GP von Belgien: Traum vom WM-Titel strengstens verboten? Ferrari, Mercedes und die Erinnerungen an Kimi Räikkönen

Lewis Hamilton und Charles Leclerc haben Ferrari mit ihren Siegen in Barcelona und Silverstone neues Leben eingehaucht. Den Rückstand auf Andrea Kimi Antonelli und George Russell von Mercedes hat das Duo verkürzt, hier und da tauchen Gedankenspiele in Richtung Titel auf. Die Scuderia gibt sich in der Hinsicht noch diplomatisch - trotzdem werden Erinnerungen an einen gewissen Kimi Räikkönen wach.

Leclerc beendet Durststrecke in Silverstone

Quelle: Perform

Auf das Gedankenspiel Titelkampf reagiert der Teamchef von Ferrari noch sehr allergisch.
"Sind Sie taub?", entgegnete Frédéric Vasseur einem Journalisten auf der Pressekonferenz nach dem Grand Prix von Silverstone auf die Frage hin, wie hoch die Chancen der Scuderia in der Weltmeisterschaft seien. "Ich habe gesagt, wir benutzen dieses Wort nicht."
Seit nunmehr vier Wochen geistert durch die Königsklasse des Motorsports ein Gedankenspiel, welches die tiefroten Protagonisten nicht an sich heranlassen wollen: Hat Ferrari tatsächlich eine Chance auf den lang ersehnten WM-Titel?
Nach einem Saisonstart, der nicht dominanter von Mercedes geprägt hätte sein können, tut sich in der Tat ein Fenster auf. Zum einen leistet der traditionsreiche Rennstall hervorragende Arbeit, zum anderen lassen ausgerechnet die Silberpfeile die WM-Tür einen gefährlichen Spalt breit offen - und wecken dadurch Erinnerungen an 2007.

Drei Rennen, zwei Siege - und eine WM-Chance?

Die vergangenen Wochen hauchten Ferrari neues Leben ein. Lewis Hamilton raste Mitte Juni auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya zu seinem ersten Sieg in Diensten der Scuderia, drei Wochen später stand Charles Leclerc in Silverstone erstmals seit 2024 wieder ganz oben auf dem Treppchen.
Vor allem bei letzterem Triumph spielten die technischen Unzulänglichkeiten am Boliden des WM-Führenden Andrea Kimi Antonelli eine große Rolle, schlechtreden sollte man den Leclerc-Coup dennoch nicht.
Die Updates, die die Scuderia in den zurückliegenden eineinhalb Monaten hinsichtlich Power Unit, Downforce und Flügel eingeführt hat, ließen den Abstand zu Mercedes zuletzt deutlich schrumpfen und deuten auf eine Meisterleistung hin, die man in den vergangenen Jahren während einer Saison nicht unbedingt von Ferrari gewohnt war.
Trotzdem sprechen die nackten Zahlen weiterhin eine klare Sprache: Antonelli (179 Punkte) führt die WM-Wertung vor Teamkollege George Russell (154) an, dahinter folgen Hamilton (147) und Leclerc (108). Zudem entschieden die Silberpfeile sieben der ersten neun Rennen für sich.
Ein ausgeglichener Kampf um die Weltmeisterschaft sieht anders aus - oder?

Defekte und Probleme: Mercedes hadert mit sich selbst

Seit dem Grand Prix von Kanada kämpft Mercedes immer wieder mit technischen Problemen. In Montreal streikte der Motor von Russell, in Barcelona blieb derweil Antonelli aufgrund eines Defekts der Antriebseinheit ohne Punkte.
Ein ähnliches Schicksal ereilte den 19-jährigen Italiener auch in Silverstone.
Eine beschädigte Radabdeckung und ein nicht näher definierter Leistungsverlust beeinträchtigten seine Performance, außerdem erhielt er eine Fünf-Sekunden-Zeitstrafe wegen mehrfachen Ignorierens der Tracklimits. Das Resultat: Das zweite punktlose Rennen innerhalb von drei Grand Prix.
picture

George Russell ist beim Grand Prix von Kanada ausgeschieden

Fotocredit: Getty Images

Und Ferrari? Hamilton beeindruckte währenddessen mit einer imposanten Konstanz, der britische Rekordweltmeister stand in den letzten fünf Rennen nur einmal nicht auf dem Podium.
"Ferrari sieht wirklich schnell aus", meinte Russell in Silverstone zur neuesten Entwicklung an der Spitze der Formel 1. "Das Spiel ist also eröffnet, wir haben jetzt einen engen Kampf. Es geht nicht mehr nur um Kimi und mich."
Ausgerechnet dieser teaminterne Schlagabtausch dürfte aber Ferraris größte Hoffnung sein.

