Lewis Hamilton muss sich für den Formel-1-Siegrekord im Wohnzimmer von Michael Schumacher strecken, Superjoker Nico Hülkenberg hat sich "aus der kalten Hose" bei seinem dritten Spontaneinsatz der Saison respektabel geschlagen. Die Kuriositäten beim ersten Formel-1-Wochenende auf dem Nürburgring seit sieben Jahren rissen auch am Qualifying-Tag nicht ab.

Am normalsten war noch das Abschneiden von Sebastian Vettel bei seinem Heim-Grand-Prix: Der viermalige Weltmeister belegte im Ferrari Rang elf und verpasste zum achten Mal im elften Saisonrennen den letzten Qualifying-Abschnitt. "Im Moment rechne ich mir nichts aus, ich lasse mich überraschen", sagte Vettel tonlos am "Sky"-Mikrofon.

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Die Pole Position machten wieder einmal die beiden Mercedes unter sich aus: Der Finne Valtteri Bottas behielt zum dritten Mal im elften Anlauf die Oberhand, WM-Spitzenreiter Hamilton (acht Saison-Poles) wurde Zweiter mit etwas mehr als zwei Zehntelsekunden Rückstand. Rang drei ging an den Niederländer Max Verstappen im Red Bull.

"Ich bin mir sicher, dass ich hier und da noch ein Zehntel hätte rausholen können", sagte Hamilton. Seine Motivation, beim Großen Preis der Eifel noch einen Platz gutzumachen, dürfte groß sein: Gewinnt der 35-jährige Brite am Sonntag (14.10 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de), stellt er mit 91 Siegen die Bestmarke von Rekordweltmeister Schumacher ein.

Hülkenberg: Vom Fernsehstudio auf die Rennstrecke

Die Schlagzeilen dominierte aber einer, der beim Aufstehen noch keinen Gedanken an Fahrzeugabstimmung und Zeitenjagd verschwendet hatte: Hülkenberg sprang überaus kurzfristig für den erkrankten Racing-Point-Stammpiloten Lance Stroll ein und qualifizierte sich "aus der kalten Hose" (O-Ton) ohne jeden Trainingsmeter für den 20. und letzten Platz. Zum Erreichen des zweiten Qualifying-Abschnitts fehlte ihm weniger als eine halbe Sekunde.

"Ganz ohne Vorbereitung ist es keine einfache Geschichte. Aber ich bin Rennfahrer, das ist mein Job. Da muss man so eine Chance beim Schopf packen", sagte er bei "Sky" und fügte mit Blick auf das Rennen an: "Man kann nicht die Eisenstangen mit der Hand brechen. Ich muss einfach mein Ding machen."

Eigentlich sollte Hülkenberg an diesem Wochenende bei "RTL" im Kölner Studio den Experten geben. Am Samstag gegen 11 Uhr klingelte in einem Cafe aber sein Handy, Hülkenberg stieg ins Auto und eilte zum gut 100 km entfernten Nürburgring, wo er den notwendigen Corona-Abstrich machte und negativ getestet wurde.

Der 178-malige Grand-Prix-Teilnehmer war bereits im August bei beiden Silverstone-Rennen eingesprungen, als Strolls mexikanischer Teamkollege Sergio Perez wegen seiner Corona-Erkrankung passen musste.

Der Kanadier Stroll fühlte sich laut Racing Point "nicht zu 100 Prozent wohl", er wird im weiteren Verlauf des Wochenendes wegen einer Magenverstimmung nicht mehr zum Einsatz kommen.

Mick Schumacher: Regern verhindert F1-Debüt

Höchst ungewöhnlich war es bereits am Freitag zugegangen: Die Uhr lief zwar zweimal von 90 auf 0 Minuten herunter, die Boxengasse blieb aber während der beiden Trainingseinheiten geschlossen, weil der Rettungshubschrauber wegen schlechten Wetters keine Starterlaubnis erhielt. Deswegen kam auch Mick Schumacher nicht zu seinem ersten Trainingseinsatz in der Formel 1, der Formel-2-Spitzenreiter hätte einen Alfa Romeo fahren sollen.

Am Samstag verfolgte der Sohn von Rekordweltmeister Michael Schumacher das Geschehen am Alfa-Kommandostand. Der 21-Jährige bleibt das gesamte Wochenende beim Team und will alles aufsaugen: "Ich kann an Meetings teilnehmen, das Innenleben von Alfa kennenlernen. Ich will so viel Input bekommen wie möglich."

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(SID)

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