Der Racing-Point-Pilot geriet nach der Qualifikation in das Visier der Rennkommissare, weil er seine Bestzeit in Q3 unter gelben Flaggen gefahren hatte, die ausgerechnet von Teamkollege Sergio Perez in Kurve 7 ausgelöst worden waren.

Die Rennkommissare untersuchten den Vorfall und werten dabei neben Aussagen von Stroll und Teamvertretern auch Videoaufnahmen und Telemetriedaten aus. Diese Daten hätten gezeigt, dass Stroll eindeutig vom Gas ging, sich in die Kurve rollen ließ und erst dann wieder Gas gab, als er das gestrandete Auto passiert hatte.

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Zwar hatte Stroll in diesem Sektor eine persönliche Bestzeit gefahren, doch die Kommissare merkten an, dass dies bei nassen Bedingungen nicht unbedingt etwas zu sagen habe. "Die Strecke trocknete rapide ab, und jede Runde war schneller als die vorherige", so die Begründung.

Einen Tag vor seiner möglichen Krönung zum Rekordweltmeister stand Lewis Hamilton wie die gesamte Formel 1 erst mal im Regen. Und im Schatten. Von Lance Stroll nämlich, der 22-Jährige im Racing Point raste am Samstag auf nasser, rutschiger Strecke zur Pole Position beim Großen Preis der Türkei und für Sebastian Vettels künftiges Team ein echtes Ausrufezeichen setzte.

Bei schwierigsten Bedingungen funktionierte Hamiltons sonst so überlegener Mercedes nicht besonders gut, für den Engländer reichte es nur zu Startplatz sechs - seine Chancen, sich schon am Sonntag (11:10 Uhr im Liveticker) vorzeitig den siebten WM-Titel zu sichern und mit Michael Schumacher gleichzuziehen, sind dennoch bestens.

Bottas hinter Hamilton

Denn Teamkollege Valtteri Bottas steht nur auf Rang neun. Nur der Finne kann Hamilton theoretisch noch abfangen, damit das auch nach dem Rennen noch gilt, müsste Bottas mindestens acht WM-Punkte mehr holen als Hamilton.

Mit dem Kampf um die Pole hatten die Silberpfeile bei außergewöhnlichen Bedingungen nichts zu tun. Max Verstappen im Red Bull schien lange Zeit am stärksten, wurde am Ende aber abgefangen. "Mir fehlen die Worte, so etwas konnte man nicht erwarten", sagte Stroll. Das starke Ergebnis für Racing Point machte Sergio Pérez als Dritter perfekt, der Mexikaner muss nach der Saison für Vettel weichen. Das Team heißt ab 2021 Aston Martin.

Im schwachen Ferrari fuhren Vettel und sein Teamkollege Charles Leclerc nur auf die Plätze 11 und 12. "Wir sind viel rumgerutscht, wir haben einfach keine Temperatur in die Reifen bekommen", sagte Vettel.

Dieses Problem hatte allerdings das gesamte Feld. Die Formel 1 bekam damit erstmals wirklich die Tücken des eilig improvisierten Corona-Kalenders zu spüren. Denn die Strecke am Bosporus wurde in diesem Sommer quasi aus der Mottenkiste des Motorsports gekramt: Seit 2011 hatte der Istanbul Park Circuit nichts mehr mit der Königsklasse zu tun, auch andere große Events fanden dort seither nicht mehr statt.

Fahrer klagen über Grip-Probleme

Die Chance, in diesem Jahr einzuspringen, konnten sich die Organisatoren daher nicht entgehen lassen, allerdings war eine komplett neue Asphaltschicht notwendig. Da diese aber erst spät fertig wurde und bis zu diesem Wochenende unbenutzt war, sind die Schmierstoffe noch nicht herausgelöst, die Oberfläche ist damit ölig und rutschig.

Schon das freie Training am Freitag, obwohl trocken, wurde damit zur Herausforderung. Hamilton fand den Zustand der Strecke "erschreckend, Shit mit großem S", sagte er. Da es auch recht kühl ist in Istanbul, kamen die Reifen kaum auf die nötige Temperatur. Das Ergebnis: Kein Grip, viele Dreher und Ausritte.

Verstappen, Schnellster in den Trainings, unkte bereits mit Blick auf den Samstag: "Hoffentlich regnet es nicht, dann fahren wir wirklich wie auf Eis. Vielleicht brauchen wir dann eher Spikes."

Der Wunsch des Niederländers wurde nicht erhört. Die Temperaturen fielen am Samstag noch einmal auf nur noch elf Grad, und es begann zu regnen. Das dritte Training wurde bereits zum Muster ohne Wert, und genauso setzte es sich zu Beginn der Qualifikation fort: Wie auf rohen Eiern bewegten sich die Fahrer um die Strecke und verloren dennoch immer wieder die Kontrolle.

Der erste Abschnitt Q1 musste nach zehn turbulenten Minuten unterbrochen werden. Erst nach einer 45-minütigen Pause ließ der Regen so etwas wie ein Qualifying zu. Und dann schlug Strolls große Stunde.

(mit SID und Motorsport-Total.com)

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