GP von Mexiko: Max Verstappen lässt den Sauhund raus - Hans-Joachim Stuck ordnet Duell mit Lando Norris ein
Update 29/10/2024 um 08:08 GMT+1 Uhr
Max Verstappen (Red Bull) und Lando Norris (McLaren) geraten im Schlussakt der Saison immer häufiger aneinander und gießen damit immer mehr Öl in das lodernde Feuer des Titelkampfes. Motorsport-Legende Hans-Joachim Stuck erklärt im exklusiven Interview mit Eurosport, dass in der Formel 1 nun andere Sitten vorherrschen. Zu viel erlauben darf sich Verstappen - wie in Mexiko geschehen - aber nicht.
Max Verstappen und Lando Norris liefern sich einen heißen Titelkampf
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Punkt um Punkt, Rad an Rad - das Titelrennen in der Formel 1 lässt die Herzen der Motorsportfans endlich wieder höherschlagen.
Grund dafür ist natürlich das stetig wechselnde Kräfteverhältnis zwischen McLaren, Ferrari und Red Bull, das in der Konstrukteurs-WM einen Dreikampf bewirkt hat. Aber eben auch die Kompromisslosigkeit mancher Fahrer.
"Jetzt herrschen andere Sitten", erklärte Hans-Joachim Stuck angesprochen auf die harten Duelle zwischen Weltmeister Max Verstappen und Lando Norris. Zwar sei ein Schlagabtausch wie in Austin oder Mexiko-Stadt das Salz in der Suppe, aber übertreiben dürfe man es nicht - vor allem Verstappen. "Kämpfen ist die eine Sache, aber das geht darüber hinaus", unterstrich Stuck.
Ein Ausfall oder ein Patzer beim Boxenstopp kann die Tür in der Weltmeisterschaft weit aufschlagen. Und laut Stuck dürfen daher auch die Ferrari-Fans ganz groß träumen.
Herr Stuck, Verstappen und Norris liefern sich ein hartes Duell nach dem anderen. Wie blicken Sie auf die Vorfälle in Austin und Mexiko-Stadt?
Hans-Joachim Stuck: Aktuell erleben wir einen anderen Geist in der Formel 1. In den vergangenen Jahren sind viele junge Fahrer aus anderen Kategorien dazugekommen und haben einen viel härteren und rücksichtsloseren Fahrstil mitgebracht. Das merkt man jetzt. Die 20-Sekunden-Strafe gegen Verstappen war gerechtfertigt. Gar kein Zweifel. Trotzdem muss am Regelwerk gefeilt werden, damit wieder für mehr Respekt auf der Strecke gesorgt wird. Kämpfen ist die eine Sache - aber das geht darüber hinaus.
Was wäre ein sinnvoller Eingriff?
Die Formel 1 ist anders geworden. Da sind echte Kämpfer dabei, die nichts anbrennen lassen. Das hat es lange nicht mehr gegeben. Jetzt herrschen andere Sitten. Es ist schön, dass es solche Kämpfe gibt, von den stinklangweiligen Jahren hatten wir genug. Nun muss man aber auch bei den Bestrafungen vernünftige Dinge anschieben. Daher halte ich es für wichtig, dass es bei den Stewards konstante Mitglieder gibt. Bislang muss man der FIA hier einen Vorwurf machen, weil auch die Entlohnung der Stewards alles andere als angemessen ist.
Ein Rennstall wechselt auch nicht jedes Rennen seine Mechaniker, sondern hat ein eingespieltes Team. Bei den Stewards muss das genauso sein - ein Team aus Menschen, die sich das ganze Jahr lang allein damit beschäftigen können. Bisher ist das noch nicht top-professionell.
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Max Verstappen hat in Mexiko eine 20-Sekunden-Zeitstrafe kassiert
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Als neutraler Beobachter möchte man meinen, dass Verstappen auf der Strecke die Nerven verliert. Muss er es aber in den letzten Rennen aber sogar wie einst Schumacher angehen und angesichts des schmelzenden Vorsprungs kompromissloser fahren?
Stuck: Das ist eine Frage der Einstellung. Eine gewisse Kompromisslosigkeit, Brutalität und Härte müssen einfach da sein - das weiß ich aus meiner eigenen Zeit. Sonst braucht man keine Rennen fahren. Zudem kennen die Fahrer sich alle untereinander. Wenn ich weiß, dass mich ein Verstappen attackiert, dann muss ich mit allem rechnen. Das ist das Salz in der Suppe. Es muss aber auf einem gewissen Niveau bleiben. In den vergangenen Wochen sind wir an einem Punkt angelangt, wo dich die Strecken zu solchen Manövern einladen. Und es wäre ja schade, wenn nicht in jedem ein gewisser Sauhund stecken würde. Sonst solltest du kein Rennfahrer sein. Wenn du jeden Tag zum Semmel holen fährst, hast du die Probleme nicht.
Es wirkt aber häufig so, dass sich Verstappen immer darauf verlässt, dass alle anderen Fahrer zurückziehen.
Stuck: Das geht natürlich nicht. Es ist ein spitzes Messer, auf dem man reitet. Gerade zum jetzigen Zeitpunkt lastet auf allen ein ungeheurer Druck auf allen. Da passieren manchmal solche Sachen.
