Der Grand Prix von Deutschland 2019 auf dem Hockenheimring war eines der spannendsten und abwechslungsreichsten Formel-1-Rennen der vergangenen Jahre.
Zunächst hinter dem Safety-Car losgefahren, gab es für das 20-köpfige Feld dann noch einen stehenden Start. Im Verlauf der auf 64 Runden verkürzten Renndistanz gab es bei tückischen Bedingungen auf feuchter Piste zahlreiche Abflüge, Dreher und Boxenstopps. Am Ende setzte sich Max Verstappen (Red Bull) durch.
GP von Deutschland
Irres Regen-Rennen! Vettel vom letzten Platz aufs Podium bei Mercedes-Debakel
28/07/2019 AM 15:04
Seinen zweiten Saisonsieg nach dem Grand Prix von Österreich fuhr Verstappen mit 7,3 Sekunden Vorsprung auf den vom 20. Startplatz losgefahrenen Sebastian Vettel (Ferrari) ein. Verstappen selbst kam vom zweiten Startplatz, baute aber einen Dreher ein und war insgesamt fünf Mal zum Reifenwechsel an der Box.

Verstappen scherzt: 360-Grad-Dreher war "Show"

"Das Gefühl ist nach jedem Sieg anders, diesmal aber ganz besonders speziell", gesteht Verstappen, für den es der insgesamt siebte Sieg seiner Formel-1-Karriere ist. "Die Bedingungen waren äußerst knifflig. Man durfte sich nicht zu viele Fehler erlauben. Im Nachhinein könnte ich sagen, mein 360-Grad-Dreher war Show für die Zuschauer. Als er passierte, war das aber nicht so lustig."
Eben jener 360-Grad-Dreher passierte dem Niederländer ausgerechnet in der Mercedes-Arena vor den Augen zahlreicher Mercedes-Fans. "Es gab so gut wie keinen Grip", erinnert sich Verstappen, der zu diesem Zeitpunkt mit Medium-Slicks unterwegs war. Er selbst wollte Soft-Reifen haben, aber das Team gab ihm die Mediums. Vom Dreher erholte sich Verstappen aber und fuhr mit letztlich kühlem Kopf zum Sieg.
"Entscheidend war letzten Endes der Informationsaustausch zwischen mir und dem Team", sagt Verstappen.
Wir haben die richtigen Entscheidungen getroffen. Das hat uns den Sieg gebracht. Und als ich erst einmal vor den Mercedes lag, konnte man auch sehen, wie gut unsere Pace war.
"Während der ersten Runden hing ich hinter Valtteri [Bottas] in der 'Dirty Air', aber sobald ich einmal vorbei war, konnte ich ich die Reifen etwas mehr schonen und hatte überhaupt alles etwas besser unter Kontrolle", so der Red-Bull-Pilot.

Chaos-Rennen mit fünf Boxenstopps für den Sieger

Eigentlich schien der von der Pole-Position gestartete Lewis Hamilton auf dem besten Weg zum achten Saisonsieg zu sein. Doch in der 30. Runde kam er mit Slicks in Führung liegend in der vorletzten Kurve von der Piste ab und beschädigte sich beim Kontakt mit den Reifenstapel den Frontflügel. Dieser musste gewechselt werden. Zudem fing sich Hamilton eine Fünf-Sekunden-Strafe ein, weil er zu spät in die Boxengasse abbog. So übernahm Verstappen das Zepter.
In der 53. Runde legte Hamilton dann in der Nordkurve einen Dreher hin - konnte einen Crash im Gegensatz zu seinem vier Runden später an gleicher Stelle abgeflogenen Mercedes-Teamkollegen Bottas aber vermeiden. Letzten Endes wurde es für Hamilton trotzdem nur auf P11 ins Ziel.
Red-Bull-Teamchef Christian Horner kümmert die Mercedes-Pleite freilich wenig. Er staunt viel mehr darüber, wie es Verstappen mit fünf Boxenstopps zum Sieg gebracht hat. "Unglaublich! So ein Rennen gewonnen zu haben... Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Unsere beiden Fahrer waren neun Mal an der Box - allein Max war fünf Mal drin. Unglaublich!", so Horner gegenüber 'Sky Sports F1'.

Horner: "Haben einen Stopp verbockt"

"Von diesen fünf Stopps haben wir einen verbockt", gesteht Horner mit Blick auf den Wechsel auf Medium-Reifen, der zu Verstappens Dreher führte:
Wir haben die gelben Reifen aufgezogen, weil wir dachten, dass es diese Mischung braucht, um bis zum Ende durchfahren zu können.
Der Reihe nach: In der dritten Runde ließ Verstappen zunächst von Regenreifen auf Intermediates wechseln. In der 25. Runde kam es dann zum angesprochenen Wechsel auf Medium-Slicks. Nur vier Runden später aber, kurz nachdem sich Verstappen gedreht hatte, wurden erneut Intermediates aufgezogen.
Dieser Wechsel zurück gelang Red Bull, weil es aufgrund des Crashs des an zweiter Stelle liegenden Ferrari-Piloten Charles Leclerc in der 29. Runde die zweite von vier Safety-Car-Phasen nach Freigabe des Rennens gab. "Das gab uns die Gelegenheit, für den vorletzten Stint frische Intermediate-Reifen aufzuziehen", so Horner.
Mit diesen Intermediates fuhr Verstappen aber noch lange nicht ins Ziel. Denn in Runde 41 ließ er nochmals neue Intermediates aufziehen. Nur fünf Runden später kam er sogar zum Wechsel auf Soft-Slicks. Anlass für diesen fünften Stopp war der Crash von Renault-Pilot Nico Hülkenberg an dritter Stelle liegend an fast genau der gleichen Stelle, an der 17 Runden zuvor schon Leclerc abgeflogen war. Es war übrigens auch die Stelle, an der sich Hamilton eine Runde nach Leclerc in Führung liegend vertan hatte.
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