Alles war wie immer, und doch war irgendwie alles anders. Mal wieder musste Sebastian Vettel erklären, warum der Ferrari im Jahr 2020 zu den langsamsten Autos der Formel 1 gehört. Doch nach der Schmach beim 1000. Grand Prix der Scuderia in Mugello wirkte es, als sei Vettel bloß noch ein Beobachter, kein Leidtragender dieser Krise.

Die Geschwindigkeit habe gefehlt, "es gab nicht viele, die langsamer waren als wir", sagte er nach Platz zehn im auf zwölf Autos dezimierten Feld. Das sei "hart" und "ernüchternd" - wirklich betroffen schien er nicht.

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Denn Vettel wird im kommenden Jahr für Aston Martin fahren, das steht seit der vergangenen Woche endlich fest. Vor vier Monaten hatte Ferrari verkündet, dass man für den Deutschen ab 2021 keine Verwendung mehr habe. Und was damals wie eine Ausbootung wirkte, kommt mittlerweile einer Erlösung gleich. Wenn es dafür noch eines Beweises bedurfte, dann wurde dieser am Sonntag erbracht.

Vettel vor Sotschi: "Vielleicht wird es dann besser"

Während sein künftiges Team, das in diesem Jahr noch Racing Point heißt, zu den Schnellsten hinter Mercedes zählte, kam Ferrari auch auf der hauseigenen Strecke nicht zurecht. Die Highspeedkurse in Spa und Monza waren damit anders als erhofft keineswegs die Talsohle. Auch auf der kurvigen Piste in den Hügeln der Toskana waren Vettel und Charles Leclerc im SF1000 geradezu wehrlos gegen Konkurrenten wie Renault, McLaren und mitunter sogar Williams.

Vettel versuchte mit Blick auf das kommende Rennen in Sotschi (27. September), zwar noch etwas Optimismus zu streuen. "Dort bekommen wir seit langem mal wieder neue Teile, vielleicht wird es dann etwas besser", sagte er. Doch sein eigener Teamchef sprach schon wenig später die Wahrheit aus. "Das sind kleine Upgrades, die werden das Gesamtbild nicht ändern", sagte Mattia Binotto: "Uns fehlt die Renngeschwindigkeit."

Mattia Binotto (Ferrari)

Fotocredit: Getty Images

Presse: "Keine Zukunftsperspektiven"

Und die Hoffnung, dass sich daran kurz- oder mittelfristig etwas ändert. Da ist man mittlerweile ehrlich in Maranello. Denn die Formel 1 hat die Entwicklungsmöglichkeiten für dieses und auch für das kommende Jahr im Zuge der Coronakrise stark eingeschränkt.

Italiens Presse stimmte am Montag schon ein auf eine lange Leidenszeit. Die Jubiläums-Feier zu Ferraris Vergangenheit, schrieb etwa "La Repubblica", "wird von der Gegenwart ohne Aussichten überschattet". Und der "Corriere dello Sport" sieht momentan "keine Zukunftsperspektiven".

Vettel darf dieses versunkene Schiff bald verlassen, und ihm persönlich bietet sich ja eine spannende Perspektive. Da schon bald eine Budgetgrenze in der Formel 1 gilt, hat ein neues Werksteam wie Aston Martin tatsächlich die Chance, in die Spitze vorzustoßen, zumindest theoretisch. Und Vettel ist das Gesicht dieses Projekts.

Einer, der sich mit Neustarts in der Königsklasse auskennt, ist Norbert Haug. Als Motorsportchef führte er Mercedes 2010 zur Rückkehr, mittlerweile sind die Silberpfeile seit Jahren unschlagbar. Weltmeister Lewis Hamilton kann schon in Sotschi den Sieg-Rekord von Michael Schumacher (91) einstellen, am Ende der Saison wird er wohl auch zum Co-Rekordweltmeister (7 Titel) aufsteigen.

"Wer hätte gedacht, dass ein Wechsel von Ferrari zu Aston Martin mal ein Upgrade im Motorsport ist", sagte Haug bei "Sport1": "Aber sie haben dort einen Plan. Das war bei uns auch so der Fall. Und vielleicht gibt es da eine Parallele."

(SID)

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