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Rubens Barrichello spricht über Spielberg-Skandal 2002: "Vor Wut gekotzt"
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Publiziert 21/04/2018 um 12:12 GMT+2 Uhr
Ex-Ferrari-Pilot Rubens Barrichello hat die umstrittene Ferrari-Stallorder 2002 in Spielberg offenbar noch immer nicht ganz verdaut. Ihm war beim erst sechsten Saisonrennen vom Team befohlen worden war, den Sieg Schumacher zu schenken. "An jenem Tag bin ich nach der Siegerehrung nicht zur Pressekonferenz gegangen, denn mir war schlecht. Ich habe an diesem Tag viel gekotzt - vor Wut."
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So beschreibt der ehemalige Teamkollege von Michael Schumacher in der brasilianischen TV-Sendung "Conversa com Bial" auf 'TV Globo' seinen damaligen Zustand.
Er habe Schumacher den Triumph deswegen auf den letzten Metern überlassen und so für einen Eklat und ein gellendes Pfeifkonzert gesorgt, weil er sich eigentlich weigern wollte:
Vor allem der acht Runden andauende Funkverkehr mit dem Ferrari-Kommandostand hat bei Barrichello bleibenden Eindruck hinterlassen. "Wenn man den Funk damals gehört hätte, dann wären alle angeekelt gewesen", sagt Barrichello. Und kündigt an: "Ich habe mir diesen Funkverkehr notiert, um ihn eines Tages in einem Buch zu veröffentlichen." Die ganze Welt habe damals gesehen, "wer gewonnen hat. Für Schumacher sah das schlecht aus."
Barrichello: Boxenfunk wegen Spielberg 2002 nun öffentlich
Der inzwischen 45-Jährige erkennt sogar einen Zusammenhang zwischen den Ereignissen in Spielberg und der Übertragung des Boxenfunks, der tatsächlich seit 2003 nicht mehr verschlüsselt sein darf:
Doch nicht nur die Ereignisse nach dem Rennen hält Barrichello für wichtig, sondern auch die Vorgeschichte: Bereits im Jahr davor war der Brasilianer ausgerechnet in Spielberg von Teamchef Jean Todt mit dem legendären Funkspruch "let Michael pass for the Championship" zurückgepfiffen worden, allerdings von Platz zwei auf Platz drei. "Sie haben mir damals gesagt, dass sie das nicht getan hätten, wenn es um den ersten Platz gegangen wäre", sagt Barrichello.
Schumachers zwei Gesichter
Die Entscheidung ging damals vom Team aus, doch auch Schumachers Rolle bei Ferrari sieht der langjährige Teamkollege des Rekordweltmeisters kritisch. Barrichello beschreibt Schuhmacher:
Dennoch habe Schumacher ihn und seine Freunde wirklich gemocht: "Er hat die menschliche Wärme gespürt."
Nach der gemeinsamen Ferrari-Ära wurden auch die Spannungen zwischen Barrichello und Schumacher weniger, doch es kam noch einmal zu Unstimmigkeiten: beim Grand Prix von Ungarn 2010, als sich Mercedes-Pilot Schumacher im Kampf um Platz zehn gegen den Williams-Piloten Barrichello wehrte und diesen gegen die Boxenmauer drückte.
Barrichellos Revanche 2010 in Ungarn - mit Gottes Hilfe?
Für den Brasilianer ein wichtiges Ereignis - und eine persönliche Revanche für die Demütigungen in Maranello. "Ich bin aus der Box gefahren, habe nach vorne geschaut und gesagt: 'Mann, es ist Schumacher'. Und ich hatte frische Reifen", schildert er die Situation. "Es ging um Platz zehn, also einen Punkt, aber das war mir egal, denn für mich war es wie der Kampf um den Sieg. Ich habe gesagt: 'Lieber Gott, wenn es dein Wille ist, dass ich ihn heute - in unterschiedlichen Autos - überholen kann, dann gib mir das bitte."
Drei Runden lang wartete Barrichello vergeblich auf seine Chance, doch dann wurde sein Wunsch offenbart erhört: "Schumacher hat einen Fehler in der letzten Kurve gemacht. Ich habe gesehen, wie er in die Mitte der Strecke fuhr und dort geblieben ist. Ich habe mich gewundert, warum er das macht, denn normalerweise fährt man auf die Innenbahn, damit der andere nicht vorbeikommt. Aber mir war klar: Ich werde diese Chance nicht auslassen und auch nach innen fahren."
Dann wurde es immer enger:
Barrichello wollte Schumacher besuchen
Barrichello stach tatsächlich vor Schumacher in die erste Kurve, und die beinharte Verteidigung Schumacher wirbelte medial viel Staub.
Noch heute ist Schumacher für Barrichello präsenter, als viele glauben mögen. Als sich der Brasilianer kürzlich einen Tumor im Nacken entfernen lassen musste, konfrontierte ihn sein Arzt nach der Operation mit einer interessanten Beobachtung, wie Barrichello offenbart: "Sie haben von Schumacher gesprochen, hat er zu mir gesagt. Und es ist nicht das erste Mal. Da muss irgendwas in meinem Unterbewusstsein sein. Unsere Verbindung besteht nicht nur durch das Fernsehen."
Barrichello habe daher bereits versucht, Schumacher nach seinem schweren Skiunfall zu sehen, allerdings vergeblich. "Ich suche nach Wegen, wie ich ihn besuchen kann", offenbart er. "Bei meinem ersten Versuch, haben sie abgelehnt. Sie haben gesagt: 'Damit tust du ihm und dir selbst nichts Gutes.' Ich habe also keine Neuigkeiten von ihm, aber er ist in irgendeiner Form immer präsent."
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