Holitschenko standen die Tränen in den Augen, ihr Partner Darensky musste schlucken, immer und immer wieder. 5500 Zuschauer in der Arena von Montpellier standen für die beiden Paarläufer aus der Ukraine auf, der Beifall wollte nicht enden.
Und dabei wusste kaum ein Besucher, was das Duo aus Dnipro auf sich genommen hatte, um sein vom Krieg schwer getroffenes Heimatland bei den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften zu repräsentieren. Denn vor dem gerade einmal 170 Sekunden langen Auftritt in der südfranzösischen Metropole stand eine sechstägige Odyssee.
"Wir haben viel Unterstützung bekommen. Wir sind nach Rumänien ausgereist, dann nach Italien und von dort über Polen nach Frankreich", beschrieb Holitschenko den irren Zick-Zack-Kurs durch Europa. Wie schon in den ersten Kriegswochen war da an Training nicht zu denken, die erste Übungseinheit auf dem Eis seit Olympia in Peking fand in Montpellier statt.
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Aber das sportliche Resultat spielte für die EM-15. nur eine untergeordnete Rolle. "Wir waren für die WM qualifiziert und wollten der Welt zeigen, dass wir stark sind und für unser Land kämpfen", sagte Darensky. Dafür erhielt der 20-Jährige auch eine Sondergenehmigung zur Ausreise, eigentlich dürfen Männer im wehrpflichtigen Alter derzeit die Ukraine nicht verlassen.

Heimkehr in Ukraine ist ungewiss

Aber auch der Paarlauf ist keine ganz ungefährliche Sportart und so beschlossen Holitschenko und Darensky, nach dem 13. Platz im Kurzprogramm zur Medaillenentscheidung nicht mehr anzutreten. Besonders der erst 17 Jahre alten Holitschenko war das Risiko bei den gewagten Hebungen und Würfen zu groß: "Für unsere Kür sind wir einfach nicht gut genug vorbereitet."
Ob und wann die Schützlinge von Trainerin Lilija Batutina nach Dnipro, dem früheren Dnjeprpetrowsk, zurückkehren können, sie wissen es nicht. Was sie aber wissen: Nach dem Ende der Welttitelkämpfe in Frankreich ist es mit der Hilfe für das Paar nicht vorbei.
Ein Eislaufklub im polnischen Torun hat angeboten, die beiden Sportler bis auf Weiteres zu beherbergen. Aber auch von dort sind es noch mehr als 1500 Kilometer nach Hause.
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(SID)

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