Die zweite Auflage des ePrix in Mexiko wurde von drei chaotischen Safety-Car-Phasen geprägt.
Auf seine Leistung angesprochen, erklärt di Grassi: "Ich weiß nicht, wie ich das geschafft habe. Vielleicht war es Glück oder Gott", lächelt der Abt-Pilot, der im Vorjahr noch als Sieger disqualifiziert wurde. "Wir konnten eine unglaubliche Leistung bezüglich des Energiesparens im zweiten Stint hinbringen. Ich musste so effizient fahren, wie ich nur konnte."
Denn di Grassis Ausgangslage war nicht optimal. Er startete nach einem mittelmäßigen Qualifying nur von der 15. Position und war gleich nach dem Start in eine Kollision mit Stefan Sarrazin und Nicolas Prost verwickelt. Ein Tausch des Heckflügels an seinem Abt spülte ihn bis auf den letzten Platz zurück. "Als wir das Heck getauscht haben, war es die Hölle, jetzt ist es der Himmel", merkt der 32-Jährige nach seinem Siegeszug an.
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Vom Glückspilz zum Pechvogel: Turveys frühes Aus

An der Spitze konnte di Grassi zu Beginn des Rennens nichts mitreden. Nach einem Traumstart von Glückspilz Oliver Turvey von der Pole (Daniel Abt wurde die Pole-Position aberkannt), kamen alle Autos gut durch die erste Kurve. Die Top 10 überstanden die Startphase unbeschadet. Nick Heidfeld konnte sogar eine Position (auf den dritten Rang) gutmachen, Jose-Maria Lopez lag auf dem zweiten Rang. In der dritten Runde kam das Safety-Car auf die Strecke, weil viele kleine Teile des beschädigten Autos von di Grassi auf der Strecke lagen.
Daniel Abt konnte nach der Startphase von Platz 18 aus drei Positionen aufholen, und auch der WM-Führende Sebastien Buemi erholte sich nach einem enttäuschenden Qualifying. Der Schweizer befand sich mit Sam Bird, Jean-Eric Vergne und Heidfeld im direkten Duell. Großer Verlierer der ersten Runden war eindeutig Formel-E-Neuling Esteban Gutierrez. Der Mexikaner konnte sein Talent vor heimischen Publikum nicht ausspielen und wurde bis auf den 19. Rang zurückgereiht.
In Runde 13 schnappte sich Lopez die Führung von Turvey. Dem Briten wurde über Funk mitgeteilt, dass er sein Auto neu hochfahren soll. Das Geburtstagskind blieb auf der Strecke stehen und wurde bis ans Ende des Feldes zurückgespült. Heidfeld erbte den zweiten Platz, Vergne den dritten. Nachdem Turvey sein Auto nicht wieder in Gang brachte, musste das Safety-Car in Runde 17 ein zweites Mal auf die Strecke gehen. Das NextEV-Team bestätigte ein Problem mit der Batterie.

Nick Heidfeld

Fotocredit: SID

Früher Boxenstopp der Schlüssel zu di Grassis Erfolg

Danach wurde mit den ersten Boxenstopps die rennentscheidende Phase eingeleitet. Die ersten Piloten, die sich in die Box wagten, um das Auto zu tauschen, waren Jerome D'Ambrosio und der spätere Rennsieger di Grassi in den Runden 17 und 18. Der Brasilianer nutzte dabei die zweite Safety-Car-Phase aus. Nachdem er sich nach seinem ersten Boxenstopp schon wieder auf den zehnten Rang nach vor gekämpft hatte, musste er sich nach dem zweiten, diesmal regulären Stopp, wieder am Ende des Feldes einreihen. Der frühe Boxenstopp sollte sich als strategisch goldrichtiger Schachzug erweisen.
Ab Runde 25 wechselten auch die Topfahrer an der Spitze ihre Boliden, der drittplatzierte Vergne tauschte als erster Fahrer. In Runde 26 kamen dann gleich zehn Piloten zugleich in die Garage, auch der Führende Lopez und Heidfeld wechselten ihre Autos. Di Grassi und D'Ambrosio holten so Position um Position auf und konnten sich dank der frühen Stopps an der Spitze etablieren. Lopez fand sich danach nur noch auf dem dritten Platz wieder.
In Runde 26 sorgte Loic Duval für eine Gelbe Flagge, der Dragon-Pilot rollte einfach auf der Strecke aus. Durch das stehende Auto mitten auf der Strecke musste das Safety-Car in Runde 29 erneut ausrücken. Dieser Zufall half di Grassi an der Spitze Energie zu sparen, er büßte dadurch allerdings auch einen gewaltigen Vorsprung von fast 40 Sekunden auf das restliche Feld ein. Vergne, Sam Bird und Antonio Felix da Costa konnten ihre Positionen nach den Autotauschs ebenfalls verbessern, Heidfeld verlor an Boden. Auch ein schäumender Buemi wurde auf den zehnten Rang zurückgereiht.

