Leclerc führte 0,230 Sekunden vor Max Verstappen (Red Bull) und 0,255 Sekunden vor Valtteri Bottas (Mercedes), als er auf seiner zweiten schnellen Q3-Runde ausgangs Schwimmbad in der Mauer landete und somit einen Abbruch der Session verursachte. Das hat insofern einen Beigeschmack, als seine zweite Runde bis dahin nicht nach einer Verbesserung aussah.
Leclerc passierte das gleiche Malheur wie Nicholas Latifi (Williams) im Freien Training und Verstappen 2016 und 2016: Der Ferrari-Pilot lenkte am Schwimmbad um einen Wimpernschlag zu früh ein, touchierte innen die Leitplanke und verlor die Kontrolle über sein Auto, das in den Leitplanken endete.
Genau wie bei Michael Schumachers "Rascassegate" im Jahr 2006 bedeutete der frühzeitige Abbruch der Session, dass die Gegner ihre letzte Chance auf eine schnelle Runde verloren. "Wir fahren zwei Aufwärmrunden, die dritte ist normal die schnelle", ärgerte sich Verstappen. "Ich war gerade im Tunnel, die Runde fühlte sich wirklich gut an. Hat nicht sollen sein."
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Auch Bottas glaubt, dass mehr drin gewesen wäre, denn: "Meine erste Runde war leider überhaupt nicht gut. Bei der zweiten hatte ich eine saubere Aufwärmrunde und es sah viel besser aus. Ich fühlte mich wirklich gut und war um einiges schneller als davor. Ich bin wirklich enttäuscht", sagte er. Am Ende hatte er 0,255 Sekunden Rückstand.

Pole Position abhängig von Getriebe

Ob Leclerc die Pole behalten darf, das hängt jetzt von der Parc-ferme-Regel ab. Wenn sein Getriebe ausgetauscht werden muss, ist er den ersten Startplatz los und wird rückversetzt. Die Scuderia gab am Abend zumindest vorsichtig Entwarnung: Eine erste Untersuchung habe keine ernsthaften Schäden ergeben. Am Sonntag soll nach weiteren Checks entschieden werden, ob das Getriebe im Rennen verwendet werden kann.
Während 2006 schnell klar war, dass Michael Schumacher den "Unfall" absichtlich herbeigeführt hatte, unterstellte Leclerc diesmal keiner seiner Gegner Absicht: "Wenn er nur mit einem kaputten Frontflügel geparkt hätte, wäre es was anderes", winkte Verstappen ab. "Ich bin natürlich enttäuscht, dass es nicht für die Pole gereicht hat. Aber so ist das Leben."
Und Leclerc selbst stellte klar: "Wenn ich es absichtlich gemacht hätte, hätte ich weniger hart eingeschlagen. Ich habe einfach das Limit gesucht. Und wenn du auf so einer Strecke ans Limit gehst, passieren halt Fehler." Auf die Frage, ob er sich Sorgen um sein Getriebe macht, antwortet er: "Ja, das tue ich. Wir werden sehen."
"So, wie die Beschädigung ist, kann ich mir vorstellen, dass Chassis oder eher vielleicht das Getriebe beschädigt ist. Und wenn das gewechselt werden muss, dann kriegt er eine Rückversetzung", erklärte Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko. "Wir haben das vor drei Jahren mit Max gehabt. Er musste eben wegen des Getriebewechsels fünf oder zehn Plätze weiter hinten starten."

Enttäuschung bei Leclerc-Kollege Sainz

Am größten war die Enttäuschung über Leclercs Unfall bei seinem Teamkollegen Carlos Sainz (4./+0,265): "Die Chance, in Monaco auf Pole zu fahren, kriegst du nicht jeden Tag. Sehr schwierig, das zu verkraften", seufzt er. "Ich bin schnell genug, um das Rennen zu gewinnen, aber ich stehe auf Platz vier. Und von Platz vier gewinnst du in Monaco normalerweise nicht."
Für Sebastian Vettel wäre das mutmaßlich wichtigste Qualifying des Jahres beinahe schon nach Q1 vorbei gewesen. Der Aston-Martin-Pilot belegte zum Auftakt den 15. Platz und hatte am Ende des 18-minütigen Segments gerade mal 0,018 Sekunden Vorsprung auf Yuki Tsunoda (AlphaTauri) und 0,127 Sekunden auf Fernando Alonso (Alpine).
In Q2 steigerte sich Vettel auf den neunten Platz, während sein Teamkollege Lance Stroll als 13. ausschied. Zwischen den beiden lagen 0,291 Sekunden. Neben Stroll erwischte es in Q2 auch Alpine-Pilot Esteban Ocon (0,077 Sekunden hinter Antonio Giovinazzi), Daniel Ricciardo (McLaren), Kimi Räikkönen (Alfa Romeo) und George Russell (Williams).
In Q3 lag Vettel an achter Stelle, als Leclerc crashte - besser als je zuvor seit seinem Wechsel von Ferrari zu Aston Martin. Am Ende fehlte eine Sekunde auf die Poleposition, aber er schlug Sergio Perez (Red Bull), der auf seiner schnellsten Runde ausgangs Rascasse drei Autos (!) überholen musste, und Antonio Giovinazzi (Alfa Romeo).

Schumacher verursacht erneut Unfall

Mick Schumacher konnte am Qualifying übrigens nicht teilnehmen. Dem Haas-Rookie war nach dem Crash am Donnerstag im Abschlusstraining am Samstagmorgen ein weiterer Unfall passiert, diesmal ein paar Meter weiter, ausgangs der Casinokurve. Sein Team konnte den Schaden nicht rechtzeitig reparieren.

Mick Schumacher - GP Monaco 2021

Fotocredit: Getty Images

Der Start im Rennen ist aber nicht gefährdet: "Alles unter Kontrolle. Dafür ist man in Monte Carlo gerüstet", sagte Teamchef Günther Steiner im Interview mit 'ServusTV'. Schumacher sei "sicher enttäuscht über den Fehler, den er gemacht hat. Aber das wird schon wieder bis morgen."
Eine Enttäuschung war das Monaco-Qualifying auch für Alonso. Neben drei Monaco-Debütanten war er der einzige Routinier, der schon in Q1 die Segel streichen musste. "Kein gutes Wochenende für uns", seufzte Exekutivdirektor Marcin Budkowski. "Wir haben die Reifen einfach nicht auf Temperatur gekriegt."
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