Ballon d'Or: Bayern-Trio in Top Ten und fragwürdige Wahlergebnisse abseits von Messi und Ronaldo

Der überlegene Sieg von Lionel Messi bei der Wahl zum Weltfußballer war keine Überraschung - die Abstimmungsergebnisse einzelner Experten aber schon. Wir haben für Euch die detaillierten Resultate unter die Lupe genommen und etliche kuriose bis fragwürdige Kandidaten für den Ballon d'Or auf den Wahlzetteln der Kapitäne der Nationalmannschaften, der Nationaltrainer und Journalisten gefunden.

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Alle Jahre wieder das gleiche Bild: Was eine im Idealfall objektive Wahl zum besten Fußballer sein sollte, entpuppt sich vielfach als fast schon kleinliches Spielchen:
Um sich vor Kritik aus den eigenen Reihen, schlechter Stimmung im Team und unangenehme Nachfragen zu schützen, wird eifrig mit Vereins- oder Nationalbrille abgestimmt, statt halbwegs objektiv auf die Leistung der Stars zu schauen.
Denn egal wie man zu Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo steht - nach ihren Auftritten im Jahr 2015 muss man schon einen besonderen Blick auf den Fußball haben, um sie nicht zu den besten drei Kickern des Planeten zu zählen. Über die Reihenfolge mag man noch streiten, doch übergehen kann man sie eigentlich kaum.
Doch die Stars gingen mit schlechtem Beispiel voran: Messi selbst vergab seine Punkte an Luis Suarez, Neymar und Andres Iniesta - alles Teamkollegen beim FC Barcelona. Ronaldo bedachte den Gegner ebenfalls nicht und wählte das Real-Trio Karim Benzema, James Rodriguez und Gareth Bale. In der eigenen Kabine blieben auch die Stimmen von Robert Lewandowski, der sich für die Bayern-Mannschaftskameraden Manuel Neuer, Arturo Vidal und Thomas Müller aussprach.
Bundestrainer Joachim Löw spielte die deutsche Karte: Der 55-Jährige gab seine Stimmen für Manuel Neuer, Thomas Müller (beide Bayern München) und Toni Kroos (Real Madrid) ab. Auch DFB-Kapitän Bastian Schweinsteiger stimmte für Neuer und Müller, die dritte Wahl des Manchester-Profis war aber Neymar.

Italien schmollt, Spanien trödelt

Dass es auch trotz eigener Top-Spieler anders geht, bewies etwa Frankreichs Spielführer Hugo Lloris: Der Tottenham-Profi sparte sich nationale oder lokale Spielchen mit Benzema, Paul Pogba oder Harry Kane und wählte einfach Messi, Ronaldo und Neymar. Auch Didier Deschamps vom EM-Ausrichter überging seine eigenen Schützlinge und bevorzugte Ronaldo, Messi und Thomas Müller. Auch Robben und Zlatan Ibrahimovic blickten über den Tellerrand des Trainingsplatzes (und schickten beide alle Stimmen nach Barcelona).
Bei Nationaltrainer Winfried Schäfer (Jamaika) gab es hingegen keinen Platz für Messi und Ronaldo, er sah Neuer vor Ibrahimovic und Neymar. Ausgeglichener stimmten die weiteren deutschen Coaches ab: Jürgen Klinsmann (USA) wählte Messi, Neymar und Ronaldo, Bernd Stange (Singapur) wiederum Messi, Neuer und Ronaldo, Gernot Rohr (Burkina Faso) setzte Müller vor Messi und Ronaldo und Uli Stielike (Südkorea) Ronaldo vor Messi und de Bruyne.
Gar nicht wählen mochten Italiens Trainer Antonio Conte und Kapitän Gianluigi Buffon: Aus Protest darüber, dass der Star-Keeper nicht einmal in der Vorauswahl des Ballon d'Or mit 59 Spielern auftauchte, schwänzten sie die Wahl. Ihr Landsmann, Journalist Paolo Condo, hatte aber auch keine Stimme für "Gigi" übrig...
Spanies Kapitän Iker Casillas hingegen soll die Wahlunterlagen zu spät erhalten haben, um noch abzustimmen - Erfolgscoach Vicente del Bosque war schneller uns setzte Messi und Ronaldo vor seinen Schlüsselspieler Adres Iniesta.

Weltfußballer Robben, "Prügel" für Pogba

"Überraschungssieger" gab es auch etliche: So wurde der lange verletzte Bayern-Star Arjen Robben von Pakistans Auswahlcoach auf Platz eins gesetzt. Gerd Zeise, deutscher Trainer von Myanmar, entschied sich für Kevin de Bruyne, Kameruns-Kapitän Stephane Mbia für Yaya Touré (Manchester City).
Etliche Experten setzten auch Robert Lewandowski und Manuel Neuer ganz nach vorne, so etwa Österreichs Kapitän Christian Fuchs, der sich für den Welttorhüter aussprach.
Juve-Star Paul Pogba wurde zwar von Vanuatus-Kapitän als Weltfußballer ausgewählt, von seinem eigenen Bruder Florentin Pogba (Kapitän von Guinea) jedoch ganz übergangen.
Wahlberechtigt waren 165 Nationaltrainer, 162 Kapitäne von Nationalmannschaften und 171 Journalisten - je einer pro Land.

Bayern-Trio und Stürmer-Sextett

Am Ende war es Robert Lewandowski, der sich hinter dem Top-Trio mit 4,17% der Stimmen Rang vier sicherte - doch angesichts der drei Stürmer vor ihm keinen Platz in der Weltauswahl fand. Dort vertrat nur Neuer (1,97%) die Farben des FC Bayern - er belegte Platz sieben im Ranking der Weltfußballer, direkt hinter Teamkollege Thomas Müller (2,21%).
Damit sind die Bayern immerhin die zweitbeste Mannschaft, nur Barca ist mit Messi, Neymar, Luis Suarez und Andres Iniesta noch häufiger in den Top Ten vertreten.
Auffällig beim Ranking 2015: Es ist noch "stürmerlastiger" als sonst. Sechs Angreifer aus den ersten Plätzen - damit wird der "Rekord" aus dem Jahr 1978 gebrochen. Damals reihten sich hinter HSV-Torjäger Kevin Keegan mit Hans Krankl, Rob Rensenbrink, Robert Bettega und Paolo Rossi vier weitere Stürmer ein (bevor auch da ein Bundesliga-Torwart kam - in diesem Fall der Schwede Ronnie Hellström vom 1. FC Kaiserslautern).

MSN schlägt BBC

Im Duell der Offensivreihen hatte Barcas Trio "MSN" mit Messi, Suarez und Neymar klar die Nase vor den Real-Rivalen "BBC" mit Ronaldo, Gareth Bale (16.) und Karim Benzema (20.)
Den "Interkontinental-Vergleich" der Top Ten entschied Europa mit 6:4 gegen Südamerika für sich, Deutschland ist als einziges Land dabei doppelt vertreten. Prozentual aber ist durch Messis 41,3% das EU-Sextett dem Quarett aus Argentinien, Brasilien, Uruguay und Chile weit unterlegen.
"Best of the rest" ist schließlich in diesem Jahr ausgerechnet ein Spieler, dessen Ego jede Abstimmung überragt. Zlatan Ibrahimovic landete auf dem elften Rang, um 0,05% hinter Alexis Sanchez.
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