hat er mir die ganze Show von vorne bis zum Ende präsentiert. Ich war begeistert. Ich habe mir nur gedacht: Was machst du hier, du kleiner Junge, du wolltest boxen, um abzunehmen. Guck', wo du jetzt gelandet bist. Nur solche Gedanken hatte ich in meinem Kopf. Es war wie ein Traum. Zwei oder drei Tage später haben wir uns wieder getroffen. Da haben wir einmal trainiert, das war das einzige Mal. Wir haben ein bisschen Sparring gemacht, aber ich habe nicht geschlagen - nur Handschuhe, ein bisschen Deckung spielen, ihm ein paar Sachen erklärt. Aber das war mehr fürs Filmmaterial.
Aber er wollte schon gewinnen, oder?
Tiafack: Das glaube ich nicht, ihm ging es allein um die Show. Das hat er nicht gesagt, aber es ist meine Meinung. Denn auch beim Training sprach er quasi nur über die Show. Deswegen glaube ich nicht, dass er gewinnen wollte. Er wollte nur aus eigener Kraft sein Comeback speziell machen, daher hat er sich körperlich so fit gemacht: Damit die Leute sehen, dass er sich bemüht und Gas gegeben hat.
Noch eine letzte Frage, wie Sie den Kampf wahrgenommen haben: Da kämpfte ja schon ein großer, schwerer Mann gegen eine kleine, relativ zierliche Regina Halmich - und es wurde heftig ausgeteilt. Wie haben Sie mit ihm gesprochen?
Tiafack: Beim Training, als er ein bisschen reingehauen hat, habe ich gemerkt: Das scheppert schon! Er hat mich nicht getroffen, aber ich kann das einschätzen und habe ein Gefühl dafür. Ich sagte zu ihm: 'Zum Glück hast du nicht richtig trainiert, sonst schickst du die schlafen!' Hätte er vernünftig trainiert, wäre das überhaupt nicht gut geendet. Ich glaube, das war auch seine größte Angst, dass er sie ausknocken würde. Deshalb habe ich wirklich nicht das Gefühl, dass er gewinnen wollte. Aber die Show ist gelungen - und die Show war geil!
Das Interview führte Matthias Sandten.
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Tiafack verrät exklusiv: So lief die Geheimaktion mit Raab
Quelle: Eurosport
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