Borussia Dortmund - BVB-Frauen im Schicksalsderby gegen Schalke 04: Viertligaspiel fesselt den Ruhrpott – und sorgt für Rekordkulisse
Borussia Dortmund gegen Schalke 04 – viel wohlklingender, geschichtsträchtiger und emotionsgeladener kann eine Spielpaarung kaum sein. Am kommenden Sonntag duellieren sich die Frauen-Teams der beiden Ruhrpott-Rivalen im altehrwürdigen Stadion Rote Erde – und zwar vor einer Rekordkulisse. Ein Blick auf die Tabelle zeigt: Es geht um deutlich mehr als den prestigeträchtigen Derbysieg.
Borussia Dortmund trifft im Derby auf den FC Schalke 04
Fotocredit: Getty Images
Eingefasst in die sandfarbene Bruchsteinfassade weist ein großes, verzinktes Marathontor den Weg ins Innere. Tartanbahn und Rasen sind von kargen Stufen und einer bescheidenen Tribüne umsäumt.
Hier, im Stadion Rote Erde, großzügig beschattet vom Fußball-Tempel namens Signal Iduna Park, atmet jeder Stein Sportgeschichte.
Bis 1974 absolvierte die erste Mannschaft des Ballspielvereins Borussia aus Dortmund hier ihre Heimspiele, mittlerweile dient der Bau als Wohnzimmer der BVB-Zweitvertretung (3. Liga) und der 2021 gegründeten Frauenmannschaft, die binnen drei Jahren von der Kreisliga in die Westfalenliga durchmarschiert ist.
Doch dabei soll es nicht bleiben, die vierthöchste Spielklasse soll lediglich als Durchgangsstation fungieren. Vier Spieltage vor Saisonende hat die Mannschaft von Trainer Thomas Sulewski den vierten Aufstieg in Serie fest im Visier.
Nur Schalke kann den BVB abfangen
Nahezu jeder Gegner wurde in der laufenden Saison deutlich abgewatscht, Dortmund grüßt mit 61 Zählern aus 22 Partien und einem beeindruckenden Torverhältnis von 97:12 Toren vom tabellarischen Platz an der Sonne. Eigentlich alles bestens, der Weg in die nächsthöhere Liga ist mutmaßlich geebnet. Fast.
Denn ein ganz besonderer Kontrahent kämpft mit lediglich einem Punkt Rückstand ebenfalls noch um den einzigen Platz, der zum Aufstieg berechtigt: Ausgerechnet der FC Schalke 04. Und genau der gibt sich am Sonntagnachmittag (15:00 Uhr) beim BVB die Ehre.
Schwarz-Gelb gegen Königsblau, auf grüner Wiese, im Stadion Rote Erde. Ein Farbenspiel ums Prestige, ein Schicksalsduell auf dem langen Weg in Deutschlands Beletage des Frauenfußballs.
Vor allem aber eines: Ein Derby auf sportlicher Augenhöhe (das Hinspiel endete 0:0). Eine Konstellation, die bei den Männern allein durch die verschiedenen Ligazugehörigkeiten dieser Tage schlicht nicht umsetzbar ist.
BVB - Schalke vor Rekordkulisse
Wie sehr es die Leute nach Revier-Derby dürstet, lässt sich schon anhand der erwarteten Zuschauerinnen und Zuschauer erkennen. Innerhalb weniger Tage waren die 10.000 Karten vergriffen, die Dortmunderinnen dürfen sich erstmals seit ihrer Gründung über ein ausverkauftes Haus freuen. Rekordkulisse.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/04/25/image-9e529f54-fab8-4a5b-bc3f-9e30697c152b.jpeg)
Das HInspiel zwischen dem BVB und Schalke endete 0:0
Fotocredit: Getty Images
Womöglich hätten noch deutlich mehr Tickets verkauft werden können, ein zwischenzeitlicher Umzug in den benachbarten, deutlich größeren Signal Iduna Park war jedoch laut Svenja Schlenker, Abteilungsleiterin Frauen- und Mädchenfußball, kein Thema, wie sie im Gespräch mit Eurosport klarstellt.
"Das Stadion Rote Erde ist unsere Heimspielstätte, dort fühlen wir uns verdammt wohl", sagt sie und schiebt mit einem Augenzwinkern nach: "Den Signal Iduna Park heben wir uns für die Zukunft auf." Auch Torjägerin Dana Marquardt verweist auf die Festung Rote Erde: "Hier absolvieren wir unsere Heimspiele, hier wollen wir auch das Derby spielen."
