24h am Nürburgring: Max Verstappen träumt vom Gesamtsieg - Hans-Joachim Stuck über Formel-1-Zukunft des Superstars

Gemeinsam mit drei weiteren Piloten teilt sich Max Verstappen am 16. und 17. Mai das Cockpit des Mercedes-AMG GT3 Evo beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring. Laut Hans-Joachim Stuck, der das legendäre Rennen in der Eifel dreimal gewinnen konnte, hat der niederländische Superstar beste Aussichten auf den Gesamtsieg. Seine Teilnahme geht zudem Hand in Hand mit seiner Zukunft in der Formel 1.

Max Verstappen tritt beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring an

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Nach dem Grand Prix von Miami, bei dem sich Max Verstappen trotz eines Zwischenfalls in der ersten Runde immerhin den fünften Platz erkämpfte, legt die Formel 1 eine dreiwöchige Pause ein. Bis zum Wochenende auf dem Circuit Gilles-Villeneuve in Montreal (22. bis 24. Mai) legt der Niederländer aber nicht die Füße hoch.
So feiert der viermalige Weltmeister am 16. und 17. Mai sein Debüt beim 24-Stunden-Rennen am berüchtigten Nürburgring. Auf der Nordschleife sorgte er bereits im vergangenen Jahr für Schlagzeilen, nun will Verstappen auf der gesamten Strecke nachlegen.
An der Seite des erfahrenen Lucas Auer sowie von Dani Juncadella und Jules Gounon hat Verstappen vielversprechende Aussichten auf den Sieg in seinem Mercedes-AMG GT3 Evo.
"Natürlich kann immer etwas passieren, ein anderer Fahrer in seinen Wagen krachen oder er selbst einen Fehler machen. Aber die Chancen stehen sehr, sehr gut", meinte Motorsport-Legende Hans-Joachim Stuck im exklusiven Interview mit Eurosport.
Der 75-Jährige triumphierte einst selbst dreimal bei jenem 24-Stunden-Showdown (1979, 1998, 2004), wobei ihm auch ein Meilenstein gelang, welchen Verstappen nun anpeilt: ein Sieg beim Debüt.

Verstappen und seine zwei Gesichter

Für den 29-Jährigen stellt der Ausbruch aus der Formel 1 eine willkommene Abwechslung dar. Mit den Reglementänderungen kommt Red Bull bislang noch nicht zurecht, mit den Spitzenleuten vermag Verstappen im Rennen noch nicht mitzuhalten.
"Bei Max merkt man, dass er mit der aktuellen Situation nicht glücklich ist", analysierte Stuck. Am Nürburgring habe der Ausnahmefahrer aber "seine perfekte Spielwiese: Keine großen Auslaufzonen und hinter der Strecke folgen zwei Meter Gras bis zur Abgrenzung. Verstappen sucht die Herausforderung, er braucht den Anspruch."
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Max Verstappen grübelt zurzeit öffentlich über seine Zukunft

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Seinen alltäglichen Frust in der Königsklasse des Motorsports, den er bereits in der vergangenen Saison immer wieder zum Ausdruck gebracht hatte, kann er in der Eifel endlich ausblenden.
"Und eines ist klar: Am Nürburgring läuft er mit dem breiten Grinsen herum, das er in der Formel 1 mittlerweile vermissen lässt", meinte Stuck. "Er will seine Persönlichkeit auf der Strecke ohne unnötige technische Grenzen ausleben. So wie die Formel 1 zurzeit aufgebaut ist, ist das aber keinem Fahrer mehr möglich."

