GP von Abu Dhabi - Warum Max Verstappen nicht für Sergio Pérez bremsen wollte: "Wäre das fair gewesen?"

Sergio Pérez hat beim Rennen in Abu Dhabi nur den dritten Rang eingefahren und damit die Vizeweltmeisterschaft an Charles Leclerc verloren. Ob Max Verstappen mehr hätte unterstützen können? Zwischenzeitlich hatte Red Bull dem Niederländer eine Nachricht übermittelt, die vermuten ließ, er solle Leclerc ausbremsen. Doch dazu kam es nicht. Verstappen hinterfragte: "Ist das wirklich faires Racing?"

Max Verstappen und Sergio Perez von Red Bull

Fotocredit: Getty Images

Eine Aufforderung des Teams, über seinen Kopf hinweg, die Ferraris einzubremsen, habe es während des Rennens nicht gegeben, versichert Verstappen. "Das wäre aber auch", findet er, "eine schwierige Entscheidung gewesen."
Erstens, weil so sein 15. Saisonsieg gefährdet gewesen wäre. Und zweitens "hätte ich mich natürlich breit machen können, aber ist das wirklich faires Racing? Es wäre sicher nicht die schönste Art und Weise gewesen, eine Saison so zu beenden."
Verstappen-Fans applaudieren: Ein großer Sportsmann, der Ferrari nicht einbremsen und mit fairen Mitteln gewinnen will.
Kritiker halten dagegen: Als es vor einem Jahr um seine eigene WM-Position ging, hatte er keine Skrupel wegen des fairen Racings. Damals feierte er Pérez dafür, dass er Lewis Hamilton blockierte wie eine rollende Schikane, als "Legende".

War Red Bull zu wenig aggressiv?

Verstappen glaubt, dass Perez die inoffizielle "Vize-WM" ganz woanders verloren hat: "Es sah ja so aus, als würde 'Checo' genug aufholen, um noch ein Manöver zu versuchen. Aber dann verlor er ziemlich viel Zeit beim Überrunden von Pierre (Gasly) und Alex (Albon; Anm. d. Red.). Das habe ich auf den großen Screens gesehen."
Die Rekonstruktion der Rundenzeiten zeigt: Perez fuhr in Runde 56 im zweiten Sektor eine Zeit von 38,413 Sekunden und eine Rundenzeit von 1:29.446 Minuten. In Runde 55 hatte er im zweiten Sektor 38,431 Sekunden gebraucht, und für die ganze Runde 1:29.205 Minuten. Gasly kostete also weniger als die "Sekunde oder mehr", die Perez subjektiv wahrgenommen hat.
Perez versteht, dass der "halbe Teamkollege" in seinen eigenen Rad-an-Rad-Kampf vertieft war und deswegen nicht sofort zur Seite fuhr, sagt aber auch: "Unter normalen Bedingungen wäre das sicher eine Strafe für Pierre gewesen. Aber es war halt das letzte Rennen. Mir ist das jetzt egal. Ich will nur noch nach Hause und nicht mehr darüber diskutieren."

Start: Verstappen macht die Tür nicht auf

Es hätte auch noch andere Möglichkeiten für Verstappen gegeben, für Perez den "Wingman" zu machen. Etwa am Start, wo der Mexikaner schon fast auf gleicher Höhe war und sich ein Führungswechsel angeboten hätte. Verstappen hätte seinen Teamkollegen dann nach hinten abschirmen können.
"Im zweiten Stint war der Verschleiß auf dem Medium ziemlich hoch. Da hätten wir im Nachhinein betrachtet als Team vielleicht mehr für 'Checo' pushen können", räumt Verstappen ein. "Aber im Nachhinein sagt sich das immer leicht. Zu dem Zeitpunkt dachten wir ja, wir müssen die Reifen schonen."
Die Idee, dass er Perez auch hätte überholen lassen können, scheint Verstappen gar nicht erst in seinem Repertoire zu haben. Seiner Meinung nach hätte er aber um Runde 29 herum, als Perez mit den um fünf Runden älteren Reifen unmittelbar hinter ihm war, das Tempo etwas mehr anziehen können.

Perez: "Ich werde von Max aufgehalten"

Perez wurden von seinem Renningenieur jeweils vor Kurve 5 die Rundenzeiten von Verstappen und Leclerc durchgegeben, und als Leclerc in Runde 27 und 28 zweimal hintereinander um ein paar Zehntel schneller war, funkte Perez: "Ja, ich werde von Max aufgehalten."
Zu dem Zeitpunkt hatte er 2,2 Sekunden Rückstand auf Verstappen und 2,5 Sekunden Vorsprung auf Leclerc. In Runde 22, als Leclerc von seinem ersten (und einzigen Boxenstopp) wieder auf die Strecke kam, hatte der Abstand noch 7,2 Sekunden betragen.
"Ich war hinter Max, er auf einem Stopp, ich auf zwei, und da konnte ich meinen Stint nicht maximieren", bedauert Perez. "Wir haben nicht so gepusht, wie wir pushen hätten sollen. Und wir dachten, dass der Reifenverschleiß höher sein würde, als er letztendlich war. Sonst hätten wir in der Phase schneller fahren können."
Die Taktik von zwei Stopps auf einen umzustellen, "haben wir zwischenzeitlich diskutiert", räumt Perez ein. Leclerc fuhr 37 Runden mit dem Hard. Bei Perez wären es ohne zweiten Stopp 43 gewesen. Die hat Daniel Ricciardo im McLaren auch geschafft.
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