Red Bull tobt wegen "Copygate"-Affäre durch Aston Martin: Helmut Marko vermutet Datendiebstahl

Als in Spanien die Boliden für das sechste Grand-Prix-Wochenende der Saison enthüllt wurden, war die Aufregung groß. Red Bull sieht in dem neuen Design von Aston Martin sein eigenes Konzept detailgetreu übernommen - besonders die ähnlichen Seitenkästen sorgten für Empörung beim österreichischen Rennstall. "Man muss jetzt klären, wie es zu dieser unglaublichen Kopie gekommen ist", so Helmut Marko.

Zurzeit herrscht große Aufregung um Sebastian Vettels Rennstall Aston Martin

Fotocredit: Getty Images

Dass der "grüne Red Bull", den Aston Martin in Barcelona als hauseigene B-Version des AMR22 vorgestellt hat, völlig legal designt wurde, das kann sich Marko beim besten Willen nicht vorstellen.
Zu frappierend sind die Ähnlichkeiten der beiden Autos, insbesondere im dieses Jahr so im Fokus stehenden Bereich rund um die Seitenkästen.
Red Bull nahm die Angelegenheit am Freitag mit trotzigem Humor. Während des ersten Freien Trainings in Barcelona stellten sich Teamchef Christian Horner, Stardesigner Adrian Newey & Co. grüne Red-Bull-Dosen als Getränk an den Kommandostand. Ein Wink mit dem Zaunpfahl.
Denn die Einschätzung der FIA, dass Aston Martin zufällig genau das gleiche Design entwickelt hat, unabhängig von Red Bull in einem separaten Designprozess, der schon vor Monaten auf den Weg gebracht wurde, glaubt bei Red Bull kaum jemand - auch wenn Marko gegenüber "Sky" klarstellte: "Kopieren ist nicht verboten."

Aston Martin vs. Red Bull: Marko will "Copygate" aufklären

Aber: "Man muss jetzt klären, wie es zu dieser unglaublichen Kopie gekommen ist. Man muss dabei berücksichtigen, dass sieben Leute von uns abgeworben wurden und dass unser Chefaerodynamiker mit einem unverhältnismäßig hohen Entgelt zu Aston Martin gezogen wurde. Es gibt noch einige Fakten, die wir prüfen. Wir werden der Sache bis ins Detail nachgehen."
Worauf Marko anspielt: Dan Fallows, langjähriger Aerodynamiker und Designer bei Red Bull, wurde im Juni 2021 von Aston Martin abgeworben.
Am 2. April hat er dort seinen neuen Job als Technischer Direktor aufgenommen. Marko findet im Nachhinein betrachtet suspekt, mit welch hohem Honorar Aston Martin den Ingenieur abgeworben hat.
"Die Summen, mit denen hier operiert wird, sind nicht nachvollziehbar. Auch im Zusammenhang mit dem "Costcap". Wenn plötzlich ein Aerodynamiker derartig viel mehr verdient, wie soll sich das insgesamt ausgehen?", fragte sich der Österreicher.

Red Bull vermutet Datendiebstahl

Und Marko ging mit seinen Anschuldigungen noch weiter, als er sagte: "Es gibt Evidenzen, dass Daten heruntergeladen wurden."
Das wäre, sollte sich der Vorwurf erhärten, tatsächlich illegal. "Kopieren ist im Ansatz nicht verboten. Aber kann man kopieren ohne Unterlagen und dann so eine detailgenaue Kopie von unserem Auto zuwege bringen?"
Marko ist für seine forschen Töne bekannt. Doch selbst das offizielle Red-Bull-Statement zum Thema suggeriert, dass man die FIA-Entscheidung, das Thema nicht weiter zu verfolgen, nicht einfach hinnehmen wird.
Man habe die Stellungnahme der FIA "mit großem Interesse" gelesen, hieß es seitens des Teams aus Milton Keynes. Nachahmung sei zwar grundsätzlich schmeichelhaft, aber Red Bull betont, dass die Regeln in Bezug auf das sogenannte "Reverse-Engineering" eingehalten werden müssen: "Sollte geistiges Eigentum transferiert worden sein, wäre das eindeutig ein Regelbruch."
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