Eine bestenfalls angedeutete Umarmung, kein Wort des Trostes - nach 28 Jahren hat "Eishexe" Tonya Harding tatsächlich eine würdige Nachfolgerin gefunden.
Die US-Amerikanerin ließ seinerzeit "nur" ihre Rivalin Nancy Kerrigan per Eisenstange am Knie verletzen, aber die 47-Jährige vernichtete ihre Läuferin Kamila Valieva: Mit Verachtung im Blick und vor allem mit verletzenden Worten.
Diese Härte, vielleicht sogar Verbitterung, sie könnte sich aus ihrer eigenen aktiven Laufbahn ableiten lassen. Ein Wirbelbruch erzwang einst Tutberidzes Wechsel vom Einzellauf zum Eistanz.
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Doch auch mit der Unterstützung von renommierten Trainerinnen wie Natalja Linitschuk und Tatjana Tarasova reichte es nicht einmal für die nationale Spitze.

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In Russland sind Eiskunstläufer verhätschelte Stars

Und auch ihre eigene Tochter Diana Davis konnte Tutberidze nicht an die Spitze führen. Wie ihre Mutter wich diese zum Eistanz aus, in Peking kam sie mit ihrem Partner Gleb Slomkin auf Rang 14. Indiskutabel für die erfolgsversessene Tutberidze.
Solche Platzierungen sind keine Ziele für sie und die Athletinnen in ihrem Klub Sambo 70. Die Russin mit georgischen Wurzeln gilt als knallhart, aber eben auch erfolgreich.
Und Eiskunstlauf ist Volkssport in Russland, Olympiasieger und Weltmeister sind im Riesenreich von den Medien verhätschelte Stars.

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Tutberidse setzt auf hartes Training

Tutberidzes Trainingsmethoden sorgen ebenfalls für Verwunderung: Die Russin gibt unumwunden zu, dass sie ihre Schützlinge bis zu zwölf Stunden am Tag trainiert. Häufig sind die langen Übungszeiten dann mit gesundheitlichen Einschränkungen für die jungen Sportlerinnen verbunden. Auch die Ernährung wird strengstens kontrolliert, wie Alina Zagitova, die Olympiasiegerin von PyeongChang erklärt: "Die Ernährung war sehr eingeschränkt. Wir haben nicht mal Wasser getrunken. Wir haben nur unseren Mund ausgespült und es wieder ausgespuckt."
Evgenia Medvedeva, Silbermedaillengewinnerin hinter Zagitova, klagte über eine Fußverletzung und musste wegen chronischen Rückenproblem vor Kurzem ihre Karriere beenden. Medvedeva ist 22 Jahre alt.
Yulia Lipnitskaya, Team-Olympiasiegerin von Sochi im Jahr 2014, kämpfte mit einer Knie-Verletzung und war Jahre lang magersüchtig. 2017 beendete die damals 18-Jährige ihre Karriere. Zagitova arbeitete in Peking als Expertin für das russische Fernsehen. Auch sie ist mit 19 Jahren noch im Teenager-Alter.

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Nachfolgerinnen scharren schon mit den Kufen

So rückte auch schon in Peking für die gescheiterte Valieva eben Anna Shcherbakova nach und wurde Olympiasiegerin, die Silbermedaille ging an Alexandra Trusova, alle aus dem "Stall Sambo 70". Noch jüngere Läuferinnen scharren schon in der russischen Hauptstadt ungeduldig mit den Kufen.
Mit noch mehr Tempo, mit noch mehr Vierfach-Sprüngen. Tutberidzes "Quad Squad" hat kein Nachwuchsproblem.
Und sie hat eine knallharte, eiskalte Trainerin an der Bande. Eine wie Eteri Tutberidze erscheint unbelehrbar. Leider.
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(SID)

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