Lewis Hamilton griff sich immer wieder fassungslos an den Helm und feierte seinen sechsten WM-Titel stilecht mit ein paar Donuts auf dem Circuit of the Americas. Auch wenn er den Sieg beim Großen Preis der USA nach zähem Ringen seinem im Titelkampf endgültig geschlagenen Teamkollegen Valtteri Bottas überlassen musste, konnte der Mercedes-Star sein Glück kaum fassen. Sebastian Vettel gratulierte seinem Dauerrivalen noch vor der Siegerehrung, das Rennen des Ferrari-Stars war da längst beendet.

Lewis Hamilton gerührt

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"Das hast du mit viel Stil zu Ende gebracht, Lewis, Champion der Welt", funkte die Box an einen sichtlich emotionalen Hamilton, der nach der Zieldurchfahrt das Visier hochklappte und mit der Hand seine Augen bedeckte.

"Still we rise, Jungs", sagte der alte und neue Weltmeister, der das Tattoo "Still I rise" (Ich wachse immer noch) seit Jahren auf dem Rücken trägt. Angesprochen auf die immer näher rückende Titel-Rekordmarke des siebenmaligen Champions Michael Schumacher erklärte er:

Es ist überwältigend. Ich wollte mir mit der Einstopp-Strategie noch den Sieg holen, aber das ist jetzt egal. Meine Eltern sind hier, ihre Lebenspartner, viele Freunde. Mein Vater sagte mir, als ich ein Kind war, dass ich niemals aufgeben soll.

Bottas: "Habe alles gegeben für den Titel"

Bottas, der die WM-Entscheidung nicht mehr bis zum vorletzten Saisonrennen in zwei Wochen in Brasilien aufschieben konnte, erklärte: "Ich habe alles gegeben für den Titel. Großes Kompliment an Lewis. Ich habe mein Ziel leider verfehlt, aber ich nehme im nächsten Jahr einen neuen Anlauf."

Der Finne überholte Hamilton in der fünftletzten Runde in Austin/Texas und tröstete sich mit seinem siebten Formel-1-Erfolg über den Verlust seiner Restchance im Titelkampf hinweg. Rang drei ging an Red-Bull-Pilot Max Verstappen (Niederlande).

Ferrari erlebte auf dem Circuit of the Americas hingegen einen schlimmen Rückfall in vergangen geglaubte Zeiten. Sebastian Vettel schied früh aus, Charles Leclerc belegte mit riesigem Abstand auf das Spitzentrio nur Rang vier.

Ferrari verpasst Podium

Ausgerechnet am 50. Geburtstag von Teamchef Mattia Binotto verpasste die Scuderia erstmals seit Mitte Mai in Barcelona das Podium.

Bereits ein achter Rang hätte Hamilton gereicht, um aus eigener Kraft das halbe Dutzend voll zu machen und bis auf einen Titel an Rekordchampion Michael Schumacher heranzurücken. Doch der nur von Rang fünf gestartet Brite ging ins Risiko und wurde beinahe belohnt.

Vettel hingegen hatte bereits eine katastrophale erste Runde, in der er von Startplatz zwei aus vier Ränge verlor. "Ich habe einen Schaden. Ich weiß nicht, wo er herkommt. Ich habe niemanden berührt", funkte der Heppenheimer an die Box. In der achten Runde kam Vettel in Kurve acht weit nach draußen und erlitt einen Bruch der rechten Hinterradaufhängung.

Vettel rätselt - Hülkenberg auf Platz neun

"Es war ganz komisch, ich hatte am Start keinen Grip, musste viele Autos durchlassen, war bisschen angeschlagen, ausgangs Kurve neun über die Bodenwelle hat es dann einen Schlag getan", sagte Vettel bei "Sky":

Es ist zu vermuten, dass schon vorher ein Knacks drin war. Das ist natürlich bitter. Es ist ärgerlich, es ging immer noch um den dritten WM-Platz, aber ändern kann ich jetzt nichts.

Renault-Pilot Nico Hülkenberg (Emmerich), dessen Formel-1-Zukunft weiter in den Sternen steht, holte als Neunter immerhin zwei WM-Punkte.

Hamilton mit Top-Startphase

Gewinner des Frühphase des Rennens war Hamilton, der von sich fünf auf drei verbesserte und an Bottas sowie Verstappen dran blieb. Leclerc konnte dem Top-Trio nicht folgen, bei seinem Reifenwechsel patzte die Boxencrew desaströs.

An der Spitze holte sich Verstappen am Ende der 13. Runde neue Reifen, Bottas folgte im nächsten Umlauf. Hamilton blieb weiter auf der Strecke und wollte das Spitzenduo über die Strategie austricksen.

"Es wird schwierig mit nur einem Stopp", funkte sein Renningenieur Peter Bonnington an den 34-Jährigen.

Hamilton wollte nicht nur zum Titel cruisen

Der wollte aber nicht nur zum Titel cruisen, sondern das ganz große Stück vom Kuchen und riskierte viel. Das hat Gründe: Lediglich zwei seiner sechs WM-Titel machte Hamilton mit Siegen perfekt, 2014 in Abu Dhabi und 2015 in Austin.

2008, 2017 und 2018 genügten Hamilton in turbulenten Rennen Platzierungen fernab des Podiums - das war nicht gerade nach dem Geschmack des ehrgeizigen Briten, der dennoch im Vorfeld nach eigener Aussage gar nicht groß an den sechsten Titel denken wollte.

"Ich verwirkliche immer weiter Träume, von denen ich nie geglaubt hätte, dass sie wahr werden können. Ich fühle mich privilegiert, fünf Titel zu haben. Wenn ich den sechsten kriege, wäre das ziemlich unwirklich", hatte Hamilton in Austin erklärt.

(SID)

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