Olympia 1956: Tumulte um Paarläuferin Marika Kilius - das erst zwölfjährige Küken von Cortina begeisterte die Fans

Die Winterspiele von Cortina 1956 waren der erste Auftritt auf der Weltbühne für ein damals erst zwölfjähriges Eiskunstlauftalent, das zu einem der größten deutschen Sportstars der Nachkriegsjahrzehnte werden sollte: Marika Kilius. Ihr Olympiadebüt im Paarlauf sorgte für einen Eklat, der zum großen Aufreger der Wettkämpfe wurde.

Marika Kilius und Franz Ningel beim Training in Cortina 1956

Fotocredit: Getty Images

Von Ullrich Jansch
Das Olympia-Debüt von Marika Kilius stand eigentlich unter keinem guten Stern: Bei der EM, die drei Wochen vor den Winterspielen in Paris ausgetragen wurde, fiel sie im Training so unglücklich aufs Eis, dass sie sich das Steißbein anbrach: Antreten musste sie dennoch, denn es ging um die Qualifikation für Cortina.
Diese gelang und rund zwei Monate vor ihrem 13. Geburtstag begannen die Winterspiele - mit der Frankfurterin als jüngster Teilnehmerin. Größer als ihr fast 20-jähriger Partner Franz Nigel war sie aber bereits, der mit 158 cm zwar kleiner war, aber allemal die Kraft für alle Hebefiguren mitbrachte. Dennoch bot das Paar aus dem Eis ein ungewohntes Bild. Vor allem für die neun Preisrichter, die sich in der Kür der Paare entscheiden mussten, wer die Bronze-Medaille bekommen sollten: die beiden Deutschen oder Marianna und Laszlo Nagy aus Ungarn.
Vor 12000 Zuschauern im erstmals ausverkauften Eisstadion legten die ungarischen Zwillinge eine routinierte Darbietung vor. Kilius/Ningel liefen danach laut Einschätzung von Kommentatoren eine schmissige, gut choreografierte und sauber vorgetragene Kür, die einige Journalisten als die "Sternstunde" ihrer bisherigen Laufbahn bezeichneten.

Wurfgeschosse als Antwort auf Preisrichter

Als die Preisrichter ihre Noten zeigten und Nagy/Nagy mit einem Vorsprung von 0,05 Punkten auf Platz drei setzten, begann ein Proteststurm im Publikum. Die "FAZ" vom 4. Februar 1956 beschrieb ihn: "Zwei Minuten lang gellten nur Pfiffe und Pfuirufe. Dann flogen Apfelsinen, Äpfel, Zitronen, Papierknäuel über die Eisfläche. Zunächst versuchten Ordner, den unvermuteten Hagel zu entfernen; dann gingen die Punktrichter langsam in Deckung, und schließlich knallten im Schreien und Toben der Zuschauer Flaschen, Blechschachteln und abmontierte Aschenbecher von den Brüstungen der Ränge herunter. Carabinieri wurden herbeigeholt, weil die Männer mit den breiten Schaufeln, die die Fläche säubern sollten, nicht mehr gegen die Wurfgeschosse ankamen."  
Kilius und Nigel freuten sich zunächst über die Sympathie und Leidenschaft, die das vorwiegend italienische Publikum für ein eher unbekanntes Paar entfachte, flüchtete dann aber lieber in die Katakomben. Die Unterbrechung der Veranstaltung dauerte laut Protokoll 40 Minuten, brachte aber keine Resultatsänderung.

Kilius wird mit WM-Titeln zur Paarlauf-Ikone

Bei der WM einige Wochen später holten Marika Kilius und Franz Ningel in Abwesenheit der Geschwister Nagy Bronze, ein Jahr danach sogar Silber. Danach trennten sie sich als Eislaufpaar. Der Größenunterschied, der inzwischen bei 10 Zentimetern angelangt war, sei der einzige Grund gewesen, betonte Kilius immer wieder und nannte Ningel in ihrer Autobiografie einen "liebevollen großen Bruder", mit dem sie ein perfekt harmonierendes Sportlerpaar gebildet habe.
Beide gewannen mit jeweils neuen Partnern noch etliche Medaillen bei internationalen Meisterschaften und Olympischen Spielen. Kilius wurde mit Hans Jürgen Bäumler als Partner ausgerechnet in Cortina 1963 erstmals Weltmeisterin.
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Marika KIlius und Hans Jürgen Bäumler bei der WM 1963 in Cortina

Fotocredit: Getty Images

Insgesamt sechs EM-Titel, zweimal WM-Gold sowie Silber bei Olympia 1960 und 1964 machten Kilius zu einem der großen Sportstars und Idole jener Jahre, Schallplatten und Filme steigerten ihre Bekanntheit und Popularität weiter.
Im Jahr 2011 wurde sie gemeinsam mit Bäumler in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen - 55 Jahre nach den turbulenten Tagen von Cortina 1956.
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Olympia-Sternstunde: Die Gold-Kür von Savchenko/Massot 2018

Quelle: Eurosport


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