Natürlich sei der Signal Iduna Park "beeindruckend und mit Blick auf die Zukunft hoffentlich mal eine Alternative", aber für das Aufeinandertreffen mit Schalke sei die Rote Erde "das beste Stadion, das wir uns vorstellen können."
Grothe: "Welche Fußballerin kann das von sich behaupten"
Das ungewohnt hohe Fan-Aufkommen sehen die Protagonistinnen offenbar gelassen. "Wir empfinden das eher als Freude, denn als Druck", erklärt Kapitänin Marie Grothe: "In der vierten Liga vor 10.000 Zuschauern zu spielen – welche Fußballerin kann das von sich behaupten? Das ist selbst in der Bundesliga eher Ausnahme als Regel."
Tatsächlich. Beim zuschauerstärksten Klub der Frauen-Bundesliga, dem 1. FC Köln, liegt der Schnitt pro Heimspiel bei 5700.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/04/24/image-138bb77d-80c2-43f0-bd58-208c409db88d.jpeg)
Kapitänin Marie Grothe (r.) bleibt vor dem Derby gelassen
Fotocredit: Getty Images
Coach Sulewski geht es vor allem darum, das Wesentliche bei aller Euphorie nicht aus den Augen zu verlieren. "Das Drumherum lässt sich nicht komplett ausblenden, aber es ist die Aufgabe unseres Trainerteams, die Spielerinnen dazu zu bringen, sich am Sonntag auf die 90 Minuten auf dem Platz zu konzentrieren."
Mit hoher Konzentration müssen aber vor allem die Verfolgerinnen aus Gelsenkirchen aufwarten, wollen sie im Kampf um das Ticket für die Regionalliga West noch ein entscheidendes Wörtchen mitreden. Dementsprechend schiebt Spielführerin Grothe die Bürde des Gewinnenmüssens auch an die Gäste weiter.
BVB will in die Bundesliga
"Wir gehen als Spitzenreiter in das Spiel, der Gegner hat viel mehr Druck als wir. Wir müssen nicht, aber wir wollen gewinnen", sagt die 28-Jährige. Der unbändige Siegeswille, der die Dortmunderinnen durch die gesamte Saison getragen hat, er soll auch gegen Schalke den Sieg und damit den nahezu sicheren Aufstieg besorgen.
Auch in der nächsthöheren Liga wollen es sich die BVB-Frauen nicht gemütlich machen, im Fokus steht – wie bereits skizziert – das Oberhaus. "Das entspricht den Ambitionen von Borussia Dortmund, es war von Anfang an das Ziel, irgendwann in der Bundesliga zu spielen", verrät Abteilungsleiterin Schlenker.
BVB-Boss Cramer: "überzeugt von unserem Weg"
Dafür nimmt der Verein ordentlich Geld in die Hand. Für die Mädchen- und Frauenmannschaften soll ein eigenes Trainingszentrum in Dortmund entstehen, zudem wurde für die kommende Spielzeit mit Markus Högner ein namhafter Trainer verpflichtet, der derzeit die Geschicke beim Bundesligisten SGS Essen leitet.
"Wir nehmen das Thema Frauenfußball sehr ernst und sind überzeugt von unserem Weg", sagt BVB-Geschäftsführer Carsten Cramer gegenüber Eurosport. Er ergänzt: "Was uns neben dem sportlichen Erfolg besonders freut, ist die positive Wahrnehmung, die wir in jeder Beziehung erfahren. Das motiviert uns zusätzlich, diesen Weg weiterzugehen."
Wohin auch immer besagter Weg die Spielerinnen von Borussia Dortmund langfristig führt, sie werden neue Geschichten schreiben, während sie ihn beschreiten. Geschichten, die von den Stadionmauern der Roten Erde konserviert und eines Tages erzählt werden.
Das könnte Dich auch interessieren: Bayern plant die Zukunft: Für wen es jetzt um alles geht
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/04/11/4118318-83504008-2560-1440.jpg)
Alonso-Zukunft: Bayer will verlängern - aber Abschied möglich
Quelle: Perform
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/01/06/image-ea4c9f95-f41e-4a1d-95f7-4af46e7639e1-68-310-310.jpeg)