1. FC Nürnberg mit Elf-Tore-Wahnsinn gegen den SSV Jahn Regensburg - SC Paderborn schockt den 1. FC Köln auswärts

Der 1. FC Nürnberg schwebt mit Weltmeister Miroslav Klose als Trainer in der 2. Bundesliga seit dem Derby-Sieg gegen Fürth (4:0) auf einer Euphoriewelle: Den SSV Jahn Regensburg schickte der Club am Freitagabend nach einer wilden Partie mit 8:3 (3:2) nach Hause. Der 1. FC Köln verlor derweil gegen den SC Paderborn nach Führung 1:2 (0:0) und kassierte einen bitteren Dämpfer.

2. Bundesliga: Julian Justvan (Mitte) jubelt über ein Tor für den 1. FC Nürnberg gegen den SSV Jahn Regensburg

Fotocredit: Getty Images

Negativrekord verhindert, Talfahrt jedoch mit Debakel fortgesetzt: Schlusslicht Jahn Regensburg hat in der 2. Bundesliga die ersten eigenen Treffer seit dem zweiten Spieltag erzielt, aber dennoch den nächsten bitteren Dämpfer kassiert.
Die Mannschaft von Trainer Joe Enochs unterlag am Freitagabend in einer wilden Begegnung beim 1. FC Nürnberg 3:8 (2:3) und bleibt mit nur vier Punkten am Ende der Tabelle.
Stefanos Tzimas (17.), Mahir Emreli (23.), Dreierpacker Julian Justvan (45.+1/59./74., Foulelfmeter), Lukas Schleimer (80.), Jens Castrop (83.) und Ondrej Karafiat (90.+1) trafen für den Club, der nach seinem dritten Sieg in Serie die Aufstiegsplätze ins Visier nimmt.
Eric Hottmann (36.), Christian Viet (42., Handelfmeter) und Kai Pröger (49.) trafen für den Aufsteiger, der damit nicht der erste Verein ist, der seit der Einführung der 2. Liga nur ein Tor in zehn Spielen erzielte. Am Ende stand aber trotzdem die achte Niederlage der Spielzeit.

Nürnberg trifft fast mit jedem Schuss

In einem verrückten Spiel machte die Mannschaft von Trainer Miroslav Klose da weiter, wo sie beim überzeugenden 4:0 im Frankenderby bei der SpVgg Greuther Fürth aufgehört hatte. Der Grieche Tzimas vollendete einen Konter zur frühen Führung, nur sechs Minuten später erhöhte Emreli.
Doch Regensburg brach zunächst noch nicht auseinander - und schlug durch Hottmann und einen verwandelten Handelfmeter von Viet zurück. Noch vor der Pause war aber Nürnberg wieder an der Reihe, Justvan sorgte in der Nachspielzeit für die erneute Führung.
Im zweiten Durchgang blieb es ein temporeiches Spiel. Kurz nach der Pause erzielte Pröger den erneuten Ausgleich. Doch auch hier währte die Regensburger Freude nicht lange, denn wieder war es Justvan, der nun mit einem direkten Freistoß traf. In der Schlussphase schraubten die Nürnberger das Ergebnis in die Höhe.

Köln verliert den Schwung

Der 1. FC Köln hat derweil in der 2. Liga jeden Schwung verloren. Mit neuem Defensiv-Ansatz wollte sich der Bundesliga-Absteiger nach dem 1:5 bei Darmstadt 98 unbedingt stabilisieren - er hatte gegen den SC Paderborn dadurch allerdings kaum noch Offensives zu bieten und verlor am Freitagabend 1:2 (0:0).
"Ein sehr, sehr gebrauchter Abend", sagte FC-Kapitän Timo Hübers am "Sky"-Mikrofon: "Heute ist es bitter. Ich kann verstehen, dass die Fans sauer sind."
Paderborn begann erstmals mit Luis Engelns in der Startelf - der 17-Jährige hätte beinahe früh getroffen, nachdem sich der Kölner Abwehrspieler Julian Pauli mächtig verschätzt hatte (10.). Auch der SCP-Torhüter war ein Neuer: Markus Schubert löste Pelle Boevink ab, mit dem Trainer Lukas Kwasniok schlicht nicht mehr zufrieden war.
Köln, mit Dejan Ljubicic für den erkälteten Damion Downs, bemühte sich um jene "Stabilität und Kompaktheit", die Trainer Gerhard Struber gefordert hatte. Kein kopfloses Anrennen mehr auf Kosten riesiger Abwehrlöcher: "Smart stehen", nannte es der Österreicher.

Doppelschlag durch Joker Michel

So überließ seine Mannschaft erstaunlich passiv den Gästen den Ballbesitz, FC-Torhüter Jonas Urbig rettete gegen Filip Bilbija (34.). "Wir wollen euch kämpfen sehen", riefen die langsam unruhigen Kölner Fans im ausverkauften RheinEnergie-Stadion. Zur Halbzeit gab es Pfiffe.
Auch nach der Pause musste ein geblockter Schuss von Linton Maina (65.) schon als Kölner Highlight bezeichnet werden. Der FC spielte nicht schön, hatte aber endlich Erfolg - Jan Thielmann zog nach einer Ecke ab und tunnelte mit seinem Schuss Denis Huseinbasic. Schubert war im Tor machtlos (66.).
Paderborn aber griff sofort leidenschaftlich an und schlug durch Joker Sven Michel (76./80.) im Doppelpack zurück. Paderborn kletterte auf den dritten Platz, Köln versinkt vorerst im Mittelmaß.

Keller stützt FC-Trainer Struber: "Ist gesetzt"

Trotz der nächsten Heimpleite steht FC-Trainer Struber nicht zur Diskussion. Der Österreicher sei "gesetzt", sagte Sport-Geschäftsführer Christian Keller nach dem Spiel am "Sky"-Mikrofon. "Gerhard macht einen guten Job", so Keller weiter: "Ich weiß, dass es natürlich der Reflex ist, immer danach zu fragen, aber daran liegt es jetzt sicherlich nicht."
Bereits nach dem 1:5 in Darmstadt in der vergangenen Woche hatte es vermehrt Pfiffe aus dem Kölner Fanblock gegeben. Nach der nächsten Niederlage, durch die der FC im Tabellenmittelfeld stecken bleibt, ließen nun wieder einige Fans ihrem Unmut Luft. Auch Forderungen nach Kellers Rauswurf hallten während seiner stützenden Worte für Struber von der Tribüne.
Keller reagierte äußerlich gelassen. "Die Menschen haben natürlich die Erwartungshaltung, dass wir in der zweiten Liga besser abschneiden. Wir haben auch schon gezeigt, dass wir es besser können. Und dann ist es auch klar, dass sich die Wut, die Enttäuschung und die Verärgerung irgendwo entladen muss", sagte er: "Jetzt geht es auf mich. Und das ist mir tatsächlich auch lieber, als wenn es auf unsere Spieler geht, denn die müssen am Dienstag schon wieder spielen."
Am Dienstag empfangen die Kölner in der 2. Runde des DFB-Pokals Bundesliga-Aufsteiger Holstein Kiel.
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(SID)
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