Sebastian Vettels Teamkollege Charles Leclerc ärgerte sich am Boxenfunk nach der Zieldurchfahrt so sehr über den Fehler in der letzten Kurve, dass er auf Englisch gleich fünfmal fluchte, er habe "einen Scheißjob" gemacht, und sich auf Italienisch sogar als "Arschloch" beschimpfte, sodass die Vermutung naheliegt, eine solche Niederlage gerade gegen Vettel tue ihm besonders weh.

Aber für Vettel, von "Motorsport-Total.com" mit dem Leclerc-Funkspruch konfrontiert, scheint das Ferrari-Stallduell kurz vor seinem Abschied nicht mehr das Allerwichtigste zu sein. Für die Dynamik im Team sei das, was in der letzten Kurve passiert ist, "wahrscheinlich irrelevant", winkte er ab.

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Anstatt ob des dritten Platzes und des letztendlich knapp gewonnenen Duells genüsslich zu triumphieren, räumte Vettel ein, dass er sich in Leclerc ein bisschen "selbst sehen" kann: "Er ist viel jünger, er ist sehr schnell. Ich hatte noch nicht Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. Aber ich werde ihm sagen, dass dieses Podium für ihn irrelevant ist."

"Er hat noch so viele Jahre vor sich, da wird er noch so oft aufs Podium fahren. Da bin ich mir sicher", zeigte sich der 33-Jährige als fairer Sportsmann. "Es ist gut, dass er sich ärgert, denn er hat einen Fehler gemacht und das Podium verloren. Aber wie gesagt: Wenn man das große Ganze sieht, spielt das für ihn keine Rolle."

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Vettel über Leclerc: "Freue mich über alles, was er erreicht und noch erreichen wird"

"Ich bin reif genug dafür, dass ich nicht zulasse, dass wegen sowas Reibung entsteht, die dann zwischen uns steht. Ich freue mich über alles, was er erreicht und noch erreichen wird, denn er ist ein guter Junge. Es war ein hartes Rennen. Jeder von uns hätte das Auto ein paar Mal verlieren können. Aber es tut natürlich doppelt weh, wenn es in der letzten Runde passiert."

Dass Vettel jetzt den "Elder Statesman" gibt, zeigt, dass er mit Ferrari trotz allem, was geschehen ist, im Reinen zu sein scheint. Das Podium in Istanbul, womöglich sein letztes für die Scuderia, hat eine versöhnliche Kraft. Da sind sogar alle Spannungen mit Leclerc vergessen, die es in der Vergangenheit sicher gegeben hat. Man denke nur an Sotschi oder Sao Paulo 2019.

Und selbst was seinen Teamchef Mattia Binotto betrifft, mit dem es noch vor ein paar Monaten dem Hörensagen nach ebenfalls gezwickt hat, ist Vettel wieder zu Scherzen aufgelegt: "Ich glaube, wir haben mehr Punkte gesammelt als bei jedem anderen Rennen in diesem Jahr - und das ausgerechnet, wenn Mattia nicht da ist!"

Leclerc gratuliert Vettel zum Podium: "Er verdient das"

Der Chef der Scuderia hatte Istanbul ausgelassen und die Führung vor Ort seinem Sportdirektor Laurent Mekies übertragen. "Wenn wir im nächsten Rennen nicht mehr so viele Punkte holen, sollten wir darüber nachdenken, ihn immer zu Hause zu lassen", grinst Vettel - und stellt klar: "Im Ernst: Das hat damit natürlich nichts zu tun. An sowas glaube ich nicht."

Zumal Mekies alles andere als ein Anfänger ist. Als Vettel 2008 in Monza seinen ersten Grand Prix gewann, war er Chefingenieur bei Toro Rosso. "Ich habe schon vor zwölf, 13 Jahren mit Laurent gearbeitet", erinnerte sich der Dritte von Istanbul. "Wir haben es weit gebracht. Er hat sich in Mattias Abwesenheit gut um uns gekümmert."

Übrigens: Auch Leclerc war nach der Zieldurchfahrt sportlich fair. Als er sich ein wenig beruhigt hatte, gab er noch am Boxenfunk durch: "Gratulation an Seb, er verdient das. Es war kein gutes Jahr für ihn. Auch wenn ich wirklich gepisst über mich selbst bin: Er hat einen großartigen Job gemacht und ich hoffe, dass er das genießen wird."

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