Kamila Valieva ist eine der vielversprechendsten Athletinnen der Eiskunstlauf-Welt.
Mit erst 15 Jahren gewann die Russin in Peking olympisches Gold mit der Mannschaft im Teamwettbewerb und gilt auch im Einzelwettbewerb, der am Dienstag (15. Februar) und Mittwoch (16. Februar) ausgetragen wird, als eine der großen Favoritinnen - eigentlich.
Denn bislang ist unklar, ob Valieva überhaupt an weiteren Wettbewerben in Fernost teilnehmen darf. Grund dafür ist ein positiver Dopingtest aus dem Dezember, der einen Tag nach dem Gewinn der Goldmedaille mit dem Team an die Öffentlichkeit drang und nun die Schlagzeilen rund um die Eiskunstläuferin aus Kasan beherrscht.
Olympia - Eiskunstlauf
Witt nimmt Valieva in Schutz: "Lässt mein Sportlerherz weinen"
11/02/2022 AM 05:26
Der internationale Sportgerichtshof CAS muss nun entscheiden, ob Valieva in Peking weiterhin um Edelmetall kämpfen darf oder nicht.
Die wichtigsten Fakten und Fragen:

War Kamila Valieva gedopt?

Bereits vor den Olympischen Winterspielen in Peking wurde Valieva positiv auf das Stimulans Trimetazidin getestet. Das teilte die vom IOC beauftragte Internationale Testagentur ITA am Dienstag (8. Februar) und damit einen Tag nach dem Gold-Coup des russischen olympischen Komitees im Teamwettbewerb mit.
Laut Mitteilung des WADA-akkreditierten Labors stamme die positive Probe vom 25. Dezember und wurde am Rande der russischen Eiskunstlauf-Meisterschaften in St. Petersburg genommen.

Was ist Trimetazidin und warum ist es verboten?

Trimetazidin ist ein Wirkstoff, der typischerweise zur Behandlung von Herzerkrankungen eingesetzt wird. Es erhöht den Blutfluss zum Herzen und begrenzt schnelle Blutdruckschwankungen. Seit 2014 steht Trimetazidin auf der Verbotsliste der WADA und ist sowohl im als auch außerhalb des Wettkampfs verboten, weil das Medikament die Ausdauer fördern soll.
Nicht zum ersten Mal taucht Trimetazidin im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen auf. In Pyeongchang 2018 wurde die russische Bobfahrerin Nadezhda Sergeeva von den Spielen ausgeschlossen, nachdem sie positiv auf Trimetazidin getestet worden war.

Kamila Valieva - Peking 2022

Fotocredit: Getty Images

2014 erregte der Wirkstoff zudem große Aufmerksamkeit, als Chinas Schwimm-Olympiasieger von London 2012, Sun Yang, nach einem positiven Test rückwirkend für drei Monate gesperrt wurde.

Darf das ROC seine Goldmedaille im Teamwettbewerb behalten?

Bislang wurden die Goldmedaillen für den Teamwettbewerb aufgrund des schwebenden Verfahrens noch nicht vergeben. Eine endgültige Entscheidung über den Ausgang des Teamwettbewerbs, in dem die deutsche Mannschaft Platz neun belegt hatte, könne der Eiskunstlauf-Weltverband ISU erst nach Abschluss des gesamten Falls treffen, hieß es in einem ITA-Statement.
Sollte sich der CAS auf die Seite des IOC und der ITA stellen, scheint die Aberkennung des Olympiasiegs für das gesamte Teams des ROC aber das wahrscheinlichste Szenario.
Obwohl Valieva und ihre Kollegen das Team-Event mit großem Vorsprung gewannen, würde das ROC, sollte Valievas maximale Ausbeute von 20 Punkten abgezogen werden, von Gold auf Bronze fallen. Profitieren würden dann die USA und Kanada, die ursprünglich auf Rang zwei und drei lagen.
An dieser Stelle sei zudem auf einen Präzedenzfall aus der Leichtathletik verwiesen - obwohl verschiedene Sportverbände unterschiedliche Regeln haben. Im Jahr 2008 gewann die 4x100m-Staffel Jamaikas um Usain Bolt in Peking die Goldmedaille.

Jamaikas Olympia-Staffel von 2008 in Peking

Fotocredit: dpa

Im Jahr 2016 wurde Staffelmitglied Nesta Carter jedoch rückwirkend des Dopings überführt und der Olympiasieg aberkannt. In den Geschichtsbüchern wird seitdem Trinidad und Tobago als Staffel-Olympiasieger geführt.

Darf Kamila Valieva im Einzelwettbewerb starten?

Valieva wurde unmittelbar nach Veröffentlichung der positiven Probe von der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA gesperrt. Nach Einspruch der Athletin wurde die Sperre jedoch bereits am Mittwoch (9. Februar) wieder fallen gelassen. Das IOC und der Eislauf-Weltverband ISU gehen gegen diese Entscheidung in Berufung.
"Wir haben eine hundertprozentige Anti-Doping-Politik und werden Dopingfälle natürlich bis zum Ende verfolgen", sagte IOC-Sprecher Mark Adams am Freitag. Ob Valieva im Einzelwettbewerb starten kann, ist Stand heute (11. Februar) nicht sicher. Der internationale Sportgerichtshof CAS muss darüber bis zum Start des Wettbewerbs am 15. Februar entscheiden.

Was droht Valievas Entourage (Trainer, Ärzte)?

Um die Verantwortung mit dem Team eines Athleten zu teilen und die Menschen rund um den Sportler zu stärken, richtete das IOC die AEC (Athletes Entourage Commission) ein.
"Wir haben vor einiger Zeit erkannt, dass dies sehr, sehr wichtig ist", sagte IOC-Sprecher Mark Adams kürzlich. "Alle Menschen - die Trainer, Ärzte und alle rund um den Athleten - es ist wichtig, dass sie auch ihre Verantwortung tragen. Wir schauen uns nicht nur die Athleten an, die in diese Fälle verwickelt sind, wir schauen auch auf die Entourage."

Kamila Valieva

Fotocredit: Getty Images

Das ist im Fall Valieva besonders wichtig, weil sie mit 15 Jahren noch minderjährig ist. Ob, und wenn ja, welche Strafen nun auch den Trainern, Ärzten und weiteren Teammitgliedern Valievas drohen, ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht klar.
"In diesem speziellen Fall handelt es sich eindeutig um einen aktiven Fall", betont Adams. "Wir warten darauf, dass er vollständig aufgeklärt ist. Es wäre falsch, sich dazu zu äußern, gerade weil wir über eine Minderjährige sprechen. Ich denke, die Leute müssen vorsichtig sein mit ihren wilden Spekulationen."
Es sei "kaum notwendig, es noch einmal zu formulieren", so Adams, weist aber dennoch erneut auf die "100-prozentige Politik gegen Doping" hin, die das IOC fährt. Jeder Fall werde "natürlich bis zum Ende" verfolgt.
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