Rallye Dakar: Austragungsland Saudi-Arabien wegen Menschenrechtsverstößen in Kritik

Saudi-Arabien ist die neue Heimat der Rallye Dakar. Kritiker sehen den Versuch, das angeschlagene Image des Königreichs mit der Austragung des legendären Wüstenrennens reinzuwaschen. Saudi-Arabien ist wegen massiver Verstöße gegen Menschenrechte in der Kritik. Trotzdem wollen die Stars, wie Titelverteidiger Nasser Al-Attiyah (Katar), in Saudi-Arabien sportlich überzeugen.

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Im Schatten des kolossalen Jeddah Towers in Saudi-Arabien startet die Rallye Dakar in ein neues Zeitalter. Noch in diesem Jahr soll der Wolkenkratzer am Roten Meer fertiggestellt werden - und mit einer Höhe von mehr als einem Kilometer sämtliche Rekorde brechen. Derzeit herrscht aber Baustopp - anders als bei der zweiten großen Baustelle des Wüstenstaates.
Unermüdlich versucht das weltweit heftig kritisierte Königreich, sein Image mit der Austragung bedeutender Sportevents reinzuwaschen. "Sportswashing" wird diese kostenintensive Strategie genannt, die auch in Katar oder in den Vereinigten Arabischen Emiraten längst etabliert ist.

Saudi-Arabien kauft zahlreiche Sportevents

Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch finden diese Großveranstaltungen "in höchst kontrollierbaren Umgebungen" statt, um ein "fortschrittliches Gesicht" zu zeigen. Im vergangenen Jahr drehte etwa die Formel E in Saudi-Arabien ihre Runden, der Schwergewichts-WM-Boxkampf zwischen Anthony Joshua und Andy Ruiz Jr. stieg in Riad, zuletzt spielte auch Cristiano Ronaldo mit Juventus Turin gegen Lazio Rom im King Saud University Stadium um den italienischen Supercup. Und jetzt die Dakar.
Für zumindest fünf Jahre zieht die härteste Wüstenrallye der Welt auf die arabische Halbinsel, laut Medienberichten sollen es sogar zehn werden. All diese Events dienen der "Vision 2030" des Kronprinzen Mohammed bin Salman, der das konservative Land reformieren und wirtschaftlich breiter aufstellen will.

Saudi-Arabien wegen Menschenrechte in Kritik

Der Sport soll dabei internationale Touristen anlocken, seit September werden erstmals Touristen-Visa ausgestellt. Das Königreich steht aufgrund massiver Verstöße gegen die Menschenrechte aber immer wieder in der Kritik. Human Rights Watch prangert etwa fehlende Frauenrechte, die eingeschränkte Meinungsfreiheit oder die widerrechtliche militärische Offensive im Jemen an.
Zwar dürfen Frauen seit einem Jahr Auto fahren, Aktivistinnen würden aber weiterhin verhaftet werden. Zudem wurden 2019 in Saudi-Arabien laut offiziellen Angaben mindestens 187 Menschen hingerichtet, die höchste Zahl seit 24 Jahren. Auch die brutale Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi hatte weltweite Empörung ausgelöst.

Rallye Dakar verlässt Südamerika nach über zehn Jahren

Die Veranstalter der Rallye Dakar sind sich des Dilemmas bewusst. "Wir haben ein wenig überlegt", sagte Dakar-Chef David Castera der französischen Nachrichtenagentur "AFP":
Nach mehr als einem Jahrzehnt in Südamerika kehrt die Dakar damit wieder näher an ihren Ursprung zurück - bei ihrer ersten Ausgabe 1979 führte die Rallye von Paris quer durch Afrika zur Hauptstadt Senegals. Ab Sonntag geht es für die Fahrer in zwölf Tagen über fast 7900 Kilometer von der Hafenstadt Dschidda nach Qiddiyah, wo derzeit eine Unterhaltungs-Stadt im Rahmen eines Megaprojektes in der Nähe von Riad entsteht.
Für den zweimaligen Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso (Spanien), Titelverteidiger und Topfavorit Nasser Al-Attiyah (Katar) oder Rekordsieger Stéphane Peterhansel (Frankreich) steht bis dahin erstmal der Sport im Vordergrund.
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(SID)
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