Bremsdefekt bei Sebastian Vettel, Fahrfehler und heftiger Crash bei Charles Leclerc.

Bei Ferrari lief beim Großen Preis von Italien alles schief. Wie so häufig in dieser Saison. "Es war der schlimmste Abschluss für ein schwieriges Wochenende. Mit beiden Autos nicht über die Distanz zu kommen, ist richtig schlecht", sagte der sichtlich frustrierte Teamchef Mattia Binotto.

GP von Italien
"Weitere Katastrophe": Pressestimmen zum Ferrari-Desaster in Monza
07/09/2020 AM 07:44

Bereits zum dritten Mal in dieser Saison blieb die Scuderia an einem Rennwochenende ohne einen einzigen Zähler. Und das bei erst acht absolvierten Grands Prix. Die Hoffnungen auf bessere Zeiten sehen für den erfolgreichsten Rennstall der F1-Geschichte düster aus.

Doch einen Hoffnungsschimmer für die nahe Zukunft gab es an diesem Wochenende im Königlichen Park von Monza: Carlos Sainz.

Monza: Sainz kann sich über Platz zwei nicht freuen

Der Spanier stellte seinen McLaren zunächst im Qualifying auf einen hervorragenden dritten Platz hinter den beiden überlegenden Mercedes. Im Rennen raste der 26-Jährige dann sogar auf den zweiten Rang. Nach Brasilien 2019 das zweite Podium in seiner Karriere und zugleich sein bislang bestes Resultat in der Motorsport-Königsklasse.

"Ich bin zur Hälfte enttäuscht mit Platz zwei. Denn ich hätte nicht gedacht, dass ich eine Chance auf den Sieg habe", meinte der McLaren-Pilot nach dem Rennen. Im Ziel fehlten ihm nur 0,415 Sekunden auf Rennsieger Pierre Gasly (AlphaTauri). Eine Runde mehr und er hätte den Franzosen sehr wahrscheinlich mit DRS-Hilfe geschnappt.

Doch auch ohne den turbulenten Rennverlauf in Italien wäre Sainz wohl hinter Lewis Hamilton (Mercedes) Zweiter geworden. Sainz lieferte in Monza seine mit Abstand beste Saisonleistung ab.

"Wenn heute Tifosi hier gewesen wären, wären sie stolz gewesen. Hoffentlich ist es nicht mein letztes Podest in Monza. Ich hoffe, es kommen noch viele mit Ferrari", blickte der Spanier bereits in die Zukunft. Für zwei Jahre hat er zunächst bei der Scuderia unterschrieben.

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Sainz: Alonso als großes Idol

Sein Können ließ Sainz nicht nur durch seinen zweiten Platz in Monza aufblitzen. Vor allem in der Vorsaison brillierte der Formel-Renault-Champion von 2014 mit konstant guten Leistungen und raste auf Platz sechs der Fahrerwertung.

In dieser Saison stand er zu Beginn etwas im Schatten seines Teamkollegen Lando Norris. Hinzu kam viel Pech: unter anderem ein Reifenschaden in der Schlussphase in Silverstone auf Platz vier liegend sowie ein Auspuffdefekt in Spa bereits vor dem Start. Doch in den vergangenen Rennen hat Sainz Norris wieder im Griff.

Sainz ist mittlerweile bereits in seiner sechsten Formel-1-Saison und bringt die Erfahrung von 110 Grand-Prix-Starts für Toro Rosso, Renault und McLaren mit.

Sein großes Idol ist Landsmann Fernando Alonso, den er 2018 bei McLaren beerbte. "Er ist einer der Größten, den dieser Sport je hervorgebracht hat", sagte Sainz einst über den zweimaligen F1-Weltmeister.

Fernando Alonso y Carlos Sainz Jr.

Fotocredit: Getty Images

Sainz tritt in die Fußstapfen von Vettel

Bei Ferrari wird Sainz mit Vettel gar einen vierfachen Champion beerben, den er laut eigener Aussage "bewundert". Erneut große Fußstapfen, in die der 26-Jährige treten muss. Auch Idol Alonso fuhr übrigens einst in Rot (2010-2014).

"Jeder Formel-1-Pilot hat irgendwann das Ziel, für Ferrari zu fahren. Ich bin zu einer Zeit aufgewachsen, als McLaren jedes Jahr mit Ferrari um Siege und Titel kämpfte. Wenn man es so sieht, habe ich alles erreicht, was ich mir als Kind gewünscht habe. Ich fahre für McLaren und werde nächstes Jahr zu Ferrari wechseln", erklärte Sainz bei "Sport1".

Der Spanier hat dann die Möglichkeit, das zu schaffen, was vor ihm Alonso und Vettel (2015-2020) nicht gelang: mit der Scuderia Weltmeister zu werden. Ferrari wartet bereits seit 2007 auf einen Fahrertitel, den bislang letzten holte Kimi Räikkönen.

Teamchef Binotto hält große Stücke auf den Vettel-Nachfolger: "Ich bin mir sicher, dass er sehr schnell ist und irgendwann Weltmeister werden kann. Er ist ein toller Arbeiter, intelligent, schnell und vor allem versteht er den Spirit von Ferrari", meinte der 50-Jährige in der "Marca".

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Sainz bereut Ferrari-Wechsel nicht

Zusammen mit Charles Leclerc (22) wird Sainz in Maranello ein junges und hochtalentiertes Fahrerduo bilden. Eine klare Nummer eins soll es laut Binotto dabei zunächst nicht geben.

Sainz freut sich bereits bei "Sport1" auf sein Ferrari-Abenteuer: "Ich spüre auch jetzt schon, dass ich bald zur Ferrari-Familie gehöre. Die Fans wissen, wo ich im Hotel wohne, sie muntern mich auf und geben mir Energie. Ich würde zu Ferrari jedes Mal wieder Ja sagen."

Doch während McLaren, das seit Brasilien 2012 keinen Sieg mehr verzeichnete, sich wieder Richtung Spitzenteam entwickelt, rauscht Ferrari 2020 von einem Topteam in die Bedeutungslosigkeit. Für Sainz ist diese Entwicklung allerdings kein Grund zur Sorge.

"Ich bereue nichts, ich fühle mich wohl mit meiner Entscheidung. Sie brauchen beim Motor einen großen Schritt nach vorne. Aber ich habe volles Vertrauen in Ferrari. Sie wissen, wie man schnelle Autos baut", erklärte der Spanier.

Carlos Sainz, nouveau pilote Ferrari

Fotocredit: Getty Images

Sainz: WM-Titel mit Ferrari das Ziel

Talent und Ehrgeiz steckt bei Sainz übrigens in der Familie. Vater Carlos Sainz Senior ist eine Rallye-Legende, unter anderem dreifacher Rallye-Daker-Sieger. Mit harter Arbeit und guten Leistungen hat sich der Junior in der Motorsport-Szene inzwischen aber seinen eigenen Namen gemacht und sich ein Cockpit bei der Scuderia verdient.

Noch fehlt dem 26-Jährigen allerdings ein Rennsieg in der F1. Spätestens 2021 mit Ferrari will Sainz diesen Makel beseitigen. "Ich bin zuversichtlich. Sie (Ferrari, Anm. d. Red.) waren immer an der Spitze der Formel 1 und denke, dass sie bald wieder da sein werden - eher früher als später“, so der Spanier gegenüber "Motorsport.Magazin.com."

Früher oder später soll es für den Vettel-Nachfolger dann auch mit dem WM-Titel in Rot klappen.

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