Doch was führte dazu, dass Kimi Räikkönen seinen Renningenieur Julien Simon-Chautemps so energisch anblaffte?
Die Szene spielte sich nach dem Boxenstopp von Räikkönen in Runde 29 ab. Er sortierte sich anschließend auf P14 wieder ins Klassement ein und fragte sofort nach: "Wer liegt hinter mir?" Antwort: "Vettel, auf harten Reifen." So weit, so gut.
Simon-Chautemps unterrichtete ihn über die weiteren Abstände und, in Runde 33, über den Boxenstopp von AlphaTauri-Fahrer Yuki Tsunoda. Und dann hätte Räikkönen gerne eine Ansage, wie die Strategie für den restlichen Rennverlauf aussehen könnte. O-Ton: "Wenn wir nichts zu verlieren haben, dann kämpfe ich. Ich kann nämlich viel schneller, aber das machen die Reifen dann nicht mehr mit."
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Der Renningenieur wies Räikkönen darauf hin, dass niemand mehr an der Box erwartet werde und dass es jetzt ein "Reifenmanagement-Rennen" bis zur Zielflagge gebe. Räikkönen fragte nach: "Ja, aber sind wir auf Punkte aus oder nicht?" Antwort: "Natürlich!" Dann: "Welche Position erwarten wir?" Antwort: "P10. Russell vor uns muss noch an die Box."

Räikkönen zum Renningenieur: "You don't understand! Ich muss Druck machen"

Daraus zog Räikkönen den Schluss: "Okay, dann haben wir nichts zu verlieren und ich kann Druck machen, um [die anderen Fahrer] hinter mir zu halten." Doch Simon-Chautemps hatte einen Einwand: "Nun, du könntest einen Punkt für P10 verlieren. Ich melde mich wieder."
Im Anschluss folgte besagter Funkspruch, mit dem Räikkönen dem Renningenieur vorwarf, nicht die Gesamtsituation erfasst zu haben: "You don't understand!" Räikkönen erklärte daraufhin: "Ich muss versuchen, Druck zu machen, um sie hinter mir zu halten. Das mache ich. Und wenn die Reifen in die Knie gehen, dann ist das halt so, okay?" Antwort: "Okay."
Ergebnis: Räikkönen verfehlte als Elfter knapp die Punkteränge, weil er in Runde 37 die zehnte Position an Tsunoda verliert. Am Ende fehlen gut vier Sekunden auf P10.

Räikkönen nach verpasstem Punkt: "Es fehlte nicht viel, aber zu viel"

Räikkönens Fazit, noch am Funk: Er habe "keine Chance" gehabt, den gewünschten Punkt einzufahren. Nach dem Rennen fügte er bei "Ziggo Sport" hinzu: "Naja, was kann ich machen? Das Auto ist zu langsam."
Der Alfa Romeo C41 sei per se kein schlechtes Auto, sondern verhalte sich sogar "sehr gut". Aber: "Wenn wir die Reifen am Leben erhalten wollen, dann müssen wir wahrscheinlich etwas langsamer machen als die anderen. Es fehlte nicht viel, aber zu viel."
Gegen Tsunoda im AlphaTauri war Räikkönen tatsächlich chancenlos: Der Japaner holte seinen dreisekündigen Rückstand nach dem Boxenstopp binnen vier Runden auf und zog Räikkönen nach dem erfolgreichen Überholvorgang um bis zu acht Sekunden davon.

Räikkönen: "Wir müssen mehr Speed finden"

Und so sprach der frühere Formel-1-Weltmeister in der Nachbetrachtung davon, das Ergebnis sei unterm Strich "etwas enttäuschend" für Alfa Romeo. "Wir müssen mehr Speed finden. Da sitzen aber alle im selben Boot: Wir müssen die Reifen schonen, und dann kann man nicht kämpfen. Denn wenn wir aggressiv sind, dann gehen die Reifen in die Knie."
Das sei ein generelles Formel-1-Problem, aber auch eines, bei dem Alfa Romeo schlechter dastehe als andere Teams, behauptete Räikkönen weiter und meinte: "Das ist schon ärgerlich. Und ich weiß: Wenn ich Vollgas fahre, dann kann ich es nicht [mit den anderen Autos] aufnehmen, weil danach meine Reifen mehr abfallen als ihre."

Räikkönen sieht trotz Kritik Fortschritte: "Sind generell ein bisschen besser"

Er könne nur hoffen, dass es sich hierbei um ein streckenspezifisches Problem bei Alfa Romeo handle. "Das würde helfen", sagte Räikkönen.
Grundsätzlich sieht er Fortschritte gegenüber dem vergangenen Jahr: "Wir sind generell ein bisschen besser. Es ist nur enttäuschend, wenn du so nahe dran bist an Punkten, aber dann keine kriegst. Im nächsten Rennen versuchen wir also, etwas besser zu sein."
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