Olympia 2024 - Schweizer Box-Ikone Christina Nigg verteidigt Algerierin Imane Khelif: "Boxt nicht erst seit gestern"
VonLukas Fegers
Update 03/08/2024 um 13:29 GMT+2 Uhr
Bei den Olympischen Spielen sorgt die Causa Imane Khelif weiter für Gesprächsstoff. Nun hat sich auch die Schweizer Box-Ikone Christina Nigg in die entbrannte Debatte um erhöhte Testosteronwerte der Algerierin eingeklinkt - und sich "überrascht" über die weltweit große Aufregung gezeigt. "Khelif boxt ja nicht erst seit gestern, sie ist schon lange dabei", sagte die 63-Jährige im "Blick"-Interview.
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Quelle: Eurosport
"Alle kennen sie. Es gab nie eine Gender-Diskussion ihretwegen", meinte Nigg, die 1998 als erste Schweizerin einen Weltmeistertitel im Profiboxen (Federgewicht) holte. "Boxen ist nun mal nicht mit Schach zu vergleichen. Man kann böse getroffen werden, das tut dann verdammt weh. Das ist bei Frauen nicht anders als bei den Männern."
Mit ihrer Aussage scheint Nigg nicht vollkommen ins Schwarze zu treffen, schließlich begleitet die Algerierin Khelif die Geschlechtsdebatte nicht erst seit Olympia.
Bei der WM 2023 war die Athletin vom internationalen Boxverband IBA wegen erhöhter Testosteronwerte disqualifiziert worden, ebenso wie die Taiwanerin Lin Yuting. In Paris aber sind beide am Start - und nach Khelifs 46-Sekunden-Sieg am Donnerstag gegen die Italienerin Angela Carini werden die erhitzten Diskussionen nun auf der größten Bühne der Sportwelt ausgetragen.
Dass das Thema komplex ist, weiß Nigg und betrachtet die Problematik aus Sicht der Betroffenen. Man müsse auch an die Frauen denken, die jetzt "am Pranger stehen. Das sind Menschen, die eine andere körperliche Konstellation haben. Wir reden hier nicht von Transgender-Personen. Wir reden von Frauen, die mehr Muskeln haben, stärker schlagen können, die eventuell einen höheren Testosteronwert aufweisen."
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Quelle: Perform
Natürliche Gründe dafür gebe es viele, so die Schweizerin: "Man kann diese Menschen nicht einfach diskriminieren."
Lösungsansätze kaum in Reichweite
Nigg ist nicht die Einzige, die der Algerierin zur Seite springt. Auch die irische Ex-Weltmeisterin Amy Broadhurst und Mark Adams, Sprecher des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), hatten zuvor die "schrecklich vielen Beschimpfungen" und das "Mobbing" gegen Khelif angeprangert. Versöhnliche Töne gab es überdies von ihrer unterlegenen Gegnerin Carini.
Im Viertelfinale der Klasse bis 66 kg trifft Khelif nun am Samstag auf die Ungarin Anna Luca Hamori. Bei einem Erfolg ist der 25-Jährigen eine Medaille sicher - genau aber wie die wohl noch lange anhaltenden Spekulationen und Anfeindungen in der Gender-Debatte.
"Ich weiß nicht, wie dieses Problem in den nächsten Jahren gelöst werden soll", sagte Box-Pionierin Nigg dem "Blick" angesprochen auf mögliche Lösungsansätze und dachte laute nach: "Vielleicht muss man tatsächlich mehr Wertungskategorien einführen, nicht nur nach Männern und Frauen unterscheiden. Aber einfache Lösungen gibt es nicht."
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