HSV bangt um Bundesliga-Aufstieg: Warum Hamburg regelmäßig einbricht
Der HSV verliert mit 1:2 beim direkten Konkurrenten Heidenheim und muss im Kampf um den Aufstieg in die Bundesliga nun auf Schützenhilfe aus Bielefeld hoffen. In fast schon gewohnter Manier kassierten die Hanseaten in den Schlussminuten einen Gegentreffer. Dass Hamburg seit dem Restart im Mai derart viele Punkte in den letzten Sekunden eines Spiels verliert, ist kein Zufall.
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Die HSV-Klubchefs Jonas Boldt und Michael Mutzel waren nach der 1:2-Last-Minute-Niederlage beim 1. FC Heidenheim nicht zu sprechen, ließen sich mit Verweis "auf einen baldigen Rückflug nach Hamburg" entschuldigen. Auch Aufsichtsratchef Marcell Jansen ist komplett abgetaucht. Stellen musste sich im Anschluss an den bisher heftigsten sportlichen Nackenschlag der Saison mal wieder Trainer Dieter Hecking.
"Es scheint so zu sein, dass der Fußballgott aktuell nicht auf unserer Seite ist", haderte der 55-Jährige und ärgerte sich: "Wir hätten längst durch sein müssen.”
Es ist ein einfaches Rechenspiel, das der ehemalige Gladbach-Trainer hier anführt. Dem einstigen Bundesliga-Dino gelangen nur zwei Siege in acht Spielen nach dem Restart. In beängstigender Regelmäßigkeit verspielte der HSV dabei Punkte in der Schlussphase. Beispiele gefällig?
Havard Nielsen glich in Fürth zum 2:2 in der 94. Minute aus, in Stuttgart erledigte Gonzalo Castro den HSV in der 92. Minute (3:2). Beim Drama gegen Holstein Kiel traf Jae-sung Lee in Minute 94. zum 3:3-Endstand - und nun könnte Heidenheims Konstantin Kerschbaumer die Aufstiegsträume der Rothosen mit seinem Siegtreffer in der 95. Minute endgültig zum Platzen gebracht haben.
HSV: Physische Defizite offensichtlich
"Mit dem Ausgleich [80. Minute] hatte Heidenheim nochmal die zweite Luft bekommen, aber wie wir in der Nachspielzeit das Tor kassieren, das hat nichts mit Glück oder Pech zu tun, sondern das ist einfach schlecht verteidigt", analysierte Hecking nach Spielende und wies damit auf eine große Schwäche beim HSV hin.
Dass die Gegentreffer zuletzt regelmäßig kurz vor dem Abpfiff fielen, ist nicht nur besonders schmerzhaft, es legt auch die physischen Defizite der Hanseaten schonungslos offen.
Was in Heidenheim zu erkennen war, zieht sich wie ein roter Faden durch die Spiele nach dem Restart. Der HSV baut ab der 70. Spielminute spürbar ab, lässt sich in die Defensive drängen und kommt kaum noch in die Zweikämpfe - ein Anzeichen für schwindende Kräfte.
HSV in der Bredouille: Führungsspieler gesucht
Ein weiteres Problem: Die Abwehrreihe scheint individuell zu schwach besetzt zu sein, um Dauerdruck des Gegners zu überstehen. Rick van Drongelen ist bei allem Talent mit 21 Jahren noch unerfahren, dasselbe gilt für Jordan Beyer (20), der aktuell von Borussia Mönchengladbach ausgeliehen ist und gegen Heidenheim den Ausgleich per Eigentor verschuldete.
Zudem fehlt es an Führungsspielern im Kader, die in brenzligen Situationen das Kommando übernehmen und die Mitspieler an der Ehre packen. Aaron Hunt ist Kapitän und gemessen an seiner Erfahrung ein Spieler, der führen sollte. Doch der ehemalige Nationalspieler wird seiner Rolle derzeit nicht gerecht, taucht im Kollektiv ab. Die in der Vorrunde noch so starken Adrian Fein und Sonny Kittel spielen in der Rückrunde allenfalls noch Nebenrollen.
Als konstantester Spieler der vergangenen Wochen hat sich Tim Leibold erwiesen, doch als linker Verteidiger ist es eben schwer, großen Einfluss aufs Spiel zu nehmen.
Hamburg auf Schützenhilfe angewiesen
Schon in der vergangenen Saison war es der 33. Spieltag, der dem HSV im Aufstiegsrennen endgültig den Stecker zog. Damals verlor das Team unter dem damaligen Trainer Hannes Wolf mit 1:4 beim SC Paderborn, der letztlich als Tabellenzweiter direkt aufstieg.
Aktuell haben die Hanseaten noch die Chance, den Relegationsrang drei zu erreichen, sind aber auf Schützenhilfe von Zweitliga-Meister Arminia Bielefeld angewiesen. Die Ost-Westfalen empfangen am kommenden Sonntag den 1. FC Heidenheim, Hecking und seine Mannen müssen sich gegen den SV Sandhausen durchsetzen.
"Du musst hoffen, dass Bielefeld nochmal alles raushaut", erklärte Hecking, wohl wissend, dass die Arminen bereits in Karlsruhe eine 3:0-Halbzeitführung herschenkten. "Die kleine Chance", so Hecking weiter, "ist noch da."
In erster Linie müsse der HSV aber auf sich selbst schauen, die viel zitierten "Hausaufgaben" machen. Gelingt das nicht, droht ein bitteres Déjà-vu.
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