Am deutlichsten äußerte sich Vettel, als er vom englischen "Sky" gefragt wurde, ob er glaube, Ferrari setze identische Fahrzeuge für ihn und Charles Leclerc ein. Kurz schwieg er dazu. Dann sagte er: "Ich weiß es nicht. Ich denke ... es gibt etwas, das ich übersehe. Ich bin aber nicht sicher, was es ist."

Vettels aktuelle Form ist "ein Fragezeichen"

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Er könne sich seine anhaltende Formschwäche in Qualifying und Rennen jedenfalls nicht erklären, betont er auf Nachfrage des italienischen "Sky". Dort meinte Vettel, nach Platz zwölf in Silverstone: "Hinter uns liegen sehr schlechte zwei Wochen. Ich habe keine Ahnung, was mit der Pace passiert ist."
Es sei alles "ein bisschen seltsam und etwas frustrierend", so bekundete Vettel. "Ganz ehrlich: Ich glaube, ich war in beiden Rennen in Silverstone genau gleich schnell. Ich glaube nicht, dass es eine Verbesserung gab. Mein Gefühl war etwas besser, aber die Leistung genau gleich."

Sebastian Vettel von Ferrari

Fotocredit: Getty Images

Warum er mit dem SF1000 nicht schneller fahren könne, das sei "ein Fragezeichen", so sagte Vettel weiter, "aber ich kann nichts dagegen tun. Ich muss weiter versuchen, mein Bestes zu geben und möglichst ruhig zu bleiben."
Letzteres war ihm im 70-Jahr-Jubiläumsrennen der Formel 1 nicht gelungen, von Anfang an nicht. Zwar war Vettel von P11 kommend ordentlich gestartet, aber schon in Kurve 1 kippte sein Rennen: Nach einem offenbar selbst verschuldeten Dreher fuhr Vettel dem Feld als Letzter hinterher.

Silverstone: Vettel erklärt Dreher in Runde eins

Was war geschehen? "Ich bin nicht ganz sicher", sagte Vettel bei "Sky" und "RTL". Er schildert die Szene aus seiner Sicht: "Ich hatte einen sehr guten Start, auch auf dem härteren Reifen. Dann konnte ich nicht wirklich irgendwo hin in der ersten Ecke."
"Ich habe versucht, mich aus allem rauszuhalten. [...] Entweder war es der Randstein oder ein Auto von hinten, [aber] ich hatte einen Schlag bekommen und habe urplötzlich das Heck verloren."
Dabei hatte Vettel noch Glück im Unglück: Bei seinem Dreher verfehlte er das Fahrzeug von McLaren-Fahrer Carlos Sainz nur knapp und traf auch sonst keine nachfolgenden Autos.

Sebastian Vettel (Ferrari) - Silverstone

Fotocredit: Eurosport

Trotzdem hatte er einen "Schaden", nämlich einen gewaltigen Rückstand. "Da war natürlich schon sehr viel Zeit verloren", meint Vettel. Er sei dann aber "überraschend schnell" wieder an das Feld herangefahren.
Es blieb aber turbulent für Vettel, weil er in Runde 22 zum Reifenwechsel an die Box geholt wurde - eine Entscheidung, die er nicht nachvollziehen kann. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich vor Ferrari-Kollege Leclerc, den Ferrari bereits in Runde 18 mit frischen Reifen versorgt hatte. Vettel lief also Gefahr, den mit neuen Pneus bestückten Leclerc aufzuhalten.
Er selbst sah die Szene aber ganz anders und meinte, ihn per Boxenstopp aus dem Weg zu nehmen, das widersprach einer zuvor getroffenen Abmachung. "Wir hatten genau über die Situation gesprochen, wenn es genau dazu kommt, das nicht zu machen. Und wir haben das dann gemacht."

Vettel: "Nach dem ersten Stopp war alles Quark"

Für ihn sei das "natürlich ein bisschen ... frustrierend" gewesen, sagte Vettel. Deshalb die deutliche Kritik per Funk. "Ich bin überrascht worden", so meinte er. "Keine Ahnung, was man sich an der Boxenmauer gedacht hat."
Im Cockpit wisse er natürlich nicht über alles Bescheid, was sich auf der Rennstrecke tue. "Aber von da an", so sagte Vettel, "nach dem ersten Stopp, war dann [alles nur noch] Quark."
"Ich denke, ich hatte noch genug Speed, um draußenbleiben zu können. Die Gruppe, auf die ich aufgelaufen bin, fuhr genau die gleichen Zeiten wie ich mit den alten Reifen vorher. Es gab also keinen Grund zum Reinkommen."
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Und Vettel weitete seine Kritik an Ferrari noch weiter aus, denn in Runde 33 holte man ihn erneut zum Reifenwechsel an die Box. "Das ergab keinen Sinn", sagte Vettel. "Warum den harten Reifen für zehn Runden nehmen und danach den Medium für 20? Am Ende gingen meine Reifen in die Knie."
Er sehe ein, dass die Startrunde mit seinem Dreher das Rennen beeinträchtigt habe, aber "von da an haben wir heute, glaube ich, keinen guten Job gemacht, was die Strategie angeht".
Formel-1-Experte Ralf Schumacher aber widersprach Vettel bei "Sky" und meinte, Ferrari habe sehr wohl Grund gehabt, Vettel an die Box zu holen, "weil eines ist klar: Er war zu dem Zeitpunkt langsamer als Charles Leclerc. Charles kam von hinten."

Schumacher: Vettel muss zur Einsicht kommen!

Ferrari habe in dieser Situation zwei Möglichkeiten: "Entweder sagst du, Sebastian, fahr rüber. Dann verliert er auch Zeit. Und ich bin mir nicht sicher, ob Sebastian das gemacht hat. Die galanteste Version ist, ihn reinzuholen. In die Situation hat er sich nun mal selber gebracht."
"Deshalb muss ich sagen: Es ist sehr schade, wieder, dass er das so sieht und dass er das nicht in Ruhe mit dem Team bespricht", meinte Schumacher. "Ich bin mir ziemlich sicher: Wenn er alle Informationen sieht, wird er auch anders darüber denken."
Der Dreher am Start gehe ebenfalls auf Vettels Kappe, es "sieht nach einem Fehler von ihm aus", erklärte Schumacher. "Er hat Angst davor, zu kollidieren, und ist auf den Randstein drauf. Etwas too much. Er fährt viel zu spitz rein und dafür gibt es eigentlich keine Notwendigkeit. Dann bricht das Auto ganz komisch aus."
"Ich kann es mir fast nur erklären, dass auf dem Randstein etwas passiert ist. Er dreht sich aber fast wie von alleine, nicht absichtlich, aber ..." Schumacher vollendete den Satz nicht, fügt dann aber hinzu: "Es sieht natürlich wieder sehr unangenehm aus für ihn. Sagen wir es mal so."
Auf die Frage, ob Vettel in dieser Form und mit solchen Fehlern überhaupt die Chance bekommen werde, die Saison 2020 zu Ende zu bringen, sagte Schumacher dann: "Das kommt darauf an. Wenn er so weitermacht, dann natürlich nicht."
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