Verstappen stoßen Reglementänderungen sauer auf

Damit bezog sich Stuck auf die neue Ära, welche in der Formel 1 mit dem überarbeiteten Reglement eingeläutet wurde. Bislang stößt sie jedoch auf wenig Gegenliebe. "Heute wird nicht mehr mit Mut und Risiko überholt, sondern nur noch mit Energie", sagte Stuck.
Die Energieverwaltung auf der Strecke ist ein zentrales Element in der modernen und um Nachhaltigkeit bemühte Formel 1, brachte den Sport aber auch um seine vielseitige Spannung auf dem Asphalt.
"Das wäre dasselbe, wie wenn man beim Hahnenkammrennen in Kitzbühel auf Mausefalle, Hausbergkante und Traverse verzichtet und einfach nur noch geradeaus fährt", beschrieb Stuck den Kern des Problems. "Da schaut man doch mit Freude auf andere Motorsportarten, wo es noch richtig zugeht bei den Duellen auf der Strecke."
Ein Umstand, der auch schon manchem Fahrer sauer aufgestoßen ist - unter anderem Verstappen. "Wenn ihm das nicht mehr taugt, traue ich ihm zu 100 Prozent zu, dass er hinschmeißt", so der dreimalige Gesamtsieger der 24h von Le Mans. "Max geht es darum, Rennen zu fahren und dabei Spaß zu haben. Also bin ich mir sicher, dass er die Reißleine zieht, wenn das nicht mehr gegeben ist."

Red Bull muss Risiko bei Verstappen akzeptieren

Angesichts dieser Spekulationen wird Verstappen vor allem in den Sozialen Medien vorgeworfen, das sinkende Schiff Red Bull als Kapitän verlassen zu wollen. Von einer solchen Interpretation der Sachlage will Stuck nichts wissen.
"Man muss sehen, was Max mit Red Bull erreicht hat - und vor allem welche Höhen Red Bull dank ihm erreicht hat", ordnete der ehemalige Formel-1-Pilot ein. "Zwischen den beiden herrscht eine riesige Gegenseitigkeit. An diesem Punkt sich jetzt zu trennen, wäre vollkommen nachvollziehbar."
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Max Verstappen und Red Bull haben sich gegenseitig zu einzigartigen Höhenflügen verholfen

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Verstappens Vertrag läuft zwar bis Ende 2028, offenbar muss sein Rennstall aber alle Register ziehen, um sein Aushängeschild mindestens bis dahin von einem Verbleib zu überzeugen. Die ungewöhnliche Entscheidung, den viermaligen Weltmeister mitten in der Saison am Nürburgring starten zu lassen, ist eine logische Konsequenz.
"Einerseits ist es für mich schwer nachvollziehbar, dass sie ihm diese Ausflüge gewähren. Die Umstände sprechen aber eine klare Sprache", so Stuck. "Zu meinen Zeiten wäre so etwas nie möglich gewesen. Red Bull ist sich aber bewusst, was sie an Verstappen haben, und muss ihn daher auch bei Laune halten."
Sollte der sechsmalige Konstrukteursweltmeister in seiner misslichen Lage auch Verstappen verlieren, "wäre das eine Katastrophe. Wenn er also mit einem solchen Wunsch also an Red Bull herantritt, tun sie gut daran, ihm diesen zu erfüllen."

Stuck: Mit Pommes und Cola am Nürburgring

Jedenfalls erwarten Verstappen einzigartige Erfahrungen in der Eifel. Stuck selbst erinnert sich gern an sein Debüt, welches er im Alter von 19 Jahren gegeben hat.
"Das waren schon Geschichten damals. Man stelle sich nur mal vor: Wir hatten nicht einmal Sicherheitsgurte", blickte er zurück.
Zusammen mit seinem deutschen Teamkollegen Clemens Schickentanz bildete er ein bärenstarkes Gespann - unter heute kaum vorstellbaren Umständen. "Wir hatten keinen Physio bei uns oder auch keinen eigenen Wohnwagen", so Stuck. "Wir saßen einfach in der Box, tranken Cola und aßen Pommes. So hat unsere Auszeit ausgesehen. Aber wir hatten unheimlichen Spaß am Fahren."
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Quelle: SNTV


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