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GP von Australien: Carlos Sainz und sein verrücktes Leben - wie kann Ferrari diesen Piloten rauswerfen?
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Publiziert 24/03/2024 um 14:55 GMT+1 Uhr
Rund zwei Wochen nach seiner Blinddarm-OP hat Carlos Sainz beim Grand Prix von Australien nicht nur sein Comeback gefeiert, sondern Ferrari auch zum ersten Doppelsieg seit 735 Tagen geführt. Der Spanier bewies wieder einmal, dass seine Qualitäten weit über jene einer Nummer zwei hinausgehen. Sein bereits feststehender Abschied von der Scuderia wirkt dadurch immer mehr wie ein viel zu hohes Risiko.
20. Podium, dritter Sieg: Sainz drückt Australien Stempel auf
Quelle: Perform
Die Nostalgiker fühlten sich in längst vergangene Zeiten zurückversetzt. "Nicht schlecht für eine Nummer zwei", brummte einst Mark Webber nach seinem Triumph beim Grand Prix von Silverstone in den Boxenfunk. Knapp 14 Jahre nach dieser Anekdote aus der Teamrivalität zwischen dem Australier und Sebastian Vettel wiederholte sich das Szenario gewissermaßen.
Auf dem Albert Street Circuit schwang sich Carlos Sainz rund zwei Wochen nach seiner Blinddarm-OP zum dritten Mal in seiner Karriere zum Sieger auf, der erste Ferrari-Doppelsieg seit Bahrain 2022 geriet dabei aber fast schon in den Hintergrund.
"Manchmal ist das Leben verrückt", erklärte Sainz im Anschluss an das Rennen im offiziellen Siegerinterview. "Was zu Jahresbeginn passiert ist, dann das Podium in Bahrain, der Blinddarm, das Comeback und nun der Sieg. Es ist eine Achterbahnfahrt - aber ich liebe es."
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Obwohl es der 29-Jährige - diplomatisch wie man ihn kennt - zart und fein in einem Nebensatz versteckt hat, wurmt offensichtlich auch ihn die Frage: Wie konnte Ferrari diesen Sainz vor die Tür setzen?
Nur Sainz durchbricht Verstappen-Dominanz
Immerhin kam Sainz' Sieg keineswegs aus dem Nichts. Bereits in der Vergangenheit hatte er bewiesen, dass er in Führung liegend über die nötige Ruhe verfügt, den Sieg sicher heimzufahren. Sein Spitzname "Smooth Operator" findet seinen Ursprung in ebenjener Coolness, welche er nun auch in Australien wieder an den Tag legte.
Dies traf auch auf seinen sagenhaften Coup in Singapur im vergangenen Jahr zu, als er sich in der tropischen Hitze Indonesiens dank einer eigens ausgetüftelten DRS-Strategie gemeinsam mit Lando Norris (McLaren) die Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und George Russell vom Leib gehalten hatte.
Damals legte Sainz übrigens den Grundstein für eine Statistik, welche er in Melbourne fortführte. Seit Mai 2023 ist er der einzige Pilot neben Max Verstappen, der ein Rennen für sich entschied. Oder um es in den Worten von Webber zu halten: Nicht schlecht für eine Nummer zwei.
Doch trotz seiner Höhenflüge blieb Sainz bei Ferrari das große Rampenlicht bislang verwehrt, für ihn war stets nur ein Platz im Schatten von "Il Predestinato" Charles Leclerc vorgesehen. Die Ablösung durch Rekordweltmeister Lewis Hamilton wurde vor wenigen Wochen noch als romantische Krönung empfunden - nun gleicht sie einem fatalen Fehlgriff.
Sainz übt "süße Rache" an Ferrari
Mit Sainz trennt sich Ferrari nämlich von einem der kompaktesten Fahrer auf dem Grid, von einem Taktiker und Teamplayer - und gegebenenfalls auch Sieger. Damit also von einer Nummer zwei, nach der sich selbst Teams wie Red Bull oder Mercedes nur die Finger lecken konnten - bis jetzt.
Melbourne konnte an diesem Wochenende in einem noch so starken Rot erstrahlen, Sainz' Sieg hatte einen faden Beigeschmack. Als "süße Rache" bezeichnete die spanische "AS" den Erfolg, als kleine Rache am eigenen Arbeitgeber, der seiner Konkurrenz einen Piloten von Weltklasse in die Arme treibt.
Der Sieg "schadet sicher nicht" auf der Suche nach einem neuen Cockpit, konnte sich Sainz nicht verkneifen. Teamkollege Leclerc meinte sogar: "Ich bin mir sicher, dass viele viele Teamchefs mit Carlos sprechen."
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Carlos Sainz beim Grand Prix von Australien
Fotocredit: Getty Images
Sainz' designierter Nachfolger erreichte hingegen einen neuen Tiefpunkt. Nach 17 Runden löste Hamilton unfreiwillig ein virtuelles Safety-Car aus, als sein Mercedes wegen Motorproblemen ausrollte. "Ich denke, wir werden uns verbessern. Es ist aber schwierig, was die momentane Konkurrenzfähigkeit angeht", sagte Hamilton knapp.
Seit Dezember 2021 wartet der 39-jährige Hamilton übrigens auf einen Grand-Prix-Sieg, dem zehn Jahre jüngeren Sainz gelangen in diesem Zeitraum zumindest drei. Vermächtnis statt Perspektive und langfristigem Erfolg, so wirkt der Hamilton-Deal aus heutiger Sicht.
Sainz stößt Tür im WM-Rennen wieder auf
Nach drei von insgesamt 24 Rennen liegt Sainz auf Rang vier der Fahrer-Weltmeisterschaft, elf Punkte beträgt sein Rückstand auf den dreimaligen Weltmeister Verstappen.
Dass sich Sainz noch nicht im Glanz der WM-Führung sonnen kann, ist wohl einzig und allein dem Umstand geschuldet, dass er vor zwei Wochen in Saudi-Arabien ausgefallen war.
Doch damit wollte sich der Ferrari-Star nicht allzu lange beschäftigen, vielmehr gab er seinen Kollegen einen scherzhaften Tipp mit auf den Weg: "Ich würde allen Fahrern empfehlen, sich den Blinddarm entfernen zu lassen, dann fährt man scheinbar schneller."
Für 21 Rennen ist Ferrari von diesem ungewöhnlichen "Boost" noch Nutznießer, danach trennen sich die Wege von Sainz und der Scuderia. Dann geht der 29-Jährige womöglich als Nummer eins für einen noch unbestimmten Rennstall auf Punktejagd - und könnte im Titelkampf an Ferrari die nächste Rache üben.
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(mit SID)
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