Christian Ehrhoff: Olympia ohne NHL-Stars Vorteil für Deutschland beim Eishockey-Turnier

Eurosport-Experte Christian Ehrhoff bedauert das Aus der NHL-Stars für Olympia, sieht darin aber letztlich einen Vorteil für Deutschland im Kampf um die Eishockey-Medaillen bei den Winterspielen im Februar 2022 in Peking. 2018 hatte Ehrhoff mit dem deutschen Team in PyeongChang sensationell Silber gewonnen - das dramatische Finale hat sich für immer in Ehrhoffs Gedächtnis gebrannt.

Christian Ehrhoff in PyeongChang 2018

Fotocredit: Getty Images

Krimis gegen die Schweiz, Schweden und Kanada, dazu ein unglaublich dramatisches Endspiel gegen Russland - noch heute denkt Christian Ehrhoff gerne an die Olympischen Winterspiele 2018 in PyeongChang zurück.
Weniger als eine Minute fehlte der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft damals zum Gold-Triumph. Silber wurde es am Ende, ein ganz besonderer Erfolg für alle im DEB-Team.
Vor allem das Halbfinale gegen Kanada (4:3) bleibt haften. "Das war emotional einfach der schönste Moment, weil wir uns mit dem Sieg eine Medaille garantiert hatten", sagt der ehemalige Top-Verteidiger Christian Ehrhoff, der 2022 in seiner neuen Rolle als Eurosport-Experte in Peking emotional an 2018 anknüpfen möchte.
"Die Erinnerungen an die Silbermedaille sind immer noch frisch. Die Emotionen von damals möchte ich nun in die Berichterstattung bei Eurosport einbringen", erklärt Ehrhoff: "Denn hinter einem neuen Eishockey-Märchen steckt viel harte Arbeit, die es Wert ist, gebührend gewürdigt zu werden."
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Quelle: Eurosport

Im Interview mit Eurosport.de spricht der 39-Jährige über seine Olympia-Erfahrungen, seine Erwartungen für Peking 2022 und das Olympia-Aus der NHL-Stars.
Das Interview führte Dominik Mackevicius
Christian Ehrhoff, was sagen Sie zur Entscheidung der NHL, keine Spieler am olympischen Eishockey-Turnier teilnehmen zu lassen?
Christian Ehrhoff: Es ist natürlich ein ganz bitterer Schlag für das olympische Eishockey-Turnier. Denn in so einem Turnier will man die besten Spieler der Welt sehen. Jeder Eishockey-Fan sich darauf gefreut und es ist wirklich sehr schade, dass die besten Spieler der Welt nicht teilnehmen.
Was bedeutet die Entscheidung für das deutsche Team rund um NHL-Star Leon Draisaitl?
Ehrhoff: Es ist bitter, dass die besten deutschen Spieler nicht dabei sein können. Neben Leon Draisaitl fehlen Tim Stützle, auf dem man sich sehr freuen konnte, Moritz Seider, der ein dominanter Spieler bei der WM letztes Jahr war und mit Philipp Grubauer ein großer Rückhalt im Tor. Diese wird man schmerzlich vermissen. Aber man muss auch sagen, dass Team Deutschland nur einige Spieler fehlen, während andere Nationen ihre vier bis fünf besten Mannschaften nicht aufs Eis bringen können. Aus dieser Sicht ist es für Deutschland insgesamt ein Vorteil.
Welcher Moment kommt bei Ihnen direkt als erste Erinnerung zurück, wenn Sie an 2018 und die sensationellen Auftritte damals denken?
Ehrhoff: Mir kommt da direkt der Halbfinalsieg gegen Kanada ins Gedächtnis. Das war emotional einfach der schönste Moment, weil wir uns mit dem Sieg eine Medaille garantiert hatten. Das Finale haben wir leider nicht gewonnen - wobei es auch ein toller Moment war, als wir unsere Medaillen um den Hals gehängt bekamen.
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Quelle: Eurosport

