"Es war ein schwieriges Rennen. Ich hatte erwartet, etwas mehr Pace zu haben, aber uns schien gegenüber Carlos etwas zu fehlen", sagt Verstappen nach dem Rennen. Er hatte sich nach dem Start absetzen können, fand sich aber nach seinem zweiten Boxenstopp hinter Sainz wieder, der nur einmal an die Box kommen wollte.
"Ich war mir nicht sicher, ob ich die Lücke komplett hätte schließen können", gibt Verstappen zu, doch ein von Yuki Tsunoda ausgelöstes Safety-Car veränderte die Situation noch einmal komplett. Sainz fuhr an die Box und lag beim Neustart in Runde 55 direkt hinter Verstappen - mit sechs Runden frischeren Hard-Reifen.
In den folgenden 16 Runden bis zum Ziel entwickelte sich ein spannendes Duell um den Sieg. Doch Verstappen hatte Sainz dauerhaft im DRS-Fenster und machte sich Sorgen, ob er sich die ganze Zeit würde verteidigen können.
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Denn Ferrari schien im Rennen schneller zu sein und hatte eben den Vorteil der frischeren Reifen.

Marko lobt Sainz: "Geschickt gemacht"

"Wir haben von der Spitzengruppe die ältesten Reifen gehabt, und in Sektor zwei war der Ferrari sauschnell und dadurch ist der Max nicht aus dem DRS-Fenster gekommen", analysiert Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko gegenüber "Sky" das Duell. "Er (Sainz; Anm. d. Red.) hat das sehr geschickt gemacht, hat die Batterie geladen und ist dann mit voller Power gekommen."
Auf der langen Gegengeraden kam Sainz Verstappen dabei meist ziemlich nah, eine Chance ließ Verstappen seinem Gegner aber im Grunde nie. "Du musst natürlich sicherstellen, dass du an den Stellen einen guten Kurvenausgang hast, wo er DRS hat", erklärt Verstappen den Schlüssel.
"Es ging aber einfach darum, ans Limit zu gehen und dabei generell keinen Fehler zu machen", so der Niederländer. "Ich wusste: Selbst wenn ich in Sektor eins einen kleinen Fehler machen würde, dann würde Carlos eine Zehntelsekunde gewinnen, und das wäre vielleicht genug, um in der ersten DRS-Zone näher zu kommen und dann in der zweiten."
Doch Verstappen machte keinen Fehler, stattdessen übertrieb es Sainz ab und zu: "Gott sei Dank hat Sainz zweimal in der Spitzkehre leichte Verbremser gehabt. Also das hat uns das Leben etwas leichter gemacht", sagt Marko im '"ORF", "aber solche Rennen gehen an die Substanz".

Red Bull mit einigen Problemen

Denn bei Red Bull kam man zwischenzeitlich ganz schön ins Schwitzen. Der Funk fiel zeitweise bei Verstappen aus, und nach dem Ausfall von Sergio Perez musste man um die Zuverlässigkeit des RB18 bangen.
"Wohl fühlt man sich nicht", meint Marko, "aber wir haben genau die Temperaturen beobachtet." Stattdessen war man über die Bremsen besorgt, die in Kanada am Limit waren - und das schon in der ersten Phase des Rennens. Doch egal wie, es reichte für Verstappen, der an dem Duell eine Menge Freude hatte: "Es war gutes Racing. Es macht immer mehr Spaß, wenn du ein Formel-1-Auto wirklich pushen kannst, anstatt einfach nur Reifen zu sparen", lacht er.
Carlos Sainz hingegen wurde der erste Sieg in der Formel 1 wieder einmal verwehrt. Der Spanier wusste, dass er zumindest kleine Vorteile auf seiner Seite haben würde. "Aber zwei oder drei Zehntel reichen nicht, um einen Red Bull zu überholen. Du brauchst ein Delta von fünf oder sechs Zehntel, wenn du eine Chance haben möchtest, Max zu überholen", sagt er.
Daher habe der Ferrari-Pilot alles riskiert und sei einige Male hart über die Randsteine und nah an die Mauer gefahren. "Es gab ein paar haarige Momente in der Dirty Air. Ich kam ein paar Mal nah ran, aber es war nicht genug, um irgendwo einen Angriff auf der Innenbahn starten zu können", sagt er. "Ich kann euch aber sagen, dass ich gepusht habe."

Sainz: "Gibt mir Selbstvertrauen"

Somit wartet der Ferrari-Pilot weiter auf seinen ersten Sieg in der Formel 1, doch das heutige Rennen hat ihm Mut gemacht: "Im Vergleich zu Red Bull waren wir heute schneller", behauptet er. "Zum ersten Mal in dieser Saison kann ich sagen, dass ich auf der Strecke der Schnellste war. Das gibt mir Selbstvertrauen für die nächsten Rennen."
Das kann auch Max Verstappen nach dem sechsten Sieg im neunten Saisonrennen haben. Er hat seinem Team wieder einmal bewiesen, warum er Weltmeister ist und die WM anführt, weil er unter Druck fehlerfrei geblieben ist und abgeliefert hat. "Das ist heute etwas, was, glaube ich, nicht viele Piloten so hinlegen können", lobt Marko.
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