Antonelli vs. Russell: Wolff führt Verstappen-Regel ein

Zwischen Russell und Antonelli beginnt es nämlich allmählich zu rumoren.
Im Sprint von Montreal entgingen die beiden Silberpfeile bei einem besonders hart geführten Zweikampf nur knapp einem Crash, nach seiner Pole Position in Spielberg schoss Russell mit den Worten "Stai Calmo" (ital. bleib ruhig) einen Giftpfeil in Richtung seines neun Jahre jüngeren Teamkollegen.
Teamchef Toto Wolff kennt eine solche Dynamik nur zu gut. Exakt vor zehn Jahren entbrannte unter seiner Führung zwischen Hamilton und Nico Rosberg ein toxischer Showdown um den Titel. Eine Wiederholung will Wolff tunlichst vermeiden, weshalb er eine besondere Regel eingeführt hat.
Niemand Geringeres als Max Verstappen soll bei künftigen Rad-an-Rad-Duellen als Maßstab gelten. "Sie müssen sich fragen: Hätte Max dort Platz gelassen?", erklärte Wolff gegenüber "Sky Sports UK" die neue Herangehensweise. "Ich denke, es ist wichtig, dass sie entscheiden, wie sie gegeneinander fahren wollen. Das sind jetzt die Regeln und damit sind wir einverstanden."
Da die Antwort auf die erwähnte Frage normalerweise "Nein" lautet, sei dahingestellt, ob nicht doch Ferrari als größter Profiteur aus dem sich anbahnenden Drama herausgehen wird.

Kimi-Effekt? Erinnerungen an 2007 werden wach

So weit hergeholt ist das Gedankenspiel jedenfalls nicht. Hamilton und Leclerc harmonieren mit ihren Boliden deutlich besser als noch vor einem Jahr, dank der jüngsten Updates legte Ferrari auch auf den langen Geraden ordentlich zu.
Mit Blick auf die anstehenden Grand Prix von Belgien (17. bis 19. Juli im Liveticker) und Ungarn (24. bis 26. Juli im Liveticker) eine Entwicklung, die Gold wert sein könnte. Und auch die Geschichte lässt so manchen Fan träumen.
So gibt es nicht nur wegen der Spannungen bei der Konkurrenz eine Parallele zum Jahr 2007, als Kimi Räikkönen den bis dato letzten Fahrertitel für Ferrari erobert hatte. Die finnische Formel-1-Legende musste damals ebenso eine Aufholjagd aus dem Hut zaubern.
So lag Räikkönen nach neun Rennen 18 Punkte - auf das heutige Punktesystem umgerechnet 43 Zähler - hinter WM-Spitzenreiter Hamilton, sechs Punkte vor ihm lag Fernando Alonso. Bekanntlich zerfleischten sich die beiden McLaren-Piloten gegenseitig, im letzten Rennen der Saison schnappte Räikkönen ihnen den Titel vor der Nase weg.
19 Jahre später steht Hamilton auf der anderen Seite und liegt nach neun Grand-Prix-Wochenenden ebenso eineinhalb Rennsiege hinter der Konkurrenz - ein Omen für ein WM-Wunder?
Das Träumen überlässt Ferrari seinen Fans. "Wir blicken von Rennen zu Rennen", meinte Vasseur nüchtern. "Wir wissen, was wir tun müssen, um uns weiter zu verbessern. Der Rückstand auf Mercedes wird nicht über Nacht verschwinden."
Unter einem solchen Zugzwang steht Ferrari ohnehin nicht. 13 Rennen stehen in dieser Saison noch auf dem Programm, in Spa-Francorchamps können Hamilton und Leclerc am Sonntag den nächsten Schritt gehen. Und wer weiß: Vielleicht trägt Hamilton den Räikkönen-Zauber ja in sich.
picture

Massa über Verstappen: "Wird Team wechseln, wenn..."

Quelle: Perform


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung