Er hat die meisten Rennsiege, die meisten Pole-Positions, die meisten Podestplätze, die meisten Führungskilometer und nun auch zusammen mit Michael Schumacher die meisten WM-Titel in der Geschichte der Formel 1 eingefahren.

Lewis Hamilton ist zweifelsohne einer der besten Fahrer, die jemals in der Motorsport-Königsklasse unterwegs waren. Seit der Brite 2007 in die Formel 1 gekommen ist, fährt er an der Spitze mit. Besonders beeindruckend ist seine Konstanz.

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Jede Saison beendete Hamilton seitdem in den Top fünf und holte dabei immer mindestens einen Rennsieg, sowohl mit McLaren als auch mit Mercedes. Zu den Silberpfeilen wechselte er 2013 – als Nachfolger von Schumacher.

Beim Großen Preis von Portugal in Portimão am 25. Oktober 2020 schrieb der 35-Jährige dann ein weiteres Kapitel Formel-1-Geschichte. Mit seinem Sieg überholte er Schumacher und ist seitdem der Fahrer mit den meisten Grand-Prix-Erfolgen.

"Wer hätte das gedacht, als wir das Projekt 2013 in Angriff genommen haben. Es ist seine absolute Leidenschaft und seine Energie, die er in den Sport steckt. Sein Talent und Können sind einfach herausragend", schwärmte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff im Interview mit "Sky Sports".

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Von Fangio bis Schumacher

Die Debatte nach dem GOAT (Greatest of All Time), dem Besten in der Geschichte, kennt man aus vielen Sportarten. Im Fußball wird oftmals Pelé als GOAT bezeichnet, im Basketball streiten sich die Experten zwischen Michael Jordan und LeBron James, im Eishockey Wayne Gretzky, im Boxen Muhammad Ali und im Tennis Roger Federer oder Rafael Nadal.

Doch wer ist der GOAT in der Formel 1?

Die erste Legende der noch recht jungen Sportart - 1950 fand im englischen Silverstone der erste Grand Prix statt – war Juan Manuel Fangio. Der Argentinier wurde in acht Jahren F1 fünfmal Weltmeister sowie zweimal Zweiter.

Juan Manuel Fangio gewann in den 1950er-Jahren fünf WM-Titel

Fotocredit: Getty Images

Seine Titel holte er dabei mit vier verschiedenen Konstrukteuren (Alfa Romeo, Mercedes, Ferrari und Maserati). Fangio steuerte seine Autos stets am Maximum und gewann so 24 seiner 51 Rennen. Die Siegquote von 47 Prozent ist bis heute die höchste in der F1-Geschichte. Fangio blieb Rekordweltmeister bis Anfang der 2000er-Jahre, ehe ihn Michael Schumacher ablöste.

Für viele ist der Deutsche der beste Formel-1-Fahrer der Geschichte. Auch für Motorsport-Experte Stefano Dolci von Eurosport-Italien: "Schumi ist der Größte wegen seiner außergewöhnlichen Mischung aus enormem Naturtalent und unglaublicher Arbeitsethik. Er hat alles dafür getan, um die Nummer eins zu sein."

Zudem wechselte der Kerpener 1996 von Benetton, wo er zwei WM-Titel holte, zu Ferrari und brachte die Aufbruchstimmung zurück nach Maranello. "Er unterschrieb bei Ferrari, das seit 1979 keinen Titel mehr gewonnen hatte. Mit Schumi wurde die Scuderia sofort wieder konkurrenzfähig, vernichtete von 2000 bis 2004 alle Rivalen und dominierte die Szene", so Dolci weiter.

Schumacher arbeitete stundenlang mit seinen Ingenieuren am Auto – an kleinsten Details - um das Maximum herauszuholen. Sein Fahrstil auf der Strecke war aggressiv und furchtlos. Zudem war Schumacher seinen Kontrahenten strategisch überlegen.

Michael Schumacher im Jahr 2006 nach seinem letzten Rennen für Ferrari

Fotocredit: Getty Images

GOAT-Frage: Von Clark bis Senna

Zu Beginn seiner F1-Karriere Anfang der 1990er-Jahre trat Schumacher dabei unter anderem gegen Ayrton Senna, Alain Prost, Nigel Mansell und Nelson Piquet an. Auch Senna gilt als einer der besten Fahrer in der F1-Geschichte.

"Senna ist der GOAT. Er hat zwar nur drei WM-Titel gewonnen, aber sein Charisma und sein Talent hinter dem Lenkrad waren einzigartig. Die meisten aktuellen Fahrer haben den brasilianischen Champion als Vorbild", meint José-Luis Prados von Eurosport in Spanien.

Die beiden McLaren-Piloten Ayrton Senna (links) und Alain Prost (mitte) mit McLaren-Teamchef Ron Dennis

Fotocredit: Getty Images

Senna starb bei einem Unfall in seinem Rennwagen ebenso wie sein großes Idol Jim Clark. Der Schotte galt als Superstar der 1960er-Jahre. Besonders mit seinem schonenden Fahrstil war er der Konkurrenz überlegen. Selbst Fangio erklärte voller Anerkennung: "Jim war besser als ich."

WER IST FÜR EUCH DER GOAT DER FORMEL 1?

Nach Clark dominierten vor allem Jackie Stewart und Niki Lauda die Formel 1 und gewannen je drei WM-Titel. Die beiden F1-Legenden überzeugten mit einem sauberen Fahrstil und wohl überlegten Manövern auf der Strecke. Auch ihre Namen fallen immer wieder in der GOAT-Debatte.

Lotus-Fahrer Jim Clark (mitte) im Gespräch mit Teamgründer Colin Chapman (links)

Fotocredit: Getty Images

Hamilton in der absoluten Elite angekommen

Sein Motorsport-Wissen hat Lauda dann bis zu seinem Tod 2019 als Mentor an Lewis Hamilton weitergegeben. Lauda war es auch, der in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender von Mercedes maßgeblichen Anteil am Wechsel des Briten zu den Silberpfeilen hatte.

"Hamilton ging ein großes Risiko ein, McLaren 2013 in Richtung Mercedes zu verlassen. Aber es hat sich ausgezahlt. Er verwandelte diese Herausforderung in eine Mega-Dominanz, weil er hart arbeitete und beeindruckende Fähigkeiten bei der Abstimmung des Autos, beim Fahren einer schnellen Runde oder beim Reifen-Management über die Renndistanz zeigt. Er ist auch der Beste beim Überholen und Fahren bei Regen. Daher ist er der GOAT", findet Stéphane Vrignaud von Eurosport in Frankreich.

Lewis Hamilton (rechts) mit seinem Mentor Niki Lauda

Fotocredit: Getty Images

Zudem behauptete sich Hamilton stets auch innerhalb des Teams gegen Weltklassefahrer. "Er fuhr acht Saisons an der Seite von Weltmeister-Teamkollegen wie Fernando Alonso (2007), Jenson Button (2010-2012) und Nico Rosberg (2013-2016) und ging überwiegend als Sieger hervor", so Vrignaud weiter.

Auch Pete Sharland von Eurosport-Großbritannien sieht Hamilton als GOAT. "Klar hat er ein schnelles Auto, aber er holt zweifellos immer mehr als seine Kontrahenten aus diesem raus. Darüber hinaus hat Hamilton den Sport relevant gehalten. Er ist der Fahrer, der auch die älteren Fans noch begeistern kann und gleichzeitig die jüngere Generation an sich bindet."

Hamilton hat kaum Schwächen und "schon seit über einem Jahrzehnt Titel gewonnen. Zudem ist er selbst mit 35 Jahren noch der Fahrer, den es zu schlagen gilt. Entgegen der allgemeinen Meinung wurde er im Laufe seiner Karriere schon oft herausgefordert, nicht zuletzt von Sebastian Vettel, der zur gleichen Zeit wie er in die F1 kam", begründet Sharland seine Wahl für Hamilton. Auch Vettel gehört mit seinen vier WM-Titel (2010-2013) und 53 Rennsiegen zu den erfolgreichsten Piloten in der Motorsport-Königsklasse.

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Hamilton-Rekorde die Messlatte für kommende Superstars

Natürlich ist es unmöglich, Fahrer aus verschiedenen Epochen miteinander zu vergleichen. Einen Hamilton im 1955er-Mercedes von Fangio wird es genauso wenig geben wie einen Fangio im 2020er-Silberpfeil von Hamilton. Auch einen Schumacher im 1975er-Ferrari von Lauda oder einen Lauda im 2000er-Ferrari von Schumacher werden wir nie sehen.

Daher ist es schwer, die erbrachten Leistungen der Legenden gegenüberzustellen. Klar ist allerdings, dass die nackten Zahlen nicht lügen und Hamilton mit all seinen Bestmarken angekommen ist - im Kreis der Kandidaten für die GOAT-Frage.

Lewie Hamilton knackte in Portugal den F1-Siegrekord von Michael Schumacher

Fotocredit: Getty Images

Rekorde bestehen allerdings in der Regel nicht für die Ewigkeit. Sie sind da, um gebrochen zu werden. "Ich glaube, das hat Michael auch gesagt. Und Lewis ist immer noch auf seiner Reise. Vielleicht ist heute jemand im Kindergarten oder in der Schule, der eines Tages Lewis' Rekorde brechen wird", blickt Mercedes-Boss Wolff in die Zukunft.

Bis es so weit ist, bleiben aber Hamilton und Co. die Hauptdarsteller bei der GOAT-Frage in der Formel 1.

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