Verstappen wirkte in den Interviews im Anschluss an das Rennen ungewohnt ruhig, innerlich brodelte es aber mit Sicherheit. Muss der Weltmeister das sinkende Schiff verlassen?
Stuck: Er war verdächtig ruhig. Vielleicht plant er ja schon etwas. Ich bin gespannt, wie es mit ihm weitergeht. Was ich nicht ausschließen würde, ist, dass er auf einmal sagt: 'Ihr könnt’s mich alle am Arsch lecken', und aufhört. Wenn er die Schnauze voll hat, schmeißt er hin - das könnte ich mir gut vorstellen.
Ferrari ist in Mexiko zum lachenden Dritten aufgestiegen, schob sich in der Konstrukteurs-WM an Red Bull vorbei und lauert nun auf einen weiteren Ausrutscher von McLaren. Ist die Scuderia nach vielen Jahren wieder titelreif?
Stuck: Was Ferrari aktuell mit Carlos und Charles leistet - das ist absolut Ferrari-like. So stellt man sich das vor. Auf die nächsten Rennen bin ich besonders gespannt, das wird noch geil. So muss es sein. Das ganze Drama um Red Bull hat natürlich geholfen. Adrian Newey hatte früher immer die Weichen gestellt. Jetzt merkt man schon, dass ein so wichtiger Teil des Teams nicht mehr an Bord ist. Wäre ein Mateschitz noch da, wäre wohl alles anders.
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"Viele Angebote": Newey erklärt Entscheidung für Aston Martin
Quelle: Perform
Steht Red Bull eine Talfahrt bevor?
Stuck: Talfahrt nicht unbedingt. Aber es wird dem Team schwerfallen, auf sein einstiges Niveau zurückzukommen.
Kann man nun endgültig davon sprechen, dass die Trennung von Sainz und der Deal mit Hamilton die falsche Entscheidung war?
Stuck: Das wird sich herausstellen. Das Duell zwischen Hamilton und Russell in Mexiko hat viel Freude bereitet, das war richtig cool. Von seiner gesunden und kontrollierten Aggressivität hat Hamilton nichts verloren. Es haben schon andere den Weg zu Ferrari auf sich genommen und sind danach eingegangen. Für Hamilton ist das keine Frage des Geldes. Ich halte ihn nach wie vor für so motiviert, dass er es noch einmal wagen will. Wenn er mit dem System Ferrari von Vasseur zurechtkommt, dann traue ich ihm so einiges zu. Der hat noch Biss.
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Leclerc enthüllt Beteiligung an Hamilton-Wechsel: "Sehr transparent"
Quelle: Perform
Vier Rennen verbleiben, 116 Punkte sind noch zu vergeben. Wie viel Fantasie braucht man, damit sich das Blatt in der Fahrer-WM noch wendet?
Stuck: Mit einer weiteren Strafe oder einem schlechten Rennen kann sich nochmal sehr viel ändern. Es ist ein extrem spannendes Saisonende - aber nur die Zeit wird uns eine Antwort geben. Interlagos ist zwar keine 'Kämpferstrecke' wie Austin oder Mexiko, aber das muss nicht unbedingt Langeweile bedeuten.
Was ist Ihr Weltmeister-Tipp?
Stuck: Ich würde es toll finden, wenn Leclerc noch in den Titelkampf eingreifen würde. Wenn er oder Norris noch den Titel holen würde, wäre das mega. Nichts ist unmöglich. Du brauchst nur einen Massencrash oder einen Fehler bei einem Boxenstopp. Dann ist plötzlich alles anders. Ich hatte lange nicht mehr eine solche Freude auf ein Rennen wie in den vergangenen Wochen.
400 Rennstarts für Fernando Alonso in der Formel 1. Was fällt dir zu dieser Zahl ein? Und wo verortest du Alonso in der Geschichte der Formel 1?
Stuck: Ich sehe in ganz weit oben, auch wenn er nicht der erfolgreichste war. Alonso ist eine tolle Erscheinung und Persönlichkeit. Mit den 400 Rennen hat er Geschichte geschrieben. Seine Würdigung in Mexiko war beeindruckend, aber leider war sein Einsatz schnell beendet. Wie es so oft bei Jubiläen ist. Alonso steht für die positiven Dinge in der Formel 1.
Vielleicht bleibt er der Formel 1 noch erhalten - mit Adrian Newey bietet Aston Martin immerhin eine attraktive Zukunft.
Stuck: Er hat es immer noch drauf. Das Alter spielt eine Rolle, bei Alonso merkt man davon nichts. Newey wird ein wichtiger Stützpfeiler, mit ihm wird Aston Martin einen wichtigen Schritt nach vorne machen. Alonso hat die Erfahrung, diesen Fortschritt in Erfolge umzumünzen. Und mit Newey an seiner Seite darf man sich so einiges erwarten.
Alonso in einem titelreifen Auto - hätte er noch das Zeug für den WM-Titel?
Stuck: Auf jeden Fall. Er hat es nicht verlernt.
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Zurück im Geschäft: Hamilton ist der Fahrer der Stunde
Quelle: Perform
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