Las Vegas GP: Charles Leclerc attackiert Carlos Sainz nach missachteter Stallorder - "Er verarscht mich jedes Mal!"

Charles Leclerc hat seinem Frust nach dem vierten Platz beim Grand Prix von Las Vegas freien Lauf gelassen. "Er macht das immer, es ist respektlos, es ist immer das Gleiche", attackierte der Monegasse seinen Ferrari-Teamkollegen Carlos Sainz via Boxenfunk kurz nach dem Rennende scharf. Sainz hatte Leclerc nach seinem ersten Boxenstopp überholt und damit eine Anweisung des Teams missachtet.

Carlos Sainz und Charles Leclerc haben Redebedarf

Fotocredit: Getty Images

"Ich habe meinen Job gemacht, aber nett zu sein steht mir die ganze Zeit im Weg, die ganze verdammte Zeit", polterte Leclerc weiter, "und es ist nicht einmal Nettigkeit, sondern einfach nur Respekt. Ich weiß, dass ich die Klappe halten soll, aber es ist immer dasselbe."
Leclerc war von Platz vier ins Rennen gestartet und befand sich auf einem guten Weg, das Podium zu erklimmen. In Runde 32 fuhr der 27-Jährige an die Box und holte sich frische Reifen ab.
Nur wenige Momente nachdem er die Boxengasse verlassen hatte, zog Sainz an ihm vorbei, wodurch der Spanier gegen eine Anweisung des Teams verstieß. Sainz sollte nämlich aus taktischen Gründen seine Reifen schonen und seinen Kameraden nicht unter Druck setzen.
Leclerc ließ seinen Teamkollegen letztlich gewähren, sein Frust war jedoch groß. "Das ist mir scheißegal", reagierte er auf einen Beschwichtigungsversuch seines Renningeniuers Bryan Bozzi: "Ich weiß, dass ich nett sein muss, aber er macht das immer, er verarscht mich jedes Mal! Versuch es ihm auf Spanisch zu sagen, vielleicht versteht er es dann."

Leclerc motzt wegen Vize-WM

Auf die Konstrukteursweltmeisterschaft hatte das teaminterne Manöver freilich keinen Einfluss, im Kampf um die Vizeweltmeisterschaft hinter dem frisch gebackenen Champion Max Verstappen hat es hingegen Auswirkungen.
"Da kämpfe ich um den zweiten Platz. Und ich weiß, dass ich mich auf mich selbst verlassen muss", zitiert der "Corriere della Sera" den achtmaligen Grand-Prix-Sieger.
21 Punkte beträgt der Rückstand von Leclerc auf Lando Norris zwei Rennen vor Schluss. Ein dritter Platz hätte den Vorsprung des McLaren-Piloten auf 18 Zähler schmelzen lassen.
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Charles Leclerc und Carlos Sainz

Fotocredit: Getty Images

Sainz weicht nach Vorwürfen aus

Sainz zeigte sich angesichts der Vorwürfe eher zurückhaltend und beharrte darauf, die Geschehnisse von Las Vegas nicht vor den Kameras zu analysieren.
"Ich spreche nicht mit der Presse über diese Dinge, sondern direkt mit ihm", so der 30-Jährige, der in der kommenden Saison für Williams an den Start geht. Er erklärte: "Ich habe heute viel Zeit verloren, als ich darauf gewartet habe, wieder an die Box zu kommen. Es war keine einfache Situation, und ich ziehe es vor, sie in Ruhe zu analysieren."
Es ist nicht das erste Mal, dass die beiden aneinandergeraten - aller freundschaftlicher Social-Media-Clips von Ferrari zum Trotz.
Ein derartiger Wutausbruch seitens Leclerc stellt dennoch ein Novum dar. Sainz lässt das kalt: "Mit Charles ist es immer so: Wir kämpfen jedes Wochenende, wir sind immer nah dran und konkurrenzfähig. Und gleichzeitig schlagen wir unsere Rivalen."
Damit hat der 30-Jährige recht: In der Konstrukteursweltmeisterschaft machte Ferrari auf Spitzenreiter McLaren ordentlich Punkte gut. Zwei Grand Prix vor Schluss trennen die beiden Rennställe nur noch 24 Punkte.
Trotz der großen Chance auf den ersten Titel seit 16 Jahren hängt bei der Scuderia der Haussegen aber schief.

Vasseur schlichtet zwischen Leclerc und Sainz

Ferrari-Teamchef Frédéric Vasseur versuchte sich anschließend als Streitschlichter. "Es war offensichtlich ein bisschen ein Chaos. Aber wenn sie im Auto sitzen, haben sie natürlich jeweils ihre eigene Sicht. Aber keine Sorge, wir werden das heute noch diskutieren", erklärte er.
Laut Vasseur waren die Anweisungen an Sainz und Leclerc eigentlich klar formuliert. "Wir mussten verhindern zu kämpfen, am Beginn eines Stints musst du einfach sehr auf das Reifenmanagement achten, und Carlos war schon auf Runde drei oder vier seines Stints." Sainz handelte demnach auf eigene Faust und setzte über das Team hinweg.
Eine komplette Eskalation befürchtet Vasseur aber nicht. "Es ist immer die gleiche Geschichte: Sie geben ihre Kommentare (am Funk) ab, noch während der Runde. Aber sie haben nicht immer das volle Bild."
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Quelle: Eurosport


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