Olympia 2026 - Eiskunstlauf: Benoît Richaud erklärt, wie er 16 Schützlinge aus 13 Nationen gleichzeitig betreut
VonCorinna Horn
Publiziert 16/02/2026 um 16:34 GMT+1 Uhr
Kaum jemand ist bei diesen Olympischen Spielen so präsent wie Benoît Richaud. Wenn im Eiskunstlauf ein Programm beginnt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Franzose wenige Minuten später im Kiss-and-Cry-Zone sitzt - oft mit einer anderen Teamjacke als noch kurz zuvor. Der 38-Jährige betreut in Mailand 16 Athletinnen und Athleten aus 13 Nationen. Entsprechend häufig wechselt er die Jacken.
Hase/Volodin auf Goldkurs: Führung nach dem Kurzprogramm
Quelle: Eurosport
In den sozialen Netzwerken werden genau diese Szenen millionenfach geklickt. Hinter dem auf den ersten Blick kuriosen Spektakel steckt jedoch vor allem akribische Planung.
"Vom Morgen bis zum Abend ist alles millimetergenau organisiert", sagt Richaud im Gespräch mit Eurosport. Die Internationale Eislaufunion liefert frühzeitig alle relevanten Informationen, auf deren Grundlage er detaillierte Zeitpläne für seine Schützlinge erstellt. "Ich schicke den Ablauf an alle, damit sie genau wissen, was zu tun ist. Ich muss alles im Voraus planen - sonst ist es nicht zu bewältigen."
Der logistische Aufwand ist enorm. Mehrere Outfits liegen griffbereit im Athletenbereich, damit zwischen zwei Wettbewerben keine Zeit verloren geht. Verschnaufpausen? Gibt es kaum.
Der Tagesplan reicht von Aufwärmzeiten und Training über Busfahrten, Essensfenster und Physiotherapie bis hin zur unmittelbaren Wettkampfvorbereitung. Selbst kurze Momente nur für sich blockt Richaud bewusst im Kalender - damit er den Marathon auf dem Eis überhaupt durchhalten kann.
Kein Wunder, dass auch die deutschen Hoffnungsträger Minerva Hase und Nikita Volodin, die nach dem Kurzprogramm auf Goldkurs liegen, mit Richaud arbeiten.
Richaud zwischen Projektarbeit und Dauerbegleitung
Als aktiver Eistänzer blieb Benoît Richaud der ganz große Durchbruch verwehrt, er beendete seine Laufbahn früh. Seinen Ruf erarbeitete er sich anschließend als Choreograf mit international beachteten Programmen. Heute gilt er als einer der gefragtesten Kreativköpfe im Eiskunstlauf.
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Benoît Richaud schaut genau hin, wenn seine Schützlinge auf dem Eis sind
Fotocredit: Getty Images
Abseits der Wettbewerbe ist die Zusammenarbeit der Aktiven mit Richaud unterschiedlich intensiv. Für manche Athletinnen und Athleten entwickelt der Franzose ausschließlich die Choreografie - eine Art "One-Shot", der später nur noch per Video feinjustiert wird. Andere begleitet er über die gesamte Saison hinweg. Wieder andere kommen für zwei bis drei Wochen, um Programme aufzubauen und sie im weiteren Verlauf gezielt zu verfeinern.
Nicht bei allen steht der 38-Jährige im Wettkampf auch an der Bande. Ob er vor Ort ist, entscheiden die Sportlerinnen und Sportler gemeinsam mit ihren Trainerteams.
- Eiskunstlauf bei Olympia 2026: Ergebnisse und Zeitplan
Dass mehrere seiner Läuferinnen und Läufer im selben Wettbewerb antreten, sorgt regelmäßig für Diskussionen. Vergleiche untereinander? Für Richaud wenig sinnvoll. "Niemand ist gleich. Jeder bewegt sich anders, jeder hat andere Fähigkeiten, Empfindungen und Emotionen."
Interessenkonflikt? Richaud sagt nein
Trotz seiner erkennbaren Handschrift entstehe eine große stilistische Bandbreite - von zeitgenössischen Programmen über Jazz bis zu Pop- oder Filmsoundtracks. "Es gibt so viel Musik, Kostümideen, Bewegungen, Tänze und Dinge, die man machen kann ... dass es eigentlich unbegrenzt ist. Dadurch wirkt es nicht wie ein Klon oder ein Roboter."
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Benoît Richaud muss bei Olympia in viele Jacken und Rollen schlüpfen
Fotocredit: Getty Images
In sozialen Netzwerken wird dennoch über mögliche Interessenkonflikte spekuliert, weil Richaud zahlreiche Spitzenläufer gleichzeitig betreut. Er verweist auf Parallelen zu anderen Sportarten: "Auch im Schwimmen trainieren Coaches mehrere Champions."
Der Eiskunstlauf sei trotz direkter Konkurrenz eine enge Gemeinschaft, sagt Richaud. Seine Athleten verstünden sich gut, unterstützten sich gegenseitig und lernten voneinander. Entscheidend sei für ihn nur eines: "Die Menschen müssen sehen, dass ich mein Maximum gebe. Wenn ich nicht 100 Prozent geben könnte, würde ich nicht mit jemandem arbeiten."
Eiskunstlauf, so Richaud, sei für ihn längst mehr als ein Beruf - es sei sein Leben.
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