Formel 1 - die Lehren des GP von Barcelona: Lewis Hamilton riecht im Ferrari Blut, Mercedes schadet sich selbst

Lewis Hamilton erfüllt sich einen Kindheitstraum im Ferrari und "riecht Blut", wie Mercedes-Chef Toto Wolff nach dem Rennen analysierte. Die bislang so dominanten Silberpfeile wirken plötzlich angreifbar. Und bei Nico Hülkenberg und Audi darf man sich nach dessen eigentlich unglaublichen Ausscheiden so langsam Gedanken über einen möglichen Top-10-Fluch machen. Erkenntnisse aus Barcelona.

Lewis Hamilton hat in Barcelona seinen ersten Sieg im Ferrari gefeiert

Fotocredit: Getty Images

Der Rekordweltmeister zurück auf dem Thron, ein gestürzter WM-Favorit und ein Rennende, das selbst der so erfahrene Nico Hülkenberg noch nie erlebt hat.
Der Große Preis von Barcelona schrieb am Sonntag gleich mehrere Geschichten. Technische Probleme an seinem Mercedes machten aus dem WM-Führenden Kimi Antonelli einen Nebendarsteller - eine ähnliche Rolle hatte Fernando Alonso bei seinem möglicherweise letzten Heimrennen inne.
Viel wichtiger: Mercedes-Boss Toto Wolff muss spätestens seit Sonntag mal wieder ein genaueres Auge auf seinen früheren Fahrer Hamilton werfen.
41 Punkte Rückstand hat der Engländer aktuell auf Antonelli - und Wolff weiß, was es bedeutet, wenn Hamilton seine Chance wittert.
Die Erkenntnisse aus dem GP von Barcelona.

Hamilton feiert Ferrari-Premiere

Lewis Hamilton: Dass der Rekordweltmeister seinen ersten Sieg im Ferrari feierte, wurde durch die Verbindung in die Vergangenheit so richtig rund.
Genau 30 Jahre zuvor hatte Michael Schumacher, der andere Rekordweltmeister, seinen ersten Sieg im Ferrari gefeiert, ebenfalls in Barcelona. Damals folgte eine große Erfolgsgeschichte. Und wie wird es für Hamilton weitergehen?
Es sei zumindest "der erste Schritt in unserer Geschichte", sagte der Engländer, und in der könnte es durchaus auch um den WM-Titel gehen. Das Auto ist in diesem Jahr Schritt für Schritt besser geworden, und viel wichtiger: Hamilton fühlt sich wohl darin.
Und was das jetzt bedeuten kann, weiß man bei der Konkurrenz. "Wenn er Blut riecht, dann legt er los", sagte Toto Wolff, bei Mercedes einst Hamiltons Chef.

Interne Kämpfe bei Mercedes

Mercedes: Und letztlich reichte dieses eine Wochenende, um die Silberpfeile zu verwandeln. Sie waren drei Monate lang einsame Titelfavoriten, nun wirken sie plötzlich angreifbar.
Zum einen tut sich das Thema Zuverlässigkeit auf: Zweimal in kurzer Zeit konnten Russell und Antonelli nun ein Rennen nicht beenden, ein solches "DNF" hatte Hamilton in diesem Jahr noch nicht.
"Das darf nicht passieren, wenn du um eine WM fährst", sagte Wolff über die Ausfälle. Und zum anderen zeigte Barcelona exemplarisch, welches Problem sich für Mercedes auch ergibt.
Im Moment kämpfen beide Piloten um den Titel, auch gegeneinander, am Sonntag kostete sie dieses interne Duell Zeit im Mehrkampf mit Hamilton.

Hülkenbergs spezielles Aus

George Russell: Auch ein Blick auf den Engländer lohnt. Auf den ersten Blick ist er ein Gewinner des Sonntags - Antonelli fiel aus, Russell machte 18 Punkte auf den WM-Spitzenreiter gut. Doch moralisch hat ihn dieses Rennen wohl nicht weitergebracht.
Russell startete von der Pole Position, doch er war dann der langsamere Mercedes, bremste Antonelli aus und musste ihn irgendwann doch ziehen lassen. Eigentlich sollte dieses Wochenende ein Neubeginn werden, stattdessen deutet einiges darauf hin, dass er weiterhin kein Mittel gegen den Teenager im anderen Mercedes gefunden hat.
George Russell verpasste in Barcelona den großen Sprung

George Russell verpasste in Barcelona den großen Sprung

Fotocredit: Getty Images

Nico Hülkenberg: Vielleicht ist es ja wirklich ein Fluch. Vergangenes Wochenende verpasste Hülkenberg seine ersten Punkte im Audi aufgrund einer nach dem Rennen wirksamen Strafe. In Barcelona fuhr er nun wieder in den Top 10 - dann wirbelte ein Vordermann etwas Kies auf, und dieser Kies traf an Hülkenbergs Auto ausgerechnet einen eigentlich gut geschützten Not-Aus-Schalter.
Der Audi rollte in die Box und war aus dem Rennen. "Das ist mir in den 16 Jahren, in denen ich in der Formel 1 bin, noch nicht passiert", sagte der Deutsche.

Alonso nur Nebendarsteller

Fernando Alonso: Der Spanier hatte bei seinem wohl letzten Heimrennen in Barcelona so eine Vorahnung. "Ich bleibe hier und schaue das Rennen", sagte er auf der Fahrerparade bei den Fans: "Das ist besser als im Auto."
Dieses Auto, sein Aston Martin, gab später dann mal wieder den Geist auf, Alonso kam nicht ins Ziel. Hatte aber immerhin großen Einfluss auf das Rennen: Sein Ausfall sorgte für das Virtual Safety Car, welches Hamilton den Sieg deutlich einfacher machte.
(SID)
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Quelle: Perform


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