Was war geschehen? Kurz vor Schluss des ersten Qualifying-Segments war Daniil Kwjat im AlphaTauri vor Kurve 3 abgeflogen, weshalb die Sportwarte die Warnflagge zückten. Wenig später strandete Williams-Mann Nicholas Latifi bei Kurve 8, und erneut schwenkten die Sportwarte gelbe Flaggen.

Im Fall von Latifi blieb es bei einfach Gelb und diese Gelbphase wurde just vor Magnussens Ankunft am betreffenden Streckenteil aufgehoben. Anders in Kurve 8: Dort fuhr Magnussen mutmaßlich als Erster in die Doppelt-Gelb-Zone.

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"Ich habe die Regeln respektiert, bin vom Gas und habe die Runde abgebrochen", sagte Magnussen. Er glaubt aber: Er sei der einzige gewesen, der sich wie vorgeschrieben verhalten und deshalb seine Chance auf das Weiterkommen verschenkt habe.

"Alle anderen", so sagte er, "haben gepusht und sich gesteigert. Und ich fliege raus."

Tatsächlich sind aus der Onboard-Kamera von Magnussen an der Latifi-Unfallstelle doppelt geschwenkte gelbe Flaggen zu sehen. Aber: Die wurden offenbar erst kurz vor der Ankunft von Magnussen gezeigt. Magnussen war zu diesem Zeitpunkt bereits von P7 auf P10 zurückgereicht worden.

Und: Magnussens Onboard zeigt ganz kurz einen vermeintlichen Fehler eines Sportwarts, der fälschlicherweise die rote Flagge schwenkt.

Magnussen erklärt: "Gab definitiv doppelt gelbe Flaggen"

Daniel Ricciardo von Renault und Pierre Gasly direkt vor Magnussen hatten womöglich nur einzelne gelbe Flaggen gesehen. Ihre Onboards sind verschwommen und lassen nur ein grünes Display am Ende der Gefahrenzone erkennen. Und nach der Zieldurchfahrt von Gasly steht Magnussen schon auf P16, womit sein Ausscheiden besiegelt ist.

Magnussen bleibt bei seiner Version, wahrscheinlich in Unkenntnis der genauen Faktenlage und mit der Vermutung, es müsse schon vor seiner Ankunft in Kurve 8 doppelt Gelb geschwenkt worden sein. Er meinte: "Es gab definitiv eine doppelt gelbe Flagge. Da stand jemand außen in der Kurve im Kiesbett."

"Die Regeln sagen: Runde abbrechen, nicht einfach nur vom Gas gehen oder so. Es heißt, du musst du Runde abbrechen. Das habe ich gemacht. Ich war [am Ende] drei Sekunden langsamer als in meiner besten Runde, und die Strecke wurde besser."

Er habe alles richtig gemacht, beteuerte Magnussen, aber "niemand sonst". Wem genau er einen Vorwurf macht, bleibt aber unklar. Magnussen sagte lediglich: "Ich fahre nicht mehr [weiter im Qualifying], weil andere Leute die Regeln nicht respektieren. Also ja, das kotzt mich schon ziemlich an."

Magnussen hält von nachträglichen Strafen nichts

Etwaige nachträgliche Strafen gegen Konkurrenten würden ihm nicht weiterhelfen. "Diese Jungs kriegen halt [eine Strafversetzung über] drei oder fünf Positionen. Für mich macht das keinen Unterschied."

Er ziehe nur für sich eine klare Konsequenz aus dem Erlebten: "Beim nächsten Mal in einer solchen Situation muss ich halt auch weiter pushen. Ich kriege lieber drei Strafpositionen von P7 als von P wo auch immer."

Magnussen gab bei "Ziggo Sport" auch an, das Gespräch mit Formel-1-Rennleiter Michael Masi suchen zu wollen. "Denn wenn das die Norm ist, dann kann ich nicht rechtfertigen, vom Gas gegangen zu sein. Dann fahre ich lieber weiter und kriege nachher eine Strafe. Aber: Das ist halt gefährlich."

Tatsächlich haben die Sportkommissare nachträglich noch Fahrer untersucht. McLaren-Mann Lando Norris etwa wurde ein Regelverstoß nachgewiesen, wie er von Magnussen skizziert worden war. Aber: Norris hatte sich bereits vor der Schlussrunde vor Magnussen befunden und hat mit seinem Verstoß nichts zu Magnussens Q1-Aus beigetragen.

Auch Hamilton und Bottas wurden untersucht

Und: Die Sportkommissare haben sich auch mit den weiteren möglichen Verstößen gegen doppelt Gelb in der Kurve-8-Situation befasst, konkret mit Magnussen, Bottas, Kwjat, Stroll, Perez und Hamilton. Ergebnis: "Sie haben sich wie vorgeschrieben verhalten." Das habe die Telemetrie-Auswertung ergeben.

Ricciardo und Gasly waren ebenfalls Gegenstand einer Untersuchung, aber nur wegen einfach Gelb in Kurve 8. Auch hier kamen die Rennkommissare zu dem Urteil, dass kein Fehlverhalten vorliege, wieder begründet mit der Auswertung der technischen Daten.

Beide nachträglichen Untersuchungen zur Kurve-8-Situation hatte übrigens Formel-1-Rennleiter Michael Masi angestoßen.

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