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"Micho" spricht Klartext
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Publiziert 26/09/2008 um 19:31 GMT+2 Uhr
Die Personalie Mark van Bommel lässt den FC Bayern nicht zur Ruhe kommen. Die Ausbootung des Kapitäns beim DFB-Pokalspiel gegen Nürnberg wurde als normale Rotation verkauft. Möglicherweise steckt aber doch mehr dahinter. Martin Demichelis jedenfalls wollt
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Der streitbare "Aggressiv-Leader" des deutschen Rekordmeisters machte am vergangenen Mittwoch ebenfalls nicht den Eindruck, als sei die Begründung von Trainer Jürgen Klinsmann für die verordnete Auszeit hinreichend gewesen. Mit finsterer Miene stapfte der Nationalspieler an den Journalisten vorbei durch die Mixed-Zone in der Allianz Arena, wortlos, mit leerem Blick.
Auf die Zwangspause für ihren Kapitän angesprochen, übten sich van Bommels Kollegen in kollektiver Zurückhaltung. Ob Herausforderer Andreas Ottl, Mittelfeldpartner Tim Borowski oder Stürmer Miroslav Klose: Mehr als die üblichen Phrasen und Worthülsen war den FCB-Profis bezüglich der Stellung des Mannschaftsführers nicht zu entlocken. Die Antworten auf die "Van-Bommel-Frage" bewegten sich irgendwo zwischen "Wir haben einen starken Kader, es ist sinnvoll zu rotieren" und "An Marks Position in der Mannschaft ändert sich überhaupt nichts".
Bloße Rotation? "Ich weiß es nicht"
Martin Demichelis hat eine etwas differenziertere Sichtweise der Dinge. "Mark weiß, dass viele Spieler auf der Bank sitzen, die ebenso wichtig sind. Wir haben viele Akteure im Kader, die ebenfalls spielen wollen", sagt der Abwehrspieler, der am Ende der vergangenen Saison im Exklusiv-Interview mit eurosport.yahoo.de selbst seine Ambitionen auf das Kapitänsamt unterstrichen hat, beim Mediengespräch in der Säbener Straße.
Auf die Frage, ob die Herausnahme des Kapitäns tatsächlich nur dem Rotationsprinzip geschuldet sei, antwortete Demichelis: "Das ist schwer zu beantworten. Ich weiß es nicht. Diese Frage muss eigentlich an Mark und den Trainer gestellt werden." Demichelis freilich macht sich trotzdem seine eigenen Gedanken zu dem Thema - und artikuliert diese auch. "Für Mark ist es natürlich schwer, aber letztlich entscheidet der Trainer immer zum Wohl der Mannschaft und nicht zum Wohl des Einzelnen", so der Nationalspieler.
Nur die Mannschaft zählt
Demichelis unterstreicht dabei die Position Jürgen Klinsmanns, der bei Personalfragen auch im Kapitänsamt keine "Heilige Kuh" sieht, die unter keinen Umständen geschlachtet werden darf. "Der Gesamterfolg ist das einzige, was zählt. Nur das Wohl der Mannschaft ist wichtig, nicht der Erfolg einzelner Spieler." Klare Worte von "Micho".
Die Leistungen van Bommels in der bisherigen Saison geben tatsächlich keinen Anlass dazu, den Mittelfeldspieler als "unantastbar" zu bezeichnen. Neben seinen Unbeherrschtheiten fiel der Niederländer mit schwachen Auftritten gegen Werder Bremen und Borussia Dortmund auf. Konkurrent Ottl hingegen drängt sich nach Auskunft Klinsmanns seit Wochen mit guten Trainingsleistungen auf - und empfahl sich beim Pokalsieg gegen Nürnberg mit einem starken Auftritt für weitere Einsätze.
Jede Stimme zählt
Die Rolle des Kapitäns in einer Mannschaft wird aus Sicht Demichelis' ohnehin überbewertet. "Der Kapitän ist ein Teil des Teams, wie jeder andere Spieler auch", betont der Südamerikaner und fügt hinzu: "Die Binde macht dich nicht zum Alleinherrscher auf dem Platz. Es zählt jede Stimme." Ein Seitenhieb gegen den für seine lauten Anweisungen bekannten und gerne diskutierenden van Bommel? Demichelis betont zwar, dass er "eine gute Beziehung" zum Holländer habe, Mitleid empfindet "Micho" aber nicht: "Wir sind Profis, wir müssen akzeptieren, wenn wir mal nicht spielen."
Die ständig wechselnde Rolle des Mannschaftsführers habe dabei keinen negativen Einfluss auf das Funktionieren der Mannschaft. "Das ist nicht problematisch", sagt Demichelis, der bis vor kurzem noch in Oliver Kahn einen Dauerkapitän hinter sich wusste - eine Rotation im Tor hätte den "Titan" mit Sicherheit zum Rotieren gebracht, doch "King Kahn" gehörte nicht zum Wechselpersonal von Ex-Coach Ottmar Hitzfeld. "Olli war eine Legende", begründet Demichelis, "sowohl bei Bayern als auch im gesamten deutschen Fußball."
Von einem Legendenstatus ist van Bommel freilich noch weit entfernt. Wie weit von seinem nächsten Einsatz, wollte Trainer Klinsmann selbst am Tag vor dem Auswärtsspiel bei Hannover 96 nicht verraten. Ob van Bommel gegen die "Roten" in der Startelf steht? "Das erfahren alle am Samstagnachmittag", orakelte der Coach, bestätigte den versammelten Medienvertretern jedoch mit einem Lächeln: "Aber ihr seid schon auf dem richtigen Weg..."
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