Lopez und Buemi schmeißen Punkte in Kurve 1 weg

Nach dem dritten Restart wurde es sehr eng zwischen Lopez und Vergne um die dritte Position. Der Argentinier musste dabei in einer Schikane abkürzen - ganz zum Ärger des Franzosen. Währenddessen wurde da Costa langsam auf der Strecke und sorgte für die nächste Gelbe Flagge. Robin Frijns musste eine Durchfahrtsstrafe verdauen, weil er beim Autowechsel unter einer Minute geblieben war.
Eine chaotische Schlussphase wurde eingeleitet von einem Dreher von Lopez in Kurve 1, und just im selben Moment verlor auch Buemi die Kontrolle über seinen Renault e.dams. Auch der Schweizer ging weit, sein FanBoost-Vorteil wurde damit zunichte gemacht. Vergne erbte so den dritten Platz von WTCC-Champion Lopez, Buemi war nach seinem Fahrfehler nur noch auf der 16. Position zu finden. Das Rennen beendete er schließlich außerhalb der Punkteränge auf Platz 14.
Mit nur acht Prozent weniger Energie als der drittplatzierte Vergne ging Lucas di Grassi in die letzten fünf Runden. Er konnte einen soliden Vorsprung von rund drei Sekunden verwalten. Dahinter reihte sich eine Kampfgruppe von Rang zwei bis sechs ein, von D'Ambrosio bis Rosenqvist. Der Belgier musste extrem schonend fahren und hielt daher die Gruppe hinter sich auf. Zwei Runden vor Schluss konnte Vergne am schwierig zu überholenden Dragon-Boliden vorbeigehen, während die Mahindra-Teamkollegen bei einer Kollision für viel Kleinholz sorgten. Heidfeld konnte somit nur den zwölfte Rang ins Ziel retten, sein Teamkollege Rosenqvist wurde gar nur 16. mit zwei Runden Rückstand.

Vergne zeigt sich sauer

Nach dem Rennen zeigte sich der drittplatzierte Techeetah-Pilot Jean-Eric Vergne extrem verärgert über D'Ambrosio: "Ich bin total frustriert. D'Ambrosio hat mir das Rennen ruiniert. Das war nicht das Ergebnis, das wir heute verdient haben." Vergne wurde offensichtlich vom Dragon aufgehalten und konnte in den letzten Runden bei freier Fahrt auf unter zwei Sekunden an di Grassi heranfahren.
Hinter dem Franzosen konnte sich Bird sein zweites Podium in dieser Saison sichern, Mitch Evans (Jaguar) und Nicolas Prost (Renault e.dams) kamen dahinter ins Ziel - sie profitierten von den chaotischen Schlussminuten und den Fahrfehlern der Vordermänner. Der kurzzeitig Führende Lopez wurde am Ende noch Sechster, sein Fehler in Kurve 1 kostete ihm eine bessere Platzierung.
Polesetter Abt fuhr ein unauffälliges Rennen und holte mit Rang sieben sogar noch Punkte. Adam Carroll (Jaguar), Nelson Piquet (NextEV) und Gutierrez (Techeetah) komplettieren die Top 10. Damit kann der Mexikaner vor seinem Heimpublikum gleich zum Auftakt punkten. In der Gesamtwertung bleibt Buemi trotz einem Nuller im Rennen (er bekam einen Punkt für die schnellste Rennrunde) vor di Grassi, der nun nur noch fünf Punkte Rückstand hat. Das nächste Rennen findet am 13. Mai in Monaco statt.
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