Was hat das Turnier für Sie besonders gemacht?
Ehrhoff: Der Zusammenhalt bei uns in der Mannschaft war unglaublich. Jeder Spieler hat die für ihn vorgesehene Rolle zu 100 Prozent erfüllt - und auch akzeptiert, was ja nicht unbedingt immer der Fall ist, wenn die besten Spieler aus allen Vereinen zusammenkommen. Da hat sich jeder dem großen Ziel der Mannschaft unterworfen. Wir haben uns mit einer perfekten Mannschaftsleistung durch das Turnier immer weiter gesteigert und uns - in meinen Augen absolut verdient - mit einer Medaille belohnt.
Was überwiegt inzwischen - der Stolz auf die Medaille oder ist da noch manchmal der Gedanke: Wenn wir noch eine Minute über die Zeit gebracht hätten ...?
Ehrhoff: Ich habe da noch oft dran zurückgedacht. Als Sportler willst du natürlich immer gewinnen und da wäre eine Goldmedaille die absolute Krönung gewesen. Die Ausgangslage im Finale, eine Minute vor Schluss zu führen und in Überzahl zu sein - das musst du eigentlich nach Hause bringen. Es wäre sicherlich auch für uns verdient gewesen, aber der Sport ist eben manchmal brutal und in diesem Moment sollte es einfach nicht sein.
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Die Freude über das Erreichte kam aber vermutlich schnell zurück, oder?
Ehrhoff: Als deutscher Eishockeyspieler hättest du nie daran geglaubt, irgendwann mal eine Medaille bei Olympia zu gewinnen. Das war schon ein unglaublicher Moment, die Freude kam zurück und der Stolz war riesig. Für mich wurde das noch gesteigert durch das große Highlight und der größten Ehre, die mir je zu Teil wurde - dass ich bei der Abschlussfeier die Fahne der deutschen Mannschaft tragen durfte. Das war für mich ein ganz besonderer Moment, der immer in meinem Herzen bleiben wird.
Welche Emotionen bringt eine solche Ehre mit sich?
Ehrhoff: Das ist für einen Sportler einfach das Größte, wenn du stellvertretend für so viele Topathletinnen und -athleten deine Mannschaft anführen und mit der deutschen Fahne ins Stadion laufen darfst. Davon träumt jeder Sportler. Noch dazu waren das so erfolgreiche Olympische Spiele, mit einem Team D, in dem alle geschlossen zusammenstanden. Zu Beginn haben wir die anderen angefeuert und ihre Medaillen bejubelt, am Ende kamen die anderen, um uns anzufeuern - das war etwas sehr Besonderes, das ich in diesem Maße noch nicht erlebt hatte. Stellvertretend für dieses Team die Fahne zu tragen war einfach super.
Auch in Deutschland haben die Fans mit dem deutschen Team mitgefiebert. Wie haben Sie diese Welle der Begeisterung aus der Entfernung damals wahrgenommen?
Ehrhoff: Wir haben natürlich mitbekommen, dass die Euphorie immer weiter gewachsen ist und dass viel los war, aber welches Ausmaß das wirklich hatte, haben wir erst begriffen, als wir zurückgekommen sind. Ich bin noch Monate später von Leuten angesprochen worden, dass sie morgens um fünf das Finale geguckt haben, obwohl sie noch nie vorher Eishockey gesehen hätten. Es war einfach schön zu sehen, wie wir die Fans mitgerissen haben.
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Christian Ehrhoff bei Olympia 2018 in Pyeongchang

Fotocredit: Getty Images

Sie waren vier Mal bei Olympia dabei und haben es in allen Facetten erlebt - vom Youngster 2002 bis zum Routinier 2018, vom Vorrunden-Aus bis zum Final-Hammer: Was hat für Sie Olympia so besonders gemacht und welche Spiele sind abseits des Eises mit besonderen Erinnerungen verbunden?
Ehrhoff: Olympia ist deswegen so besonders, weil nicht nur die besten Sportler aus deiner Sportart, sondern auch die Besten aus den anderen Sportarten für ein riesiges Fest zusammenkommen. Ich fand es schon immer ganz toll, einfach nur in der Kantine zu sitzen und die anderen Sportler zu sehen. Einen der tollsten Momente hatte ich bei meinen ersten Spielen, als ich mit der deutschen Mannschaft bei der Eröffnungsfeier eingelaufen bin. Ich hatte schon als Kind immer Olympia und die Eröffnungsfeiern geschaut und dann selbst dabei sein zu können, das ist der Wahnsinn. Ansonsten habe ich kaum Erinnerungen an meine ersten Olympischen Spiele - ich bin da mit offenem Mund herumgelaufen und gestaunt, dass ich mit meinen 19 Jahren gegen die ganzen NHL-Stars spiele, die ich nur aus dem Fernsehen kannte.
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Eishockey-Experte bei Eurosport: Ex-NHL-Star Christian Ehrhoff

Fotocredit: Eurosport

Sie haben viele Jahre in der NHL gespielt, mit vielen großen Stars: Welchen Stellenwert hat Olympia für die Cracks dort?
Ehrhoff: Für die Nordamerikaner hat sich der Stellenwert von Olympia über die Zeit erhöht. Für uns Europäer hatten die Olympischen Spiele schon von klein auf einen riesigen Stellenwert. Von daher will jeder dieses top besetzte Turnier gewinnen.
Sie begleiten die Spiele jetzt in neuer Rolle als Eurosport-Experte und in einer eigenen Show. Was ist für das Besondere daran?
Ehrhoff: Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe. Für mich ist das eine neue Herausforderung, bei der ich sehr viel Spaß haben werde. Natürlich ist es ein anderer Blickwinkel, aber ich freue mich, auf diese Weise auch wieder sehr nah an den Olympischen Spielen sein